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Großaufgebot für Horst Köhler

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Brackenheim - Beim Blick aufs Bürgerzentrum Brackenheim muss es jedem Personenschützer flau im Magen werden: Eine 22 Meter lange und sechs Meter hohe Glasfront ermöglicht auch von Weitem die direkte Sicht auf die Bühne. Ein Sicherheitsrisiko? Dort wird am 31. Januar Horst Köhler stehen. Der Bundespräsident spricht zum 125. Geburtstag von Theodor Heuss. „Der Rollo muss runter“, sagt Bürgermeister Rolf Kieser.

Das Sicherheitskonzept steht: Bevor der Bundespräsident am Samstag das Heuss-Museum besucht, wird ein Spezialistenteam mit Sprengstoffhunden das Gebäude unter die Lupe nehmen. Foto: Ulrike Kugler

Brackenheim - Beim Blick aufs Bürgerzentrum Brackenheim muss es jedem Personenschützer flau im Magen werden: Eine 22 Meter lange und sechs Meter hohe Glasfront ermöglicht auch von Weitem die direkte Sicht auf die Bühne. Ein Sicherheitsrisiko? Dort wird am 31. Januar Horst Köhler stehen. Der Bundespräsident spricht zum 125. Geburtstag von Theodor Heuss. „Der Rollo muss runter“, sagt Bürgermeister Rolf Kieser.

Hellwach

Beamte vom Bundeskriminalamt Berlin, vom Staatsschutz und dem Führungseinsatzstab der Polizeidirektion Heilbronn sind in die Stadt gekommen, nehmen im Vorfeld jeden Quadratmeter unter die Lupe. Mit dabei: Professor Stefan Ulrich Pieper vom Bundespräsidialamt Berlin, der den protokollarischen Ablauf des hohen Besuchs minutiös plant.

Wo landet der Hubschrauber, mit dem das Staatsoberhaupt bei gutem Wetter um 10.30 Uhr einfliegen wird? Wo steigt Köhler aus dem gepanzerten Wagen, der ihn zum Heuss-Museum fahren soll? Dort wird er um 10.45 Uhr eine Bronzestatue von Heuss enthüllen. Ein Bad in der Menge, in der auch Beamte in Zivil stehen werden. Die Sicherheitsvorkehrungen werden enorm sein. Vermutlich - denn die Polizei schweigt wie ein Grab. Details würden Rückschlüsse auf das Sicherheitskonzept erlauben. Nur so viel: Absolute Sicherheit gibt es nie. „Der Bundespräsident kommt ja nicht im Papamobil“, sagt ein Beamter.


Das Heuss-Museum ist mit seiner dicken Mauer sicher wie eine Festung. Um 10.50 Uhr werden Horst Köhler und Ehefrau Eva Luise einen Blick ins Gebäude werfen. Dann der kurze Weg zum Bürgerzentrum. Die Kreuzung Georg-Kohl-Straße/Austraße wird gesperrt, damit der präsidiale Wagen um 11.15 Uhr ungebremst zum Bürgerzentrum rollen kann. Jetzt müssen alle 750 Gäste im Saal bereits Platz genommen haben. Sprengstoffhunde sind längst wieder abgerückt, die Einlasskontrollen abgeschlossen. Pieper schaut sich um: „Der Bundespräsident muss einen freien Weg durch den Saal haben.“ Er rückt das Rednerpult etwas nach rechts. So ist's optimal. Die Schule spielt Theater? Klasse. „Der Bundespräsident mag eine fröhliche Veranstaltung.“

Logenplatz: Guido Klöpfer kümmert sich um Ton und Licht.Foto: Rolf Muth
Logenplatz: Guido Klöpfer kümmert sich um Ton und Licht.Foto: Rolf Muth
Vor dem Bürgerzentrum schauen sich die Kripo-Spezialisten derweil noch genauer um. Bereitet ihnen die Umgebung Kopfzerbrechen? Das benachbarte, hohe Gebäude der Druckerei Kohl, mit einem hervorragenden Blick auf den Eingangsbereich? Etwa die Umgebungsbebauung mit Supermarkt und Wohnhäusern? Und überhaupt: die angrenzende, weitläufige Grünfläche im Wiesental? Das wird für die Polizei ein personalintensiver Einsatz. „Über die Zahl der Beamten geben wir keine Auskunft“, sagt Pressesprecher Rainer Köller.

Die Sicherheitskräfte haben einiges zu tun: 17 Türen hat die Halle - ebenerdig. Eine Wendeltreppe führt aufs Dach zum Klimakanal. „Einen Zugang zum Saal gibt es aber nicht“, versichert Hausmeister Andreas Lauterwasser. Er wohnt mit Ehefrau Claudia über dem Foyer des Bürgerzentrums. „Die wollen von mir bestimmt noch ein polizeiliches Führungszeugnis haben“, nimmt er das Voraus-Kommando gelassen.

Logenplatz

Gelassenheit muss auch Guido Klöpfer haben. Der Betriebstechniker wird einen Logenplatz beim Festakt am Samstag haben. Er sitzt hoch oben im dann vermutlich verriegelten Regieraum, bedient über das Mischpult die Mikrofonanlage. „Und den Verfolger-Scheinwerfer“, sagt er. Damit will er Köhler wo immer er steht und geht ins rechte Licht rücken.

Mit diesem Beitrag starten wir eine kleine Serie zu Theodor Heuss' 125. Geburtstag am 31. Januar.


Hintergrund: Protokoll und Leibspeise

Wo schüttelt der Bundespräsident die Hände von Bürgern? Wo kann er sich für eine Minute zurückziehen, frisch machen? Hat die Stadt ausreichend Personal für den Empfang der Ehrengäste organisiert? Und ist das Essen für Horst Köhler präsidial? Nirgendwo soll der Bundespräsident warten müssen. Die Gäste müssen vorher im Saal sein. Streng nach Protokoll läuft der Besuch eines so wichtigen Staatsgastes ab. Vor jedem Besuch ist das Bundespräsidialamt zur „Feinjustierung“ vor Ort. „Brackenheim hat ausgezeichnete Vorarbeit geleistet“, lobt Referatsleiter Professor Stefan Ulrich Pieper. Auch das Mittagessen ist genehmigt. Es war Heuss’ Lieblingsessen: Flädlessuppe, eingelegtes Kalbfleisch mit Spätzle und schließlich Ofenschlupfer. rom


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