"Unser Angebot muss hochwertig sein"
Arweiler leitet seit vier Monaten die Andreas-Schneider-Schule

Dieter - Geräuschlos hat sich der Wechsel an der Spitze der Andreas-Schneider-Schule vollzogen. Am 1. August übernahm der bisherige Stellvertreter Dieter Arweiler das Amt von Herbert Wolf, der in den Ruhestand gegangen ist. Unser Redakteur Friedhelm Römer sprach mit dem neuen Schulleiter der Kreisberufsschule über seine Ziele.
Herr Arweiler, nach vier Monaten im Amt: Wie hat sich Ihre Arbeitsalltag verändert?
Dieter Arweiler: Er hat sich in der Quantität nicht verändert, ich bin auch vorher schon voll gefordert worden, aber die Aufgaben sind andere. Die Herangehensweise hat sich verändert, und die Vielfalt hat deutlich zugenommen. Jetzt geht es zum Beispiel mehr um das schnelle Problemlösen, Gebäudemanagement und Probleme die sich aus kurzfristigen Anfragen von Eltern und Betrieben ergeben. Früher war es eher ein Planen und Organisieren im Hintergrund.
Inwieweit sind Sie noch im Tagesgeschäft als Lehrer tätig?
Arweiler: Das ist mir wichtig, weil mein Traumberuf Lehrer ist. Jetzt könnten Sie fragen, warum sind Sie dann Schulleiter geworden.
Und wie lautet Ihre Antwort?
Arweiler: Als Lehrer kann ich meine 30 Schüler entwickeln und ihnen Impulse geben. Als Schulleiter kann ich versuchen, über den Multiplikator der Lehrer, der ganzen Schule Impulse mitzugeben. Das motiviert ungemein, obwohl es manchmal hektisch ist, wenn meine Sekretärin mich daran erinnert, dass ich in den Unterricht muss.
Welche Fächer geben Sie?
Arweiler: Informatik im Wirtschaftsgymnasium und spezielle Betriebswirtschaftslehre bei Industriekaufleuten.
Verstehen Sie sich als Teamplayer oder eher als Leitwolf?
Arweiler: Ich bin ein Teamplayer mit klaren Zielvorstellungen. Allerdings sind viele Lehrer eher Einzelkämpfer. Das bringt der Beruf mit sich, weil sie ihre Unterrichtsvorbereitungen allein machen, und im Unterricht sind sie auch allein. Eine größere Teamarbeit geht nur mit einem Teamplayer als Schulleiter, denn das hat eine Strahlwirkung. Aber es ist auch wichtig zu wissen, in welche Richtung sich eine Schule entwickeln soll.
Vor welchen Aufgaben steht Ihre Schule kurz- und mittelfristig?
Arweiler: Wir müssen uns mittelfristig mit dem Schülerrückgang auseinandersetzen. Die Hauptherausforderung ist, diesen Rückgang für eine Qualitätssteigerung zu nutzen. Mit unseren 2700 Schülern sind wir an der Kapazitätsgrenze. Es macht einen qualitativen Unterschied, ob man 30 oder 24 Schüler in einer Klasse hat. Zweitens stellt sich die Frage, ob wir unser Schulgebäude nach unseren Vorstellungen weiterentwickeln können, oder ob die öffentlichen Haushalte dies künftig nicht mehr in dem Maße zulassen. Und drittens: Die Schule ist zunehmend ein öffentlicher Markt geworden. Das führt zur Frage, wie man hier die besten Lehrer gewinnen kann, wie man sie fortbildet, und wie man sie an die Schule bindet. Die guten Lehrer können sich inzwischen die Schulen aussuchen.
Die Landesregierung hat sich eine neue Bildungspolitik auf ihre Fahnen geschrieben. Wie werden Sie auf diese Veränderungen reagieren müssen?
Arweiler: Guter Unterricht und gute Bildung bleibt unabhängig von den Programmen, die immer mal wechseln. Unser Angebot muss qualitativ hochwertig sein. Inwieweit sich aus der Einführung der Gemeinschaftsschule Veränderungen ergeben, muss man abwarten. Wenn wir sehen, wie sich die Schülerströme entwickeln werden, können wir agieren. Entscheidend muss sein, wie wir gute Bildung für die Region produzieren.
Wo gibt es Verbesserungsbedarf?
Arweiler: Ich möchte entwickeln im Bereich Unterricht. Das ist das Kerngeschäft. Neuerungen einarbeiten. Wir haben lernfeldorientierte Lehrpläne. Das ist eine Herausforderung für die beruflichen Schulen. Es ist ein Prozess, der transportiert und gestaltet werden muss. Außerdem geht es um das Thema individuelle Beratung in Form eines Diagnosegesprächs. Das ist wichtig, weil falsche Beratung Geld kostet und demotiviert.
Was versteht man unter lernfeldorientierten Lehrplänen?
Arweiler: Das ist eine Abkehr von der Fächersystematik. Man geht ganzheitlich an eine Aufgabenstellung heran. Der Startpunkt ist eine umfassende Lernsituation. Diese muss Elemente beinhalten wie Deutsch, Englisch, Gemeinschaftskunde und Betriebswirtschaft. Die T8rennung der Fächer fällt weg. Die Lehrer kommen aber noch von der Fachspezifik und müssen sich anderen Feldern öffnen. Der ganzheitliche Unterricht macht das Lernen anspruchsvoller. Für den Schüler, weil der Abstraktionsgrad höher wird. Für den Lehrer, was Vor- und Nachbereitung betrifft. Außerdem muss er den roten Faden im Blick behalten und ihn für die Schüler transparent machen.
Welche Visionen haben Sie?
Arweiler: Ich möchte eine weitere Qualitätssteigerung des Lernens schaffen. Mir schweben unter anderem Lerninseln vor, multifunktionale Räume, in denen man unterschiedliche Formen des Unterrichtens möglich macht, verschiebbare Wände, unterschiedliche Medien. Den klassischen Unterricht wird es dann seltener geben.
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