Warum werden im Sprachabitur Wörter gezählt?
Wörter gezählt?

Beim Abitur in modernen Fremdsprachen gibt es Vorgaben, zum Beispiel 300 bis 450 Wörter zu schreiben. Was passiert, wenn man sich nicht daran hält? Gertrud Schubert fragte Hans-Ulrich Dollmann, Französischlehrer und Direktor des Elly-Heuss-Knapp-Gymnasiums Heilbronn.
Beim Deutschaufsatz wird gespöttelt, wenn sich die Abiturienten ihrer Seitenzahlen rühmen. In den Fremdsprachen werden sie angehalten, Wörter zu zählen. Wieso denn das?
Hans-Ulrich Dollmann: Durch die Angabe einer ungefähren Wörterzahl erhalten die Abiturienten einen Anhaltspunkt, in welchem Umfang die Antwort erwartet wird. Eine frühere Regelung, wonach ein gewisser Rahmen weder unter- noch überschritten werden durfte, wurde vor zwei Jahren glücklicherweise abgeschafft. Das Zählen der Wörter erhielt dadurch seinen Sinn, dass zur Findung der Sprachnote, die Anzahl der Fehler ins Verhältnis zu der Wortzahl gesetzt wurde.
Wirkt sich ein Zuviel negativ aus?
Dollmann: Wer viel weiß, kann auch mehr schreiben. Das Zuviel wirkt sich glücklicherweise nicht mehr negativ aus, wenn es inhaltlich relevant ist.
Und wenn man zu wenig schreibt?
Dollmann: Dann kommt es in der Regel zu einem Abzug bei den Inhaltspunkten. Es gibt jedoch Schüler, die stilistisch gut und sehr prägnant formulieren können. Warum sollen diese nicht auch unterschreiten können? Die Aufgabenstellung verhindert aber in der Regel ein deutliches Unterschreiten.
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