Die Geheimsprache der Uniform
Heilbronn - Kohlenschwarz ist der Bergkittel. Die Stickerei am Kragen, Sägeblatt, Eichenlaub und Rosette genannte Eichel, verraten den Status des Bergmanns. Ist er Steiger, Obersteiger oder Bergwerksdirektor? Für den Kenner ist die Hierarchie sofort ablesbar.

Heilbronn - Im Winter zu kalt, im Sommer zu warm. Auf den Regen der vergangenen Tage werden die 900 Bergleute aus ganz Deutschland bei ihrer großen Parade am Sonntag in Heilbronn liebend gern verzichten. Aber kühlere Temperaturen werden sie herbeisehnen, wenn sie sich bei den angekündigten 30 Grad im Schatten unter ihrem Schachthut den Schweiß von der Stirn wischen.
Brezelwarm wird es unter der Kopfbedeckung, verrät Thomas Müller, seines Zeichens Betriebsingenieur der Südwestdeutschen Salzwerke und Vorsitzender der 430 Mitglieder im Bergmannsverein Glück auf. Da helfen die vier kleinen Luftlöcher überhaupt nichts. Mal ganz abgesehen davon gleicht das Ehrenkleid der Bergleute mit seinem schweren Wollstoff doch mehr einem Wintermantel als einem Sommeranzug. Es wird also ein schweißtreibendes Vergnügen, sich beim vierten baden-württembergischen Bergmannstag und 125-Jahr-Jubiläum der Salzbergwerke Heilbronn in die Bergparade einzureihen. Aber es bleibt ein Vergnügen allemal.
Schwarz
Kohlenschwarz ist der Bergkittel. Auch wenn die Kochendorfer und die Heilbronner Bergleute weißes Gold zu Tage fördern. Die Bochumer Uniform stand seinerzeit Pate für die Unterländer. So erklärt sich auch ein kleines, schwarzes Samtherz am Ärmel: Es steht für Kohlebergbau, Rot bedeutet Kalisalz, Grün Erz. Nur Steinsalz hat keine eigene Farbe.
Dafür stechen die Goldknöpfe ins Auge: sechs an jedem Ärmel, je sechs in Brusthöhe und fünf zum Zuknöpfen. Macht summa summarum 29 Knöpfe: So viele Tage war die Heilige Barbara, Schutzheilige der Bergleute, in ihrem Turm gefangen.
Jeden Knopf, das Herkunftszeichen am Ärmel, und den Hut zieren gekreuzte Schlegel und Eisen − Hammer und Meißel, in Zeiten vor Presslufthammer und Continous Miner das Werkzeug der Bergleute.
Die Stickerei am Kragen, Sägeblatt, Eichenlaub und Rosette genannte Eichel, verraten den Status des Bergmanns. Ist er Steiger, Obersteiger oder Bergwerksdirektor? Für den Kenner ist die Hierarchie sofort ablesbar.
Auch der Federbusch, der den Bergmann krönt, ist höchst informativ. Ist er groß und stattlich, muss sein Träger ein besserer Angestellter sein. Den Hut des Arbeiters schmückt ein kurzer Federstutz. Die Federfarben der hiesigen Bergleute lassen sich vermutlich als württembergisch erklären: Das Rotschwarz der Heilbronner steht für das Königreich Württemberg, das Gelbschwarz der Kochendorfer entspricht den heutigen Landesfarben.
Tschako
Der Hut ist ein ganz besonderer. Nicht nur dass er zwickt und zwackt, wie Thomas Müller gesteht: "Das ist wie bei Frauen, wenn sie ihre Stöckelschuhe anhaben, die drücken auch." Der Tschako ist rein sprachlich schon eine Verballhornung des Chapeau. Mit Goldband und Zeichen über der Stirn ist er eine "Kopie" des alten französischen Polizeihutes.
Start um 14 Uhr am Theater, durch die Sülmer City zum Rathaus, über die Götzenturmbrücke aufs Volksfest. Vorstellung der Gruppen auf dem Marktplatz.



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