Kindheitswunsch erfüllt: Zirkusdirektor
Erst etablierte Sascha Melnjak den Weihnachtscircus, jetzt besitzt er seinen eigenen

Heilbronn - Während er es erzählt, sitzt er in der Nachmittagssonne vor einem Café am Heilbronner Marktplatz, und obwohl ihn viele Menschen hier seit zwölf Jahren kennen, lernt er selbst die Stadt an diesem Augusttag von einer ganz neuen Seite kennen: "Heilbronn im Sommer ist ganz anders", sagt Sascha Melnjak. "So heiter und freundlich." Denn das Heilbronn, das sein Heilbronn ist, ist ein winterliches. Er ist seit 1999 Direktor des Heilbronner Weihnachtscircus. Und gastiert ab nächsten Dienstag mit der zweiten Erfüllung seines Kindheitstraums auf der Heilbronner Theresienwiese: mit dem Zirkus Charles Knie.
Aber zunächst zurück zu dem Sechsjährigen von damals. Nicht jedes Kind verfolgt mit so bemerkenswerter Unbeirrbarkeit das Ziel, sich seinen Berufstraum zu erfüllen. In einem Alter, in dem andere völlig damit beschäftigt sind, lesen und schreiben zu lernen, weiß Sascha Melnjak schon genau, wohin sein Weg ihn führen soll: in die Manege, als Artist oder Ansager.
Erste Kontakte Erste vorberufliche Kontakte zum Zirkus knüpft er als 15-jähriger Gymnasiast: Damals gastiert der Zirkus Giovanni Althoff in seiner Heimatstadt Stuttgart, und Melnjak fragt im Bürowagen nach, ob er als Zirkusfan vielleicht Plakate bekommen könne? Er bekommt viel mehr als Plakate. Uwe Gehrmann, damals Tourneeorganisator bei Althoff, "sagte, sie bräuchten noch jemanden, der Flyer verteilt", erinnert sich Sascha Melnjak.
Das ist der Anfang. Ab 1991 ist Sascha Melnjak viel beim Zirkus Giovanni Althoff, klebt Plakate und hilft bei der Kartenkontrolle, fährt in den Sommerferien mit dem Zug nach Nordrhein-Westfalen und lebt seine ersten drei Wochen im Zirkuswagen. Was sagen die Eltern eines 16-Jährigen, der so etwas tut?
"Sie waren ein bisschen baff", sagt Melnjak. Aber sie hatten ja schon seine ganze Kindheit lang Zeit gehabt, sich darauf einzustellen. Außerdem "war ja nie Thema, dass ich durchbrenne und zum Zirkus gehe". Nein, zum Zirkus geht er nur in der Freizeit, nebenher macht er Abitur, Zivildienst, eine Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann.
Kaum hat er die in der Tasche, es ist März 1997, reist er mit dem damals noch jungen Zirkus Romanza los auf Tournee − im Ein-Mann-Bürowagen für Öffentlichkeitsarbeit.
Und dann entsteht der Heilbronner Weihnachtscircus. Als die Heilbronn Marketing GmbH für Dezember 1999 einen Zirkus sucht, bewirbt sich Romanza − und springt wieder ab, weil die Zirkusleute im Winter, der einzigen Pause des Jahres, doch lieber ausruhen wollen.
"Da habe ich mir überlegt: Ich mache das in Eigenregie", berichtet Melnjak vom Mut eines 24-Jährigen, der sich "gar nicht so viele Gedanken gemacht hat, was alles schief laufen könnte". Es läuft nicht schief: Der Weihnachtscircus wird zur Erfolgsgeschichte. Seit dem zweiten Jahr organisiert Melnjak ihn gemeinsam mit Uwe Gehrmann, zu dem er noch aus Giovanni-Althoff-Zeiten Kontakt hatte. Schon jetzt, im August, sind für kommenden Winter jede Menge Karten verkauft − ganz ohne Werbung.
Ein Weihnachtscircusdirektor ist immer nur Direktor für drei Wochen: "Das Zelt ist gemietet, die Artisten kommen nur für diese Schau zusammen − danach ist alles wieder weg", sagt Melnjak.
Aus Besuchersicht Sein Kindheitswunsch erfüllte sich erst ganz, als er 2007 den Zirkus Charles Knie übernahm: Alles, was nächste Woche auf der Heilbronner Theresienwiese steht, gehört ihm. Das Zelt, die über 100 Tiere, die Wagen. Dass sein Zirkus so erfolgreich ist (siehe Hintergrund), erklärt sich vielleicht auch aus seiner Kindheit: Sascha Melnjak denkt Zirkus immer aus Sicht des Besuchers. Und er macht ihn "so, wie er mich damals fasziniert hat, so wie ich ihn gut fand als Kind".
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