Hesse-Dreh mit großem Budget und Stars
Neudenau - "Film ab", hieß es am Dienstag auf dem Neudenauer Marktplatz beim Dreh für den ARD-Fernsehfilm "Die Heimkehr". Hauptdarstellerin Heike Makatsch schlendert ins Bild, die Haare geflochten, im langen Rock, Häkeltasche und Milchflasche in den Händen.



Neudenau - "Film ab", hieß es am Dienstag auf dem Neudenauer Marktplatz beim Dreh für den ARD-Fernsehfilm "Die Heimkehr". Weiträumig sind die Straßen um den idyllischen Platz mit den Fachwerkhäusern abgesperrt, an den Hauswänden drücken sich Neugierige. "Seid leise. Bitte Ton ab", ruft Regieassistentin Laura Mihartescou. Hauptdarstellerin Heike Makatsch schlendert ins Bild, die Haare geflochten, im langen Rock, Häkeltasche und Milchflasche in den Händen.
Neben ihr spielen Herbert Knaup und August Zirner in den Hauptrollen der Hesse-Verfilmung, die Regisseur Jo Baier adaptiert hat. Pferdekutschwerke mit stattlichen Friesen passieren die Szene, drei Kinder mit leuchtend roten Haaren kaufen an einem Marktstand ein, müssen zum Brunnen laufen. Das haben sie im Griff. "Schließlich proben wir das seit drei Stunden", sagt Klara Vogt und lacht. Sie und ihre Zwillingsschwester Johanna sind waschechte Neudenauerinnen und, auch wenn sie keine Sprechrolle haben, irgendwie doch schon kleine Filmstars.
Einer der großen Stars hat gar keine Berührungsängste. Charakterdarsteller August Zirner, im cremefarbenen Anzug, bekommt noch die Haare mit Spray fixiert. "Das Besondere an dem Film ist die Beschäftigung mit Hesse", sagt der 55-Jährige. "Hesse hat mir sehr viel zu erzählen. Vieles kommt mir entgegen, manches ist wie aus meinem Leben gegriffen."
Komparsen
Schon ruft die nächste Szene. "Wir gehen auf Anfang, Ruhe tritt ein, Hintergrund freimachen, Heike aus dem Weg gehen und verachten", ruft die Regieassistentin, damit auch alle Komparsen es hören. 64 sind heute dabei, insgesamt sind es über 100, weiß Michael Schmidl, Fernsehredakteur beim SWR, der sich ums Eck einen Kaffee genehmigt. SWR-Fernsehfilmchefin Christine Strobl sagt voller Anerkennung: "Er ist bei uns der Mann für die großen Filme, für die kniffligen Fälle." Auch Margarethe Steiff, der 2005 ausgestrahlt, in Bad Wimpfen gedreht wurde, war sein Projekt. "Ich habe ein bisschen ein déjà-vu", gesteht er. Dass auch Heike Makatsch wieder mit von der Partie ist, sei reiner Zufall.
Von einem besonderen Projekt spricht Anna Oeller, Produzentin der Bavaria Fernsehproduktion. "Wir haben ein beeindruckend großes Set, eine historisch große Anzahl von Komparsen." Für jeden müsse die Garderobe extra genäht werden. "Insofern kommen wir mit dem normalen Budget nicht aus", ergänzt die seit 2011 frisch gebackene Filmchefin Strobl und Ehefrau des frisch gebackenen CDU-Parteivorsitzenden in Baden Württemberg, Thomas Strobl. "Wir haben ein Budget von mehr als zwei Millionen Euro. Der SWR wird im nächsten Jahr der Hesse-Sender sein."
Investitionen
Jeder Drehtag ist sehr teuer. Schmidl: "Wenn wir sonst im Schnitt mit 30 000 Euro pro Tag kalkulieren, investieren wir hier bestimmt annähernd das Doppelte."
Gemeinsam mit der Produzentin hat Regisseur Jo Baier die Entscheidung für "Die Heimkehr" getroffen. "Die Redaktion kam auf mich zu wegen des 50. Todesjahres Hesses. Es gibt kaum Filme über ihn, da war das ein guter Anlass", sagt der Regisseur, der sogar die Dialoge auf Schwäbisch geschrieben hat. "Die kleine Novelle sagt sehr viel über Hesses Haltung zur Heimat, über das Außenseitersein", sagt der gebürtige Bayer. Von Neudenau ist er begeistert: "Das ist der schönste geschlossene Marktplatz, den wir gefunden haben."
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