Wenn Türkisch gefragt ist

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Immer wieder suchen Arbeitgeber für spezielle Aufgaben sprachkundige Migranten

Von Heiko Fritze und Laura Curtze
In der Engel-Apotheke gibt es auch türkischsprachiges Personal, so dass Migranten meistens ohne Probleme beraten werden können. Mehrsprachigkeit ist bei dort einer Bewerbung durchaus erwünscht.Foto: Andreas Veigel
In der Engel-Apotheke gibt es auch türkischsprachiges Personal, so dass Migranten meistens ohne Probleme beraten werden können. Mehrsprachigkeit ist bei dort einer Bewerbung durchaus erwünscht.Foto: Andreas Veigel

Heilbronn - Wenn es um den Beipackzettel der Tablettenpackung geht, die Behandlung beim Zahnarzt oder Rechtsstreitigkeiten, dann sind manche Migranten mit ihren Deutschkenntnissen überfordert. Einige Arbeitgeber in der Region, die besonders viele Kunden aus diesem Kreis haben, gehen daher den umgekehrten Weg: Sie stellen bewusst Fachkräfte mit speziellen Sprachkenntnissen ein.

Zum Beispiel Mustafa Kara. Der Apotheker kommt aus Istanbul, lebt seit 1989 in Deutschland und ist heute Inhaber der Engel-Apotheken in Neckarsulm und Heilbronn. Dort gibt es die Beratung in mehr als nur einer Sprache: Neben Deutsch spricht das Personal je nach Herkunft auch Russisch, Albanisch, Italienisch oder eben Türkisch. Wenn er neue Mitarbeiter einstellt, so sind Nationalität und Mehrsprachigkeit „nicht von primärer Bedeutung, aber schon wichtig“, erklärt Kara. „Nur übersetzen ist zu wenig, die Leute wollen verstanden werden.“ Und das vor allem auch auf kultureller Ebene. „Die Berührungsängste sind dann geringer.“

Voraussetzung Die Engel-Apotheken seien daher nicht nur Anlaufpunkt, wenn medizinischer Rat gesucht wird: „Die Leute kommen auch, wenn sie andere Probleme haben, oder wenn sie etwas nicht verstehen.“ Dass auch immer mehr deutsche Arbeitgeber mehrsprachiges Personal einstellen, erklärt sich Kara so: Wer auf Migranten zukommt, indem er Menschen einstellt, die deren Sprache sprechen, gibt ihnen das Gefühl: „Ich zähle was, es wird etwas für mich getan.“

„Alle Mitarbeiter sprechen Türkisch, für eine Vollzeitanstellung ist das Voraussetzung“, heißt es bei Rechtsanwältin Emine Demirdelen. Sie hat mit Seza Serbest-Olgun eine Gemeinschaftskanzlei in Heilbronn. Der größte Teil ihrer Mandanten ist türkischstämmig. Auch wenn viele Deutsch können – bei der Rechtsberatung legen sie Wert auf die Muttersprache, darauf, wirklich alles zu verstehen. „Der Schriftverkehr muss in der Amtssprache erfolgen, also auf Deutsch,“ erklärt Emine Demirdelen. „Aber manchmal schreiben wir für unsere Mandanten Ergänzungen in türkischer Sprache.“

Auch im Heilbronner Rathaus stehen die Beamten manchmal vor sprachlichen Hürden. „Meistens sind Kinder oder Freunde dabei, die Deutsch können“, berichtet Stadt-Pressesprecher Christian Britzke. Sonst werde schon mal ein mehrsprachiger Mitarbeiter aus einer anderen Abteilung herbeigeholt, um als Übersetzer zu fungieren.

Arbeitsrecht „Zur Not müsste ein Dolmetscher kommen“, sagt Britzke. Das sei aber noch nicht vorgekommen. „Fremdsprachen sind schon erwünscht“, erklärt er. Auf bestimmte Sprachkenntnisse achte die Verwaltung bei der Personalsuche aber nicht.

Das ist ohnehin arbeitsrechtlich schwierig, seit es das Allgemeine Gleichstellungs-Gesetz gibt. Auch bei der Heilbronner Arbeitsagentur melden sich immer wieder Arbeitgeber, die eine bestimmte Sprache bei einer zu vergebenden Stelle voraussetzen. „Wir können das nur aufnehmen, wenn es für die Arbeit unerlässlich ist“, sagt Wolfgang Kärcher, Leiter des Arbeitgeber-Services bei der Heilbronner Behörde. Daher werde auch nur die Sprache als Kriterium aufgenommen, nicht eine bestimmte Nationalität. Außer von Anwälten, Apothekern und Ärzten kommen solche Anfragen vor allem aus der Gastronomie, aber auch aus dem Einzelhandel und von Speditionen, wenn etwa regelmäßig Fahrten nach Osteuropa nötig sind.

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