Lichtblicke nach Löwensteiner Großbrand
Löwenstein - Eine Ruine verschwindet aus dem Stadtbild. Nach dem Großbrand in Löwenstein vor siebeneinhalb Wochen ist eine Abbruchfirma aus Freiberg nun damit beschäftigt, das langgezogene Gebäude in der Schulgasse komplett abzureißen.
Löwenstein - Eine Ruine verschwindet aus dem Stadtbild. Nach dem Großbrand in Löwenstein vor siebeneinhalb Wochen ist eine Abbruchfirma aus Freiberg nun damit beschäftigt, das langgezogene Gebäude in der Schulgasse komplett abzureißen. Hier, wo das Feuer in einem Lagerraum einer Firma für Sanitär und Heizung ausbrach, auf andere Gebäude übergriff und einen Schaden von mehr als einer Million Euro hinterließ, bleibt kein Stein mehr stehen. Zu stark haben die Flammen gewütet; eine Sanierung macht für die Familie Schock keinen Sinn mehr.
Vorsicht
Stück für Stück dringt ein Abrissbagger vor und befördert Mauersteine, Holzbalken, Deckenplatten oder einen WC-Sitz in bereitgestellte Container. Es staubt kräftig, wenn wieder ein paar Hausbrocken auf den Bauschutt am Boden fallen. Baggerführer Wilhelm Janzen muss vorsichtig agieren, "damit nichts auf die Straße fällt oder Nachbarhäuser beschädigt werden". Nach etwa drei Tagen soll der Abriss abgeschlossen sein.
Was den Großbrand ausgelöst hat, bei dem rund 300 Helfer über Stunden im Einsatz waren, ist immer noch völlig unklar. Im Gebäudeteil, in dem das Feuer ausbrach, haben Ermittler "den ganzen Brandschutt akribisch untersucht", sagt Heilbronns Polizeisprecher Harald Schumacher. Brandmittelspürhunde waren in den Trümmern unterwegs. Es gibt weder einen Hinweis auf einen technischen Defekt noch auf Brandstiftung. Das Gutachten des Sachverständigen liegt noch nicht vor. Schumacher hält es jedoch für denkbar, dass bei einem Großfeuer dieser Art die Brandursache unbekannt bleiben kann. Etwa ein Drittel der Fälle enden ohne klares Ergebnis.
Hausbesitzer Walter Schock hat nach dem verheerenden Brand den Kopf "noch nicht ganz frei", wie er sagt. Seine Firma hat Lagerräume angemietet, um die vielen Materialien aus dem Abbruchhaus unterzubringen. Es soll wieder ein neues Haus entstehen. Irgendwann. Derzeit hat die Familie "noch keine Pläne".
Ein paar Meter weiter, im Gasthof Lamm, räumen Wirtin Edelgard Assenheimer (63) und Sohn Florian (26) die Gaststätte aus. Eine Grundreinigung steht bevor, mit Ozon sollen die Räume danach behandelt werden, um "den Rauchgeschmack rauszukriegen". Die Seniorchefin sieht wieder positiver in die Zukunft. Viele aufmunternde Briefe, Blumen und Geschenke hat die Familie erhalten. "Das gibt Kraft." Vor Weihnachten, hofft sie, wolle man das Lokal wieder öffnen, das in der fünften Generation geführt wird.
Babyfreuden
Die Obergeschosse mit den Wohnräumen und Gästezimmern müssen dagegen intensiv saniert werden. Derzeit sieht es hier aus wie im Rohbau: Blanke Wände, Blick auf Holzdecken, an manchen Stellen sieht man verschmorte Dachbalken. Seit dem Brand wohnen Florian und Edelgard Assenheimer bei Verwandten. Einen Lichtblick hat es zuletzt gegeben: Enkelkind Kalle kam auf die Welt. Wenn man bei ihm sei, sagt die 63-Jährige, "ist man in einer anderen Welt".
Brandaufklärung
Wie häufig Brandursachen aufgeklärt werden? Eine Statistik gibt es nicht. Das Landeskriminalamt schätzt die Erfolgsquote auf zwei Drittel der Fälle, wenn Sachverständige am Brandort sind. Mit zunehmender Brandwirkung würden auswertbare Spuren zerstört, sagte ein Sprecher. Bei stark zerstörten Gebäuden „wird es immer schwieriger“.


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