Schluss mit dem großen Krabbeln
Brackenheim - Kammerjäger heizt dem Kugelkäfer im Fachwerkhaus ein

Brackenheim - Die Stadt Brackenheim kämpft mit einem ganz üblen Hausbesetzer, der sich im gemeindeeigenen Fachwerkbau in der Theodor-Heuss-Straße 12 eingenistet hat. Dort, wo im nächsten Jahr die Polizei Posten beziehen soll, wird es aber keine Verhaftung und keinen Platzverweis für den beharrlichen Gesellen geben. Dem drei Millimeter großen Kugelkäfer, der hier in Scharen haust, droht der Hitzetod.
Gnadenfrist
Der Eppinger Kammerjäger Eckhard Schade will mit seinen Mitarbeitern Etage um Etage dafür sorgen, dass keines der winzigen Ekelpakete dem Brackenheimer Ratsbeschluss entgeht. Die Spedition jedoch verschafft dem spinnenartigen Kugelkäfer noch eine kleine Gnadenfrist. Vier überdimensionale, orangefarbene Heizlüfter werden verspätet zum Altbau in den Stadtkern gekarrt.
Henry Graul ist meistens hinter Ratten, Mäusen oder Schaben her. Jetzt schleppt er mit seinem Kollegen die 60 Kilo schweren Heizlüfter über die knarrenden Holzstufen nach oben. Bevor es dem Käfer unangenehm warm wird, kommen die beiden Schädlingsbekämpfer aber selbst mächtig ins Schwitzen. Bis zur Mittagszeit sind die Geräte im zweiten Obergeschoss einsatzbereit. Hier beginnt die Saunaaktion.

Das Haus wird im Umluftverfahren langsam aufgeheizt. Das dauert viele Stunden. In jeder Ritze sollen mindestens 50 Grad Celsius ankommen. "Im Laborversuch wurde nachgewiesen, dass die Käfer bei dieser Temperatur sterben", sagt Schade. Die Wissenschaftler hätten festgestellt, dass das Eiweiß der Insekten bei einer Einwirkzeit von etwa einer Stunde abgebaut wird. Schädlinge und deren Larven werden vernichtet. Das gilt auch für die Eier, von denen jedes Weibchen bis zu 200 Exemplare ablegt.
Es ist ein ganz übler Wochenauftakt für den Kugelkäfer. Sich verkriechen, hilft jetzt nicht mehr. Der Bauhof hat bereits die Decken des 100 Jahre alten Hauses aufgerissen, damit sich die Hitze auch in den letzten Winkel ausdehnen kann. Auch in die Nester in den Deckenzwischenräumen. Dort, in den Strohfüllungen, fühlen sich die braunen Insekten am wohlsten. Hier, im Holz, in den Strohresten und Getreidekornhülsen frisst sich der Käfer satt. Und weil er auch vor Nahrungsmitteln im Haushalt nicht Halt macht, sind seine Stunden in der Theodor-Heuss-Straße gezählt. Denn in Kürze geht es hier mit der Sanierung los.

Zweiter Angriff
"Nach der Sanierung muss das Haus frei vom Kugelkäfer sein", verlangt daher der Brackenheimer Bauamts-Chef Frank Erthal vom Kammerjäger. Schade und seine Männer bohren zusätzlich noch etliche Löcher pro Zimmer in den Boden, um mit dem Kompressor Silikatstäubepulver in den Zwischenraum zu blasen. Die feinen Silikatpartikel zerstören die verdunstungshemmende Wachsoberfläche des Chitinpanzers, führen in den Gelenkspalten zu Verletzungen. Käfer, die sich nicht zu Tode geschwitzt haben, trocknen spätestens bei diesem zweiten Angriff aus.
Stimme.de