Pionierarbeit lotet Grenzen der Natur aus

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Hausener Landwirt fährt die zweite Ernte ein – Erster Versuch mit Braugerste

Von Wolfgang Müller
Landwirt Jochen Hönnige (links) und BayWa-Verkaufsberater Stefan Wasserbäch prüfen, ob die Braugerste schon trocken genug für die Ernte ist.Foto: Wolfgang Müller
Landwirt Jochen Hönnige (links) und BayWa-Verkaufsberater Stefan Wasserbäch prüfen, ob die Braugerste schon trocken genug für die Ernte ist.Foto: Wolfgang Müller

Brackenheim - Skeptisch reibt Jochen Hönnige im Gerstenfeld die Frucht zwischen seinen Fingern. Es knackt nicht. Weil das Korn feucht ist. „Zu feucht“, sagt der Landwirt aus Hausen. Deshalb muss der Mähdrescher heute in der Scheune bleiben. Geerntet wird an diesem Samstag nicht. Weil der Hochnebel sich nicht verzieht und die Sonne das Getreide nicht austrocknen kann. Der 37-Jährige zuckt mit den Schultern. „Eine Ernte im Herbst ist ein Risiko. Vielleicht klappt es morgen.“

Pionierarbeit „Pionierarbeit“, nennt Stefan Wasserbäch das, was Hönnige macht. Eine Aussaat im Sommer und eine Ernte im Oktober teste die Grenzen der Natur aus, so der Verkaufsberater von der BayWa Brackenheim. Zum ersten Mal hat Hönnige nach den Frühkartoffeln im Juni die Braugerste gesät. Normalerweise wachsen hier im Herbst Ölrettich und Senf. Das sind so genannte Zwischenfrüchte, die der Ackerboden braucht, weil sie Stickstoff binden und dafür sorgen, dass die Oberfläche nicht erodiert.

Geerntet werden diese Grünpflanzen freilich nicht. Sie sind lediglich eine Art schützender Mantel für den Boden. Genau diesen Effekt erzeugt der Landwirt aber auch mit der Braugerste. Und weil sich die auch noch zu Geld machen lässt, will der dreifache Familienvater zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen.

Noch im Frühjahr standen immerhin 25 Euro pro 100 Kilogramm Braugerste im Raum. Inzwischen dürften es aber zehn Euro weniger sein, schätzt Wasserbäch. Weil die Ernte im Sommer flächendeckend sehr gut ausgefallen ist. „Und weil die internationale Finanzkrise auch vor der Agrarwirtschaft nicht Halt macht“, sagt der 25-jährige Verkaufsberater.

Dabei ist der Aufwand für eine mögliche Ernte im Herbst groß. Im Sommer musste Hönnige häufig bewässern und deutlich mehr Saatgut vergraben. Obwohl klar war, dass er anstatt normalerweise gut sechs Tonnen pro Hektar lediglich fünf Tonnen ernten wird.

Klimawandel Ein Beinbruch ist der Preisverfall aber nicht. Denn für den ersten Versuch hat der Landwirt die Braugerste nur auf zwei Hektar gesät. Es sei ein erster Schritt, praktische Erkenntnisse aus dem Klimawandel zu ziehen. „Die Erwärmung dehnt die Vegetationsphase aus“, sagt Wasserbäch. Außerdem werde der Bedarf an Lebensmitteln in den kommenden Jahre stark ansteigen. „In fünf Jahren werden wir vielleicht froh sein über die Informationen, die wir jetzt sammeln“, sagt Jochen Hönnige.

Am Sonntag kann der Landwirt dann wirklich ernten. „Das Wetter ist nicht optimal. Aber es ist Zeit.“ Denn die Sonne muss das Korn austrocknen. Und das kommt im Herbst eben noch nicht allzu häufig vor.

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