Wanderer zwischen Kulturen

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Weinsberg - Der israelische Schriftsteller Elazar Benyoëtz ist der achte Kerner-Preisträger. Dessen Ausstrahlung und Esprit beeindrucken rund 200 Gäste am Sonntagabend in der Weinsberger Baukelter. Bürgermeister Stefan Thoma zeichnet den 74-Jährigen mit dem Kulturpreis der Stadt aus – dotiert mit 5000 Euro.

Von Joachim Kinzinger
Der Weinsberger Bürgermeister Stefan Thoma übergibt dem israelischen Autor Elazar Benyoëtz (rechts) die Urkunde zum Justinus-Kerner-Preis.Foto: Thomas Braun
Der Weinsberger Bürgermeister Stefan Thoma übergibt dem israelischen Autor Elazar Benyoëtz (rechts) die Urkunde zum Justinus-Kerner-Preis.Foto: Thomas Braun

Weinsberg - Der israelische Schriftsteller Elazar Benyoëtz ist der achte Kerner-Preisträger. Dessen Ausstrahlung und Esprit beeindrucken rund 200 Gäste am Sonntagabend in der Weinsberger Baukelter. Bürgermeister Stefan Thoma zeichnet den 74-Jährigen mit dem Kulturpreis der Stadt aus − dotiert mit 5000 Euro.

Mit dem Dichterarzt Justinus Kerner verbinde Benyoëtz eine enge Seelenverwandtschaft, "die vor allem darauf beruht, dass beide in ihrer Sprach- und Weltauffassung ihrem dichterischem Handwerk nachgingen, ohne auf Moden und Trends der Zeit zu achten", begründet Thoma das Votum der Jury. Auch Witz und Humor könne man Kerner und dem israelischen Autor zuschreiben. Unter dem Beifall der Zuhörer übergibt Thoma die Auszeichnung. Damit erinnert die Stadt am 225.Geburtstag Kerners zugleich an dessen Haltung zu Toleranz, Aussöhnung und gegenseitigem Respekt.

Facetten

Die Laudatio auf den Preisträger fesselt die Zuhörer. Professor Karl-Josef Kuschel von der Katholischen-Theologischen Fakultät der Universität Tübingen zeichnet in seinem rhetorisch geschliffenen Vortrag die vielen Facetten von Benyoëtz nach, dem Wanderer zwischen den Kulturen und Nationen.

"Er ist eine unverwechselbare Persönlichkeit", erklärt Kuschel. Wegen seiner Herkunft, seines Wegs, seines literarischen Profils.

Geboren als Paul Koppel 1937 in der Wiener Neustadt, floh die Familie zwei Jahre später vor dem Nazi-Regime nach Jerusalem. Der Namenswechsel zu Elazar Benyoëtz (Sohn des Ratgebers) signalisierte laut Koschel Herkunftsbewusstsein. Die ersten Gedichtbände in den 50er Jahren in Neuhebräisch, seit den 60er Jahren der Sprachwechsel ins Deutsche. "Die Doppelsprachlichkeit ist sein Schicksal und seine Bestimmung", sagt der Theologe Koschel. Sprachwitz, Wortkünstler und komplexe Sprachformen zeichneten den Autor aus. Mit seinem literarischen Werk halte er die Gottesfrage für das 21. Jahrhundert wach.

Stufe

Die Stadt Weinsberg hat dem Autor die Preisannahme nicht nur schmackhaft, sondern "zuckerpulverleicht" gemacht, verrät Benyoëtz mit einem Lächeln. Kerners Hand sei immer im Spiel. "Ich könnte mir denken, dass seine Hand sich für meine Wahl mit denen der Juroren erhoben hätte", sagt der Autor zahlreicher Essays, Gedichten, Briefen, Aphorismen. Und: "Justinus Kerner war ein absoluter Dichter. Ihm musste alles, damit er"s begriffe, zu Dichtung werden." Keine Geschichte der Romantik, keine schwäbische Dichterfamilie, keine Geschichte der Hellseherei ohne Kerner. Nur wenige Dichter um ihn herum hätten es auf seine Stufe gebracht. Bis zum letzten Hauch sei er eine poetische Natur geblieben, zitiert er aus einem Brief 1861 von David Friedrich Strauß an Ernst Rapp.

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