Das Ende einer Falkner-Ära

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Hassmersheim - Bettina und Claus Fentzloff geben die Greifenwarte auf Burg Guttenberg altershalber ab. Der Nachfolger steht bereits fest: Der Burgbesitzer und bisherige Verpächter Bernolph von Gemmingen kauft Tiere und Falknerei-Anlagen. „Für die Besucher wird sich nichts ändern“, versichert Claus Fentzloff. Das Konzept werde beibehalten.

Von Reto Bosch
„Die Tiere können an ihrem Platz bleiben.“
          Claus Fentzloff
„Die Tiere können an ihrem Platz bleiben.“ Claus Fentzloff

Hassmersheim - Bettina und Claus Fentzloff geben die Greifenwarte auf Burg Guttenberg altershalber ab. Der Nachfolger steht bereits fest: Der Burgbesitzer und bisherige Verpächter Bernolph von Gemmingen kauft Tiere und Falknerei-Anlagen. „Für die Besucher wird sich nichts ändern“, versichert Claus Fentzloff. Das Konzept werde beibehalten. Und: „Mein bisheriges Team wird übernommen.“ Seit Bestehen der Greifenwarte seien 3,8 Millionen Menschen zu den Vorführungen gekommen.

Verkauf

Claus Fentzloff ist 84, seine Frau und Stellvertreterin Bettina 67 Jahre alt. „Wir haben uns viele Gedanken gemacht, wie es weitergehen soll“, sagt sie. Mit dem Verkauf an von Gemmingen sei die beste Lösung gefunden worden. „Die Tiere können an ihrem Platz bleiben“, erklärt Claus Fentzloff. Er wollte vermeiden, die Tiere einzeln zu verkaufen und so aus dem Blick zu verlieren.

„Wir haben jederzeit Zugang zu den Greifvögeln“, betont der Falkner. Trotzdem: Das Ehepaar hat in den vielen Jahren eine tiefe Beziehung zu den Vögeln aufgebaut. „Der Abschied wird uns sehr schwerfallen“, ist Bettina Fentzloff sicher. Derzeit leben knapp 130 Tiere auf Burg Guttenberg. Viele haben die Falkner selbst aufgezogen.

In der Vergangenheit gab es Konflikte zwischen Falknern und Burgbesitzer, etwa als es um die Benutzung von Toiletten ging. Diese Differenzen sind überwunden. Die Fentzloffs und von Gemmingen haben sich bereits auf einen Vertrag geeinigt. Für den Burgherrn spielt die Falknerei eine wichtige Rolle. Andere, Besucher anlockende Nutzungen für derartige historische Anlagen zu finden, ist schwierig. Von Gemmingen selbst glaubt, dass die Betriebe, da in einer Hand, künftig gut zu koordinieren sind. Seiner Familie gehört Burg Guttenberg inzwischen in der 17. Generation. „Wir sind tief in der Region verwurzelt“, sagt der Unternehmer, der selbst einen Falkner-Schein besitzt. Für die Greifenwarte werde er einen Fachmann einstellen.

Claus Fentzloff hat sich mit seiner wissenschaftlichen Arbeit international einen guten Ruf erworben. Diese will er fortsetzen und dafür auch die freigewordene Zeit nutzen. „Ich arbeite derzeit an mehreren Büchern.“ Sein Hauptanliegen in 60 Jahren sei die Zucht und kostenlose Auswilderung bedrohter Greifvögel gewesen. Über 400 Nachkommen von Seeadlern, die Fentzloff ausgewildert hat, fliegen heute durch die Lüfte. Bettina Fentzloff, sie teilte seit 1992 mit ihrem Mann die Leidenschaft für die gefiederten Jäger, will sich nun verstärkt der Malerei widmen. Die beiden erinnern sich an viele Anekdoten, vor allem aber eines ist ihnen aufgefallen: die große Geduld, mit der die Neckarmühlbacher Bürger Geier auf dem Rathaus oder Adler in Apfelbäumen hingenommen haben.

Vorführungen

Diese Saison bringen die Fentzloffs noch zu Ende. Im Oktober halten sie die täglichen Flugvorführungen (11 und 15 Uhr) im Wechsel ab, sonntagnachmittags treten sie gemeinsam vor das Publikum. Die letzte Vorführung ist am Sonntag, 2. November, 15 Uhr. Die Saison unter neuer Leitung soll Anfang März 2009 beginnen.

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