Jäger in drei Wochen
Jagsthausen - Kevin Freyer untersucht das Gewehr, eine Drillingswaffe, wie sie seit hundert Jahren in dieser Form bei der Jagd eingesetzt wird. Seit diesem Sommer finden im Roten Schloss in Jagsthausen solche Vorbereitungskurse statt. Es ist die erste Jagdschule der Region, die Tilman Stolz hier eröffnet hat.
Jagsthausen - Kevin Freyer untersucht das Gewehr, eine Drillingswaffe, wie sie seit hundert Jahren in dieser Form bei der Jagd eingesetzt wird. Nach und nach nimmt er sie auseinander. "Beschusszeichen vorhanden. Läufe frei. Keine Roststellen", kommentiert der 23-jährige Jagdschüler aus Bad Rappenau, was er kontrolliert. Nach dem Zusammenbau, beim Entladen der Waffe, klickt es kaum hörbar. "Vorsicht", sagt Tilman Stolz ruhig und bestimmt, "unbeabsichtigte Schussabgabe bedeutet: durchgefallen."

Seit diesem Sommer finden im Roten Schloss in Jagsthausen solche Vorbereitungskurse statt. Es ist die erste Jagdschule der Region, die Tilman Stolz hier eröffnet hat. Dazu gekommen ist der 33-Jährige über sein Studium der Biologie − und über seine Beziehung zur Familie von Berlichingen. "Beim Studium in Hohenheim habe ich Hans-Sigmund von Berlichingen kennengelernt, hier in den Wäldern der Familie habe ich mein erstes Wild erlegt." Anschließend spezialisierte er sich auf Wildtierbiologie, wurde Jagdaufseher und arbeitete am Aufbau einer Jagdschule in der Nähe von Nürnberg mit. "Jetzt fand ich, es wird Zeit, dass ich mich selbstständig mache." Die Freundschaft zur Familie Berlichingen brachte ihn nach Jagsthausen.
Viele fallen durch
Jägerprüfungen sind umfangreich. Gesetzestexte werden abgefragt, Tierarten müssen bestimmt werden, es geht um die Wild
hege, die Wildschadensverhütung, das Fallenstellen, die Führung von Jagdhunden, um die Behandlung des erlegten Wildes, um Krankheiten, Hygiene, um Tier- und Naturschutzfragen. Und natürlich muss die Fähigkeit, verantwortungsvoll und sicher mit einer Waffe umgehen zu können, nachgewiesen werden − in Theorie und Praxis. Für jeden siebten Prüfling ist das zu viel.
Tilman Stolz vermittelt das Wissen, das sich andere Jägeranwärter innerhalb eines Jahres aneignen, innerhalb von drei Wochen. "Das ist sehr kompakt", gibt er zu. Morgens und abends wird regelmäßig Theorie gebüffelt, abends geht es dann oft noch ins Revier. Dazu Übungen am Schießstand in Osterburken. "Die Lage hier ist ideal", findet Stolz. Begeistert ist er von den Räumlichkeiten. "Ein schönes Gebäude, gleich unten hängt ein Hirschgeweih − das passt sehr gut, wenn man so etwas anbietet."

Am Erfolg seines Unterfangens zweifelt Tilman Stolz nicht. Schließlich wollen in Baden-Württemberg jährlich mehr als 1000 Personen zum Jäger werden. Da es nur eine Handvoll Jagdschulen im Land gebe, laufe viel über Mund-zu-Mund-Propaganda. 2000 Euro kostet der Crash-Kurs − inklusive der Prüfungsgebühren von rund 300 Euro. Einen Namen hat sich Stolz bereits mit einem Handbuch für das "Jagdrecht in Hamburg" gemacht, noch in diesem Jahr soll eine Ausgabe für Baden-Württemberg folgen. Dazu beitragen sollen auch Fortbildungskurse, zu denen auch der Wildkochkurs gehört, den Stolz gemeinsam mit der VHS anbietet.
Naturliebhaber
Für die Jagdschüler Kevin Freyer und Ralf Weißflog aus Obersulm stehen jetzt einige arbeitsintensive Tage an. "Man macht nichts anderes mehr − morgens, mittags, abends und auch am Wochenende", meint Kevin Freyer. Unabhängig voneinander haben die zwei in der Jugend mit dem Fischen begonnen und seien inzwischen zu Naturliebhabern geworden. Mit der Jagd soll es nun einen Schritt weitergehen. "Mir ist auch die Tradition wichtig", sagt Weißflog. "Irgendwann will ich dann vielleicht auch noch den Falknerschein machen."
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