Das Leiden lindern, wenn der Tod kommt

   | 
Lesezeit  1 Min
Erfolgreich kopiert!

Bundesweit dritter Versorgungsschwerpunkt für Sterbenskranke beim Klinikum am Plattenwald

Von Petra Halamoda

Bad friedrichshall - Das Leiden Sterbenskranker erträglicher machen – das hat sich das SLK-Klinikum am Plattenwald verstärkt zur Aufgabe gemacht. Inzwischen wurde hier ein Schwerpunkt für diesen Bereich eingerichtet, für die nur noch lindernde Palliativ-Medizin. „Bundesweit gibt es lediglich zwei weitere Schwerpunkte. In Ulm und in Überlingen“, sagt Dr. Thomas Mandel, Oberarzt der Onkologie, der Krebsbehandlung. Dabei ist der Bedarf groß. „Es herrscht prinzipiell ein Defizit für Patienten in der letzten Lebensphase“, sagt Mandel. Oftmals reiche die Betreuung nicht aus. „Diese Menschen brauchen spezielle pflegerische und seelsorgerische Begleitung.“

Sich der Angst stellen Neben Mediziner Mandel, Psychotherapeutin Heike Fischer und Annemarie Jung als Koordinatorin komplettieren ein Seelsorger, ein Physiotherapeut und ein Sozialarbeiter das Sechserteam. Patienten, bei denen keine Aussicht auf Heilung besteht, haben besondere Bedürfnisse: Entlastung von Schmerzen oder anderen Symptomen wie Atemnot, Übelkeit, Depression.

Eine wichtige Rolle spielt die Seele. „Verzweiflung und Schuldgefühle sind häufig Thema“, hat Heike Fischer in vielen Gesprächen festgestellt. „Viele wollen ihren Partner, ihre Kinder schonen. Oft stehen die Patienten ja mitten im Leben.“ Doch die Wahrheit zu verdrängen, hilft nach Ansicht der Experten nichts. „Ziel ist es immer, offen mit der Situation umzugehen.“ Dazu gehört auch, sich der Angst zu stellen. „Sie kann sehr starke Symptome auslösen“, sagt Thomas Mandel. Wer dagegen die Gefühle zulässt, entlastet sich. Angst schnürt aber häufig auch den Angehörigen die Kehle zu. Angst vor dem Verlust des geliebten Partners. „Du kannst mich nicht alleine lassen“ sind oft gehörte Worte.

Eine gewisse Lebensqualität zu gewährleisten – bis zum Tod: Auch das ist eines der Ziele im Klinikum. „Zu erkennen, was ist für den Patienten jetzt noch ganz wesentlich“, sagt Annemarie Jung. Scheinbar banale Dinge sind es oft. Einmal noch zu duschen, statt gewaschen zu werden. Dass die Angehörigen ein bestimmtes Fotoalbum mitbringen, dessen Bilder an die schönste Zeit im Leben erinnern. Oder dass der Musikliebhaber mit seinen Lieblingsmelodien in den Ohren einschläft.

Das Team hält Kontakt Wie die Mitarbeiter die psychische Belastung ihrer täglichen Arbeit aushalten? „In unseren Teamsitzungen besprechen wir Fälle, die uns sehr berühren“, sagt Annemarie Jung. Zu Patienten, die nach Hause entlassen werden, hält das Team Kontakt. Der Anruf einmal die Woche ist selbstverständlich. „Wir begleiten die Menschen bis zum Tod. Auch wenn sie nicht mehr im Klinikum sind. Das hilft bei der Bewältigung.“

Nach oben  Nach oben