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Am bundesweiten "Birdrace" beteiligen sich auch Ornithologen aus dem Landkreis Heilbronn

Von Claudia Kostner
Das Haberschlachter Tal ist Refugium für viele Vogelarten. Frank Laier, Ralf Gramlich und Jochen Fischer (von links) sind ihnen auf der Spur.Foto: Claudia Kostner
Das Haberschlachter Tal ist Refugium für viele Vogelarten. Frank Laier, Ralf Gramlich und Jochen Fischer (von links) sind ihnen auf der Spur.Foto: Claudia Kostner

Region "das - ist ein Rotmilan!" Nach einem prüfenden Blick durchs Fernglas ist sich Ralf Gramlich sicher. "Der hat bestimmt 1,70 Meter Spannweite", stimmt Frank Laier zu. 11.59 Uhr, Naturschutzgebiet Haberschlacher Tal: Gramlich schreibt Uhrzeit, Ort und Namen des Greifvogels in sein Notizbuch. Seit 3.30 Uhr ist er mit Frank Laier (47) und Jochen Fischer (40) zwischen Schomberg, Heuchelberg und Ehmetsklinge unterwegs, um Vögel zu beobachten. Sie nehmen zum ersten Mal am achten bundesweiten "Birdrace" des Dachverbands Deutscher Avifaunisten (DDA) teil.

Nestflüchter Das Trio ist eines von 152 Ornithologen-Teams in Deutschland, die am Samstag innerhalb von 24 Stunden versuchen, so viele Vogelarten wie möglich zu entdecken. Die Spektive geschultert, die Ferngläser um den Hals, sind sie unterwegs. 52 Namen haben die "Nestflüchter", wie sie sich im Wettbewerb nennen, schon auf ihrer Liste, am Ende werden es 83 sein. 30 davon sind den Frühaufstehern allein in der ersten Stunde begegnet.

Heidelerche, Steinschmätzer und Braunkehlchen zum Beispiel haben sie in den Heuchelberger Weinbergen ausgemacht, den Gelbspötter im Elsenztal und den Silberreiher auf der Stebbacher Wiese. "Highlights sind nicht dabei, die für einen landes- oder bundesweiten Schnitt reichen", erklärt Gramlich. Ein paar Arten, mit denen sie eigentlich gerechnet haben, vermissen die drei noch, etwa den Pirol oder die Sumpfmeise. "Aber wir sind ja erst mit der Hälfte unserer Gebiete durch", ist Jochen Fischer aus Brackenheim-Dürrenzimmern optimistisch. "Spitzenreiter hatten in den letzten Jahren um die 160 Vogelarten, vor allem die von der Küste mit vielen Wasservögeln. Da können wir vom Binnenland nicht mithalten", weiß Ralf Gramlich. "Aber es spornt an."

Wie alle Teams haben die "Nestflüchter" Sponsoren: Pro entdeckter Vogelart gibt es einen Euro von der Orni-Schule Zaberfeld, die Ralf Gramlich leitet. "Dazu haben wir uns als Verein entschlossen", sagt der 48-jährige Gemminger. Das Geld kommt Aktionen des DDA zugute, dieses Mal dem Aufbau des Internetportals ornitho.de, auf dem künftig jeder die Wege der Zugvögel ganz aktuell nachverfolgen kann.

Aufmerksamkeit Mit dem "Birdrace" solle die Ornithologie, also die Vogelkunde, in die Bevölkerung getragen werden, erklärt Gramlich. Er und seine Forscherkollegen wollen aber auch darauf aufmerksam machen, "wie schlecht es um die Vogelwelt bestellt ist". Die Lebensraumverschlechterung durch den Menschen und eine generelle Bestandsabnahme bereiteten Probleme.

"Kuckuck", "zilpzalp", tönt es durchs Haberschlachter Tal. Und dort, im Schilf, singt eine Rohrammer. "Drrrrr": Ganz oben in den Bäumen macht der Buntspecht auf sich aufmerksam. "Hören oder Sehen, beides gilt beim ,Birdrace". Und Fairness", so Gramlich. Frank Laier ergänzt: "Niemand darf etwas erfinden. Die Beobachtungen müssen für alle nachvollziehbar sein."

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