Erdbeeren und Spargel sind rare Ware
Region Heilbronn - Hast du morgen vielleicht wieder Erdbeeren für mich?" Olivier Gruber versucht zur Zeit alles, um an die rare Ware zu kommen. Bei Marcus Fischer in Kochertürn verhandelt er gerade über die nächste Lieferung.

Region Heilbronn - Hast du morgen vielleicht wieder Erdbeeren für mich?" Olivier Gruber versucht zur Zeit alles, um an die rare Ware zu kommen. Bei Marcus Fischer in Kochertürn verhandelt er gerade über die nächste Lieferung. "Es war zu kalt, und es gab zu wenig Sonne in den letzten Wochen", erklärt ihm Obstbauer Fischer den Engpass. Im gesamten süddeutschen Raum sind die Erdbeeren knapp.
In der Region sind die Bauern auch beim Spargel mit ihrer Ernte eine Woche im Rückstand. "Beim weißen Spargel liegen wir mit unserem Ertrag um 30 Prozent niedriger als im Vorjahr", stellt Manfred Murawski fest. Der Landwirt aus Neuenstadt ist trotzdem zuversichtlich: "Wenn wir ein paar Tage in Folge wärmere Witterung bekommen, gibt es nach Pfingsten wieder mehr Spargel." Seine Kunden bezahlen zurzeit für ein Pfund weißer Spargel der Klasse I vier Euro.
Reifestadium
Auch die Erdbeeren in der Region liegen ungefähr bei diesem Preis. Wenn es welche gibt. Gudrun Grötzinger aus Brackenheim spricht von einem Stillstand. "Seit Tagen bleiben unsere Erdbeeren unter der Doppelfolie im selben Reifestadium." Sie zieht den Vergleich zum Vorjahr: "Wir hatten wieder Anfang April den Blütebeginn. Aber 2009 konnten wir schon am 13. Mai Erdbeeren verkaufen."
Beim grünen Spargel sieht es auf dem Hof in Brackenheim ähnlich aus. Außerdem hat der Regen die Ernte deutlich erschwert: "Die Stiefel stecken schwer im Dreck", klagt Gudrun Grötzinger. Der weiße Spargel lässt sich zudem nicht so leicht reinigen, wenn die feuchte, lösshaltige Erde daran haften bleibt.
Auch wenn die Bauern gerade Einiges mitmachen: Es ist Hoffnung in Sicht. "Die Spargelsprossen sind schon im Boden gewachsen. Sie kommen bei besserem Wetter alle nach", erklärt Gudrun Grötzinger.
Schlusstermin
Bis zum Johannistag am 24. Juni ist noch Zeit. Dann endet traditionell das Spargelstechen, um den Pflanzen Erholung zu gönnen. Für die Erdbeerernte gibt es keinen Schlusstermin. Die Hochsaison beginnt erst Mitte Juni. "Im Moment ist es eine Katastrophe", sagt Marcus Fischer. Nicht einmal unter der Plane seiner Wandertunnels werden die Früchte schnell genug reif. "Nachts dürfen die Temperaturen nicht unter zehn Grad fallen, das bremst das Wachstum."
Die Erdbeerpreise im Handel sind wegen des Mangels teilweise doppelt so hoch wie im vergangenen Jahr. Dadurch können die Bauern den Ernteausfall etwas ausgleichen.
Wie es in den nächsten Wochen weitergeht, kann keiner der Landwirte in der Region sagen. "Wir rechnen im Juni mit einer guten Ernte, wenn alles nachreift", erklärt Marcus Fischer. "An Pfingsten wird es noch zu wenig Erdbeeren geben."
Auf den Hof von Fischer fährt schon der nächste Lkw. Auch ihn wird er nicht mit der gewünschten Menge versorgen können. "Langsam fang ich an zu zaubern", sagt er. "Aber wir kämpfen uns durch."

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