Wer Altholz privat entsorgt, spart kräftig
Region - Deponien in Stadt- und Landkreis verlangen deutlich mehr als Betriebe

Region - Altes Holz in kleinen Mengen zu entsorgen, ist leicht. Recyclinghöfe in Stadt- und Landkreis nehmen es gratis an, besonders belastetes wird man auf den Deponien los. Allerdings wird es hier schnell teuer. Im Extremfall zahlt man bis zu 30 Mal so viel, mindestens aber das Doppelte als beim günstigsten privaten Entsorger. Wer von dieser Alternative nichts weiß, wirft bares Geld fort.
Minadir Hadzic, 34, aus Heilbronn wusste schon gar nicht mehr wohin mit all den Dachlatten, Türblättern und Balken, nachdem er sich in der Stadtmitte ein altes Haus gekauft hatte und fleißig renovierte. Hätte er sich, wie er es anfangs tat, dauerhaft an den Ratschlag des Abfallratgebers der Stadt gehalten und sein Holz bei der Deponie Vogelsang auf dem Wartberg abgeliefert, hätte er mittlerweile bei Preisen von 88 und 160 Euro für die Tonne (abhängig vom Belastungsgrad) fast ein Monatsgehalt dorthin gekarrt. Doch er hatte Glück. „Zehn Mal bin ich auf die Deponie gefahren“, sagt er. Dann bekam er einen Tipp. Seither ist er bei der Firma A+S Altholzverwertung für weniger Geld 40 weitere Fuhren losgeworden. Diesmal „über 200 Kilo für 4,28 Euro“. Er steht an der A+S Annahmestelle, zeigt die Rechnung und freut sich. Zur Deponie Vogelsang sind es von hier kaum hundert Meter.
Die Holzabgabe direkt bei dem Entsorger ist legal und fürs grüne Gewissen unbedenklich. Denn auch das bei der Deponie abgelieferte Holz wird dort von einer Privatfirma - der Ludwigsburger Kurz-Gruppe - wie bei A+S der thermischen Verwertung zugeführt, sprich verbrannt. Gleiches gilt für die Landkreisdeponien: In Schwaigern-Stetten und in Eberstadt holt die Heilbronner RUZ GmbH das gesammelte Altholz zur Energiegewinnung ab. Auch diese Firmen verlangen nur einen Bruchteil der Gebühren, die Stadt und Landkreis (190 Euro für die Tonne) erheben.
Wie geht das? Der zuständige Sachgebietsleiter der Heilbronner Entsorgungsbetriebe, Markus Hohmann, erklärt zu den Preisunterschieden, man wolle den Privaten keine Konkurrenz machen. Man verdiene sich aber auch keine goldene Nase: „Mit den Gebühren sind unsere Kosten abgedeckt.“
Hubert Waldenberger, Sprecher des Landratsamts, spricht ebenfalls nicht von Gewinn: „Von der Mülltonne im Kleinen bis zur Deponie im Großen deckt sich der Abfallwirtschaftsbetrieb.“ Er nennt den Vergleich mit den Preisen der Privaten eine „Milchmädchenrechnung“ und verweist auf die den Gebühren zugrundeliegende Mischkalkulation: „Wir müssen ja auch die gesamte Deponie vorhalten. Man kann da nicht Kilo gegen Kilo rechnen.“
Wie viel Geld die Privaten für die Verwertung des auf den Deponien gesammelten Holzes erhalten, wollen die Stadt und ihr Geschäftspartner nicht sagen. Auch der Landkreis wird nicht konkret. RUZ-Geschäftsführer Christian Preußner sagt jedoch, man richte sich nach Marktpreisen. Sicher ist: Der Entsorger erhält deutlich weniger, als an Gebühren anfällt.
Es rechnet sich Für die Privaten lohnt sich das Geschäft dennoch. „Holz ist knapp“, sagt Preußner. Entsprechend aufbereitet als Biomasse, gehe die Rechnung auf. „An den Markt angepasst“, nennt Elmar Gergele, Betriebsleiter bei Kurz in Schwaigern, die Preise. Bernd Gall, Betriebsleiter bei A+S sagt: „Wenn wir Preise ab 88 Euro machen, bekommen wir morgen kein einziges Kilo Altholz mehr.“
An Minadir Hadzic wird der Nachschub nicht scheitern. „Das Geld, dass ich so spare, kann ich gut für andere Dinge verwenden.“ Eines findet er schade: „Bei der Deponie hat mir niemand gesagt, dass es eine viel günstigere Lösung gibt.“
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