Zehntausende Narren trotzen der Kälte
Bad Wimpfen - Am Faschingssonntag herrscht in Bad Wimpfen traditionell Ausnahmezustand. Mehr als 140 Fußgruppen, Kapellen und Wagen verwandeln die Stauferstadt in ein Tollhaus.
Bad Wimpfen - Am Faschingssonntag herrscht in der Stauferstadt Bad Wimpfen traditionell Ausnahmezustand. Es ist 14.11 Uhr. Auf dem Talmarktgelände setzt sich der farbenfrohe Tross langsam in Bewegung. Zum 60. Mal zieht der "Gaudiwurm unterm blauen Turm" der Wimpfener Faschingsgesellschaft vom Tal hinauf bis in die Gassen der Altstadt. Mehr als 140 Wagen, Kapellen und Fußgruppen sorgen auf einer Strecke von knapp drei Kilometern für ausgelassene Stimmung. Und auch in diesem Jahr jubeln wieder zehntausende Besucher am Straßenrand den Narren zu.
"Helau", schallt es zwischen den schrägen Rhythmen farbenprächtiger Guggenmusiker unzählige Male durch die Straßen und Gassen. Prinzengarden und Kapellen animieren die Zuschauer zum Singen und Tanzen. Von den Wagen regnet es tonnenweise Wurfmaterial wie Kaiserschmarrn, Bonbons, Tröten und Popcorn. Um möglichst viel davon mit nach Hause zu nehmen, hat die fünfjährige Leila eine große Tasche dabei. Mit ihrer Mutter Susan Labiadh ist sie aus Heilbronn gekommen. "Der Wimpfener Umzug gehört mit zu unseren Favoriten", sagt die Heilbronnerin, die mit ihrer Tochter seit zwei Jahren das närrische Treiben im Unterland verfolgt.
Lange Unterhosen
Für Gerhard Maier ist "jetzt alles nur noch Spaß". Der Wimpfener Sitzungspräsident hat noch am Samstagabend im Kursaal durch die letzte Prunksitzung der Kampagne geführt. Bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt führt er am Sonntag die lange Unterhose in der Aktentasche mit. "Aus reiner Vorsicht", wie er sagt. Die hat Bürgermeister Claus Brechter längst schon an. Dazu Schal, Handschuhe, dicke Socken und rhythmische Bewegungen - so lässt es sich für das Stadtoberhaupt auf der Tribüne in der Altstadt aushalten.
Dort genießt auch der CDU-Bundestagsabgeordnete Thomas Strobl den Umzug. Heute mit Drei-Tage-Bart. Am Abend zuvor war er noch in Ellhofen. Zum Rasieren hat es offenbar nicht mehr gereicht. Sein Kollegen von der SPD gibt sich eher als Mann der Tat. Josip Juratovic wirft frisch rasiert vom Wagen des Gundelsheimer Elferrates Süßigkeiten in die Menge.
Mit Liebe zum Detail wurden auch diesmal die Themen- und Motivwagen gebaut. Brandaktuell: Guido Westerwelle, der Senkrechtstarter, sitzt mit irrem Blick im Düsenflugzeug. Und auch die Hysterie um die Schweinegrippe bekommt ihr Fett ab. Zum ersten Mal dabei sind die Tauberhexen aus Königshofen. Den Wimpfener Umzug kennen sie nur vom Hörensagen. "Man hat uns gesagt, dass wir uns hier ein bisschen benehmen müssen", sagt Oberhexe Heino Herberich. Überhaupt legt Zugorganisator Gunther Werner Wert auf Sicherheit. Die Wagen halten den scharfen Kriterien stand. "Vielleicht bekommen wir ja noch die Anweisung, die Bonbons in Schaumgummi einzupacken", scherzt der Ehrenpräsident des Wimpfener Umzugsvereins.
Einfach nur Spaß
Bereits zum 25. Mal dabei ist die Bad Friedrichshaller Gruppe "Die mit dem Volk tanzen". "Wir sind kein eingetragener Verein und wollen den Leuten einfach nur Spaß bringen", sagt der Chef Michael Haller. Das haben auch die Sulmanafetza Neckarsulm vor. "Einmal im Jahr muss man sich das geben", sagt Susanne Lutz, die in diesem Jahr den Bollerwagen der Guggenmusiker ziehen darf.


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