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Der Knorr-Brühwürfel feiert Geburtstag

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Eine Revolution vor 100 Jahren: Fleischsuppe ohne Knochenkochen − Siegeszug mit dem Militär

Von Manfred Stockburger
So sah die Suppenwürfelproduktion im Knorr-Werk in den 1950er Jahren aus: Mit Schaufeln packten die Frauen die einzeln verpackten Brühwürfel in Gläser.Foto: privat
So sah die Suppenwürfelproduktion im Knorr-Werk in den 1950er Jahren aus: Mit Schaufeln packten die Frauen die einzeln verpackten Brühwürfel in Gläser.Foto: privat

Heilbronn - Wie die klare Fleischsuppe damals geschmeckt hat? Das weiß auch Jochen Krämer nicht − obwohl er als der zuständige Produktmanager bei Knorr so viel mit den Suppenwürfeln zu tun hat wie sonst kaum jemand. Das liegt nicht etwa daran, dass sich die Rezepturen aus der Anfangszeit nicht rekonstruieren ließen: Exakt 100 Jahre ist es her, dass die erste klare Fleischsuppe im Heilbronner Werk produziert wurde. Die spannende Frage ist vielmehr: Welche Rohstoffe wurden damals verwendet? Wie war das Karottenpulver damals gemacht? Das wirkt sich natürlich auf den Geschmack aus. Aber an dieser Stelle hier verlassen die Künste selbst die findigsten Knorr-Köche.

Klar wie Kloßbrühe ist auch, dass die Rezepturen immer wieder dem Zeitgeist angepasst wurden − zuletzt im Jahr 2007, als Knorr zumindest im Großverbrauchergeschäft die Geschmacksverstärker aus der Fleischbrühe verbannt hat. Nur noch in der Klassik-Variante ist Glutamat seither enthalten: Für die Verbraucher, die diesen Geschmack wollen, erklärt Krämer.

In der Anfangszeit wurde das Produkt anders verwendet: Damals war die Suppe aus dem Würfel eine kleine Revolution, heute werden 70 Prozent des Heilbronner Fleischbrüh-Pulvers nicht als Bouillon serviert, sondern als Würze in andere Speisen eingerührt. Aus den meisten Küchen sind die praktischen kleinen Suppenhelfer dennoch nicht wegzudenken. Auch wenn der Wettbewerber Maggi die Nase vorn hatte und seinen ersten Brühwürfel einige Monate früher auf den Markt brachte: Knorr"s klare Fleischsuppe hat eine kleine Revolution bewirkt.

War die Brühe anfangs angepriesen worden als eine erschwingliche Alternative zur teuren und zeitaufwändigen Eigenzubereitung von Suppe im städtischen Haushalt, so hat sich der Fokus der Vermarktung schon bald verändert: Das neue Produkt wurde überall dort eingesetzt, wo es um die Zubereitung großer Mengen mit einem möglichst geringen Personalaufwand ging.

Feldrationen Zunächst waren das Krankenhäuser, schon bald aber die Armee: Die kaiserlichen Generäle der deutschen Truppen waren so überzeugt von der Wunder-Suppe, dass sie bereits am 18. August 1914 stolze 7,5 Millionen Feldrationen bestellten. Mit dem handlichen Brühwürfel war nämlich die Zeit der großen Viehtransporte an die Front vorbei, weil das Pulver leicht und lange haltbar war. Und zugleich sahen die Militärs darin das richtige Mittel, die Leistungsfähigkeit ihrer Männer an der Kriegsfront zu erhalten.

Rohstoffe Auch bei der Versorgung der Zivilbevölkerung habe der Knorr-Suppenwürfel eine große Rolle gespielt, heißt es in den Knorr-Annalen. Wenngleich dies vor dem Hintergrund einer immer prekärer werdenden Rohstoffsituation eine große Herausforderung für die Produzenten gewesen sei. Nach dem Ersten Weltkrieg kümmerte sich das damals noch eigenständige Unternehmen − Maizena kaufte 1922 die ersten Knorr-Aktien − verstärkt um die Verbreiterung des Sortiments mit neuen Geschmacksrichtungen. Über all die Jahrzehnte ist das Produkt, das jedenfalls in Granulatform für Großverbraucherpackungen nach wie vor in Heilbronn hergestellt wird, ein "Kronjuwel" für die Marke Knorr.

Für Jochen Krämer ist das Jubiläum natürlich ein gefundenes Fressen, um das er mit seinen Kollegen jede Menge Aktionen plant, um das Produkt auch nach dem 100. Geburtstag frisch zu halten. Der 33-Jährige ist übrigens nicht Koch, sondern klassischer Betriebswirt. Vor allem als Würzmittel beim Kochen verwendet er die eigene Brühe, sagt er. Wie die meisten Verbraucher auch. "Aber im Winter macht eine heiße Tasse Bouillon auch mal Spaß", meint er. Jedenfalls dann, wenn er nicht den Tag mit dem Verkosten mehrerer hundert Suppenproben verbracht hat.

Jochen Krämer
          Fotos: Unilever
Jochen Krämer Fotos: Unilever
Bis heute sind Brühwürfel für Knorr ein wichtiges Produkt.
          Foto: Sawatzki
Bis heute sind Brühwürfel für Knorr ein wichtiges Produkt. Foto: Sawatzki
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