Schummel-Schinken im Kühlregal?
Neckarsulm - Eine NDR-Sendung bringt Lidl-Lieferanten in Verdacht, Etikettenschwindel betrieben zu haben. Der Lebensmitteldiscounter in Neckarsulm reagierte auf die Vorwürfe sofort.

Neckarsulm - Mehrere Hersteller von Schinken sollen den Konsumenten ein entscheidendes Detail verschwiegen haben: Statt natürlichem Schinken befände sich in untersuchten Packungen sogenanntes Formfleisch, also Schinkenscheiben, die aus mehreren Teilen zusammengeklebt sein sollen. Möglich ist dies durch das Behandeln des Fleischs mit dem Enzym Transglutaminase. Das sind Vorwürfe, die der Norddeutsche Rundfunk in einem Beitrag seiner Verbrauchersendung "Markt" erhoben hat.
Unter den schwarzen Schafen soll neben Gutfried unter anderem eine Fleischerei mit Sitz in Versmold (Nordrhein-Westfalen) sein. Beanstandet wurde im Beitrag deren luftgetrockneter Frühstücksschinken, der als "Metzgerfrisch" beim Discounter Lidl bundesweit verkauft wird. Das Unternehmen wehrt sich gegen die Behauptung des NDR.
Reaktion
Gegenüber unserer Zeitung erklärt man, der luftgetrocknete Schinken stamme aus traditioneller Herstellung − ohne Verwendung von Glutaminase. "Es handelt sich hierbei um ein natürlich gewachsenes Teilstück vom Schwein." Im TV-Beitrag sei von einem Verdacht die Rede, der aber nicht bestätigt werden konnte. "Obwohl dies durch ein neutrales Gutachten bestätigt wird, ist in der Sendung die Verknüpfung mit Formschinken dennoch hergestellt worden", kritisiert die Geschäftsführung.
In der Fleischerei ist man sich seiner Sache sicher und hat gegen den NDR-Beitrag Rechtsmittel eingelegt. Mit einer einstweiligen Verfügung wollte man die erneute Ausstrahlung in der Sendung "Plusminus" im Ersten verhindern. Im Beitrag geht es nicht um eine mögliche Gesundheitsgefährdung, sondern um eine Täuschung des Verbrauchers. In sechs von 13 untersuchten Rohschinkenprodukten verschiedener Hersteller fand das Institut für Lebensmittelhygiene der FU Berlin Schinken, der aus unterschiedlichen Teilen bestand. Auf den Verpackungen fehlte dazu aber jeglicher Hinweis.
Der Lebensmitteldiscounter Lidl in Neckarsulm reagierte auf die Vorwürfe sofort. "Unverzüglich nach Bekanntwerden der Berichterstattung durch den NDR haben wir unseren Lieferanten um eine umfassende Stellungnahme gebeten", heißt es dort.
Weitere Infos unter www.daserste.de/plusminus
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