Eine Niere für den Ehemann
Leingarten - Stark. Das ist das richtige Wort. Bernd und Gaby Rieker machen einen starken und gefestigten Eindruck. In den Osterferien 2010 wurde Bernd Rieker eine Niere transplantiert. Eine Niere, die die Ärzte zuvor seiner Frau entnommen hatten.

Leingarten - Stark. Das ist das richtige Wort. Bernd und Gaby Rieker machen einen starken und gefestigten Eindruck. In den Osterferien 2010 wurde Bernd Rieker eine Niere transplantiert. Eine Niere, die die Ärzte zuvor seiner Frau entnommen hatten. Den beiden Leingartenern geht es heute gut. Über ihre Geschichte sprechen sie nur aus einem Grund: Bernd und Gaby Rieker haben eine Botschaft. Gerade nach der Diskussion über den Fall Steinmeier. Sie wollen die Menschen anregen, über das Thema Organtransplantation nachzudenken.
Schwerer Unfall
Rückblick: Im Sommer 2006 wird die Familie in Österreich in einen schweren Unfall verwickelt. Beide Nieren von Bernd Rieker nehmen Schaden. Anfang 2007 erholt sich der inzwischen 47-Jährige, seine Blutwerte stabilisieren sich auch ohne Dialyse. Das ändert sich im April 2009. Bernd Rieker muss sein Blut waschen lassen. Drei mal pro Woche fünf Stunden. "Ich habe mich lange gesträubt." Der Gedanke, sich derart ausliefern zu müssen, macht dem Landwirt zu schaffen. Doch dann führt kein Weg mehr vorbei an den Maschinen.
Bernd Rieker, so sagt er selbst, kommt mit der Dialyse gut zurecht. Seine Frau beobachtet aber, dass ihm die Behandlungen zusetzen. "Dialyse belastet auf Dauer den Körper", sagt sie. Nicht nur ihr wird klar, dass es langfristig eine bessere Lösung geben muss. Eine Transplantation. Einige Familienmitglieder von Bernd Rieker sind bereit, für ihren Blutsverwandten eine Niere zu geben. Aber die Werte passen nicht. In der 43-Jährigen reift der Entschluss, sich selbst testen zu lassen.
Anfänglich verweigert sich Bernd Rieker diesem Vorschlag. "Nicht von meiner Frau, habe ich immer gedacht." Er denkt an die beiden Kinder (10 und 13). Was soll mit ihnen passieren, wenn etwas schiefgeht? Natürlich beschäftigt sich auch die Mutter mit diesem Thema: "Zwei Elternteile gleichzeitig auf dem OP-Tisch, das ist für Kinder schon eine sehr belastende Situation." Die Einschätzung der Ärzte, dass das Risiko für seine Frau nur gering ist, lässt den Landwirt umdenken. Schließlich passen die Werte perfekt.
Operation
Vor der Operation in der Universitätsklinik Heidelberg sprechen die Eltern viel mit ihren Kindern. Klären auf, nehmen Sorgen. "Wir waren immer ehrlich, haben nie etwas verschwiegen", sagt Gaby Rieker. "Sie haben die Notwendigkeit eingesehen", meint der Vater. Die Operation selbst verläuft gut. Die Spenderin kann noch am selben Tag wieder aufstehen. Der Empfänger einen Tag später. "Mir ging es sofort viel besser", versichert der 47-Jährige. Bald habe er sich fast wieder so gut wie vor dem Unfall gefühlt. Auch seine Frau erholt sich bestens.
Und heute? Die Transplantation hat dem Leingartener medizinisch geholfen und seiner Frau nicht geschadet. Und sie hat einer Familie, die von Unfall und Krankheit gezeichnet war, wieder ein normales Leben gegeben. Da wird fast zur Randnotiz, dass Bernd Rieker viele Medikamente einnehmen und Kontrolluntersuchungen über sich ergehen lassen muss. Dass er körperlich nicht hart arbeiten kann und der Hof deshalb umorganisiert werden musste. Die vergangenen Jahre haben den Riekers aber auch gezeigt, wie sehr sie sich auf Nachbarn und Freunde verlassen konnten.
Erfahrungen
Mit einem derartigen Erfahrungsschatz im Kopf verzweifeln die beiden Leingartener am deutschen Transplantationsrecht, das eine explizite Einwilligung in eine Organspende verlangt. Der österreichische Weg erscheint den Riekers sinnvoller. Dort muss widersprechen, wer seine Organe nicht spenden will. Das wäre für sie eine starke Lösung.
Stimme.de