Biergartentest: Licht-Luft-Bad in Heilbronn
Heilbronn - Eigentlich ist jede Zeile zu viel, die man über das Licht-Luft-Bad im Köpfertal schreibt. Denn eigentlich verspürt man als Journalistin die Verpflichtung, dass es das bleibt, als was es empfohlen wird: ein Geheimtipp. Doch das Lilu, wie das Licht-Luft-Bad bei Generationen von Heilbronnern heißt, ist alles andere als ein Geheimtipp. Das Licht-Luft-Bad ist eine Institution.
Oase
Hierher kommt man zur erfrischenden Mittagspause mitten in die vom Alltagslärm abgeschiedene Oase eines Naturschutzgebietes. Nicht wenige junge Angestellte in Kostüm und Anzug, die am großen Tisch gemeinsam essen, kennen das Lilu, seitdem sie von ihren Müttern im Kinderwagen hierher geschaukelt wurden bis sie jedes Spielgerät getestet, in allen Baumschatten geschlafen, im letzten Wasser des Bädles geplanscht hatten.Das Kinderbecken ist leider verrottet, soll aber erneuert werden. Das wäre das Tüpfelchen auf dem i, mit dem das Lilu jeden Wettbewerb gewinnen würde, ohne deshalb gleich mit fünf Sternen (oder: Bierkrügen) versehen zu sein.
Doch auch ohne Becken ist die an den Sitzbereich anschließende große Wiese ein Paradies für Kinder mit Platz für selbst erdachte oder durch einfache, leider zum Teil beschädigte Geräte vorgegebene Spiele. Die alten Bäume spenden Schatten. Städter schätzen am Lilu außer der himmlischen Ruhe die entscheidenden Temperaturgrade weniger gegenüber dem flimmernden Asphalt der City − und das frische Lüftchen.
Das Lilu ist eine jener altmodischen Einrichtungen, die den Stadtbewohnern vor mehr als hundert Jahren ein gesundheitsförderndes Bad in nichts anderem als Licht und Luft versprachen. Das einfache Freiluftlokal ist eine Dreingabe. Man kann sich, nach ein paar Cent Eintritt an den "Verein für Gesundheitspflege" als Besitzer der Anlage auch in den Bereich zurückziehen, in dem man Mitgebrachtes verzehrt. Die 50 Cent werden auch fällig, wenn Kinder die Spielwiese nutzen.
Nach einer Wanderung durchs Köpfertal ist der mit Schirmen und Pergola vor Sonne und Regen geschützte Wirtsgarten ebenso lohnendes Ziel wie mit der Stadtbuslinie 11, die einen kleinen Fußmarsch entfernt am Trappensee hält. Mit Auto und Rad ist das Lilu übers Gemmingstal oder die Jägerhausstraße nach Abzweigungen von der Badener Straße am besten mit vorheriger Erklärung durch einen Ortskundigen oder einem Blick ins Internet zu erreichen − trotz kleiner Hinweisschilder. Man parkt man auf Schotterplätzen direkt vor der Gartentür.
Die öffnet sich im Frühsommer und bleibt ohne Ruhetag geöffnet bis Ende Oktober. Ein Klick ins Internet zeigt, welches Essen für 5.90 Euro auf der Tageskarte steht. Handfeste Hausmannskost serviert das freundliche Servicepersonal, das die Pächterinnen Uschi und Hanne Schröter einsetzen.
Service
Die Karte bietet eine ausreichende Auswahl von Schnitzel bis Rostbraten, kleinen Speisen wie Schnittlauchbrot, Vegetarischem wie mit Käse überbackenem Blumenkohl und Salaten. Die Biere von Fürstenberg, Cluss und Paulaner kommen größtenteils aus dem Fass. Wein kostet zwischen 2,50 und 3,70 Euro das Viertel, Modisches wie den Sommerdrink Hugo 4,20. Kuchen gibt es am Nachmittag, abends mal ein Büfett mit reichlich Auswahl fürs Grillen, das die Gäste selbst übernehmen. Themenabende, Live-Musik und andere Aktionen finden mehrmals im Sommer statt. Einen Service schätzen alle: Neben Zeitschriften, Decken und Federballschlägern gibt es Mückensprays.
In den vergangenen Wochen stellten wir Freiluft-Restaurants vor. Zum Abschluss wählen nun die Leser den beliebtesten Biergarten. Alle Tests unter www.stimme.de/biergartentest.

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