Blumenbunte Vielfalt
Auftakt der Aktion „Lebendiger Weinberg“ auf Burg Neipperg

Brackenheim - Früher waren sie in den Weinbergen verbreitet, heute sind sie vom Aussterben bedroht. Jetzt sollen Weinraute, Färberkamille und Kermesbeere, Schlingnatter, Mauereidechse und Schwalbenschwanz wieder eine Zukunft haben. Bunte Vielfalt in die Weinberge bringen, den Artenreichtum bei Pflanzen und Tieren erhöhen – das ist das Ziel der Aktion „Lebendiger Weinberg“. Mit zahlreichen Pflanzaktionen im ganzen Land wurde sie am Gründonnerstag eingeläutet.
Bei der Auftaktveranstaltung vor der Kulisse von Burg Neipperg griffen etliche Weinproduzenten zum Spaten. „Eine großartige Idee“, lobte Brackenheims Bürgemeister Rolf Kieser die Initiative von Claus-Peter Hutter, dem Leiter der Akademie für Umwelt und Naturschutz des Landes Baden-Württemberg. Dem geht es darum, jene ökologischen Nischen neu zu schaffen, die mit den Flurbereinigungen der 60er-, 70er- und 80er-Jahre verloren gingen.
Mit der Natur leben Dafür hat er wichtige Mitstreiter gewonnen. Den Verband der Prädikatsweingüter in Württemberg zum Beispiel. „Alle VDP-Betriebe ziehen mit“, freute sich dessen Präsident Gert Aldinger. „Wir leben mit der Natur, nicht gegen die Natur“, betonte Michael Herzog von Württemberg.
Auch viele Genossenschaften sind im Boot. Für Rainer Lang, den Vorsitzenden der Weingärtner Brackenheim, geht es darum, „Signale auszusenden“, an einzelnen Ecken „Beispiele zu schaffen“. So soll auf dem Gebiet seiner Genossenschaft in den nächsten Wochen an einer Wegkehre ein Steinriegel neu angelegt werden, der unter anderem Eidechsen Lebensraum bieten wird.
Die Staatliche Lehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau in Weinsberg bemüht sich nach den Worten ihres Leiters Dr. Günter Bäder schon länger darum, auf ihren Flächen alte Pflanzen zu kultivieren – überall dort, wo sie die Bewirtschaftung nicht zu sehr stören. Für Wengerter sei das nämlich gar nicht so einfach: „Wir befinden uns ja nicht in einem Ziergarten, sondern in einer Produktionsfläche.“ Letztlich gehe es darum, „Leben aus den alten Weinbergen wieder in die bereinigten Weinberge zu bringen“. Die Spaziergänger, davon ist Bäder überzeugt, „werden es uns danken“ – und die seien schließlich auch die Kunden der Weinbaubetriebe.
Einheitsrasen Dass das Bemühen um Naturschutz und Artenvielfalt an möglichst vielen Stellen sichtbar wird, wünscht sich Claus-Peter Hutter. Das gelte auch für das Grün zwischen den Rebzeilen. „Das ist oft zu sehr deutscher Einheitsrasen“, meinte Hutter und ermunterte die Wengerter: „Auch da darf sich eine bunte Blütenpracht entwickeln.“
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