Kein Rauchverbot für Theodor Heuss
Brackenheim - Da sage einer, das neue Denkmal für Theodor Heuss sei nicht gelungen. Der erste Bundespräsident wirkt so, als spaziere er im nächsten Moment geradewegs über die Straße in sein Museum. Aus der rechten Manteltasche ragt ein Redemanuskript, in der linken Hand hält der bronzene Heuss eine Zigarre. Wie zu Lebzeiten eben. Das gefällt komischerweise nicht jedem. In der fernen Landeshauptstadt erregt sich der Aktionskreis Stuttgarter Nichtraucher über dieses lebensechte Porträt. Der Verein fordert: „Die Zigarre muss weg.“

Brackenheim - Da sage einer, das neue Denkmal für Theodor Heuss sei nicht gelungen. Der erste Bundespräsident wirkt so, als spaziere er im nächsten Moment geradewegs über die Straße in sein Museum. Aus der rechten Manteltasche ragt ein Redemanuskript, in der linken Hand hält der bronzene Heuss eine Zigarre. Wie zu Lebzeiten eben.
Das gefällt komischerweise nicht jedem. In der fernen Landeshauptstadt erregt sich der ansonsten verdienstvolle Aktionskreis Stuttgarter Nichtraucher über dieses lebensechte Porträt. „Ein Denkmal sollte eine Persönlichkeit als Vorbild darstellen, und nicht als jemanden, der mit Tabak seine Gesundheit gefährdet hat“, schimpft Vereins-Vize Heinz Grünewald. Und fordert tatsächlich: „Die Zigarre muss weg.“
Gegenrede
Steht „Papa“ Heuss bald ohne sein bekanntes Markenzeichen da, nur um die fatale Nikotinsucht nicht zu fördern? Im Rathaus in Brackenheim gibt man sich verstockt. „Der Stumpen bleibt. Von einem Rauchverbot im öffentlichen Raum ist mir auch nichts bekannt“, sagt Sarina Pfründer knapp.
Die Hauptamtsleiterin zitiert die offizielle Linie, abgestimmt mit Bürgermeister Rolf Kieser. „Die Zigarre gehört einfach zu Theodor Heuss. Wir stehen dazu.“ Und wie denken die Bürger darüber? Im Café gleich neben dem Heuss-Museum hat man von dem Zigarren-Problem noch nichts gehört. „Das ist kein Thema unter den Gästen. Im Gegenteil, die finden Heuss so völlig in Ordnung“, sagt die freundliche Bedienung hinter der Theke.
Der Schöpfer des Kunstwerks, der Bildhauer Karl-Henning Seemann, hat ebenfalls schon abgewunken. „Heuss hat eben intensiv geraucht.“ Der Stumpen bleibe in dessen Hand, basta.
Vertrauliche Frage
Wie hätte der Geehrte wohl auf die empörten Vorhaltungen aus Stuttgart reagiert? Wahrscheinlich mit mildem Spott. Die nie ausgehende Zigarre war zu Amtszeiten des berühmten Liberalen legendär. Bei einem Staatsbesuch soll sich Kanzler Adenauer tatsächlich einmal über den Tisch gebeugt und ganz vertraulich gefragt haben: „Sajen Se mal, Herr Bundespräsident, wie viel Zijarren rauchen Se nu wirklich am Tach?“ Worauf ihn Heuss kühl abbürstete: „Von Ihnen, Herr Bundeskanzler, hätte ich eine intelligentere Frage erwartet.“
Eine andere Schnurre passt ebenfalls. Als sich der Bundespräsident einmal in Bonn von drei Ärzten unabhängig voneinander untersuchen ließ, erhielt er jedes Mal die Erlaubnis, nur zwei Zigarren täglich zu rauchen. Darauf meinte Heuss trocken, nun könne er täglich sechs Zigarren genießen - von jedem Arzt zwei. Daran soll er sich gehalten haben.
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