Biergartentest: Hans im Glück in Heilbronn

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"Hans im Glück" wartet mit großem Bierangebot und ehrlichen, einfachen Gerichten auf

Von Joachim Friedl

Terrassenatmosphäre mitten in Heilbronn und am Neckar: 120 Plätze bietet unter einem Schnurbaum das Bistro-Lokal Hans im Glück. Fotos: Guido Sawatzki
Terrassenatmosphäre mitten in Heilbronn und am Neckar: 120 Plätze bietet unter einem Schnurbaum das Bistro-Lokal Hans im Glück. Fotos: Guido Sawatzki
Der Götzenturm ist das geschichtliche Wahrzeichen vom "Hans im Glück".
Der Götzenturm ist das geschichtliche Wahrzeichen vom "Hans im Glück".
Christoph Kühner serviert, was das Küchenteam um Bernd Betzner zaubert.
Christoph Kühner serviert, was das Küchenteam um Bernd Betzner zaubert.
Heilbronn - Hier kehr" ich ein. Hier will ich bleiben. Dieses Götz-Zitat ist nicht überliefert. Doch hätte der Ritter mit der eisernen Hand nach seiner Nacht im Bollwerksturm vom 11. auf den 12. Juni 1519 nicht in der "Krone", sondern im benachbarten "Hans im Glück" − das es damals noch nicht gab − Station gemacht, er wäre ein sehr zufriedener Gast gewesen. Auch neben dem Götzenturm.

Ein Hauch

Es ist gesellig unter dem mächtigen japanischen Schnurbaum. An heißen Tagen wie zuletzt spendet der mittelgroße, sommergrüne Baum angenehm kühlen Schatten. Die Tische − keine Bierbänke − im zum Neckar hin gewandten Bereich sind liebevoll dekoriert. Es stehen Kerzen und Blumen darauf. Wer"s bequem liebt, der bekommt ein Kissen.

Rustikal eingedeckt ist die Ecke am Fuße des Götzenturms. Hier stehen Bierkrüge mit Besteck auf den Tischen. Ein Hauch von Biergarten weht von hier über die 120 Sitzplätze. Wer"s eilig hat, der kann an einem der sieben Stehtische ein kühles Bierchen zischen.

Der Biergarten vom "Hans im Glück" ist kein Biergarten im klassischen Sinne. Doch wo findet man hierzulande noch diese Spezies, in der Gäste einen Schweinsbraten und Haxen serviert bekommen? Dafür glänzt die Außenbewirtung in Sachen Bier. Vier Sorten − Andechser Hefeweizen, Höpfner Goldköpfle, Stauder Pils und König Pilsner − , fließen aus dem Zapfhahn. Das Erdinger dunkel, alkoholfrei und Kristall gibt"s noch obendrauf in der Flasche. Ein derart exklusives Angebot, bei dem zudem der Steinkrug mit dem Goldköpfle gefüllt wird, findet sich nicht allerorten. Die kleinen Pils kosten durchweg 2,60 Euro, für das teuerste große Pils (Stauder) werden 3,10 Euro berechnet.

Auch bei den Weinen überzeugt die Qualität. Die schwäbischen Klassiker kommen von der Heuchelberg-Kellerei, die vornehmen Weine sind in einer kleinen Weinkarte gelistet. Das ausländische Element decken französische Tropfen ab. Das Viertele gibt es zu 4,10 Euro (weiß) beziehungsweise zu 4,20 Euro (rot).

Die Bistro-Küche lässt den Gedanken an einen Biergarten nochmals entrücken. Es gibt keine Pommes, keine Pizza, keine Rote. Dafür ehrliche, einfache Gerichte mit bunten Salaten oder knackigem Gemüse, Nudelvariationen und handgemachte Maultaschen. Ofenwarmes Brot ist selbstverständlich. An die 100 frisch zubereiteten Essen, alle unter zehn Euro, verlassen jeden Abend die Küche. Maximal 20 Minuten muss der Gast warten. Erfreulich: Die Gerichte werden für alle am Tisch sitzenden Gäste zeitgleich gebracht.

Alles andere als Biergarten adäquat sind auch die Tageskarte und montags der Tipp "Fit in die Woche" − ein Sommersalategericht für 4,90 Euro. "Wir servieren nur, was wir selber essen", verraten Anke und Bernd Betzner. Seit mehr als 20 Jahren führt das Wirtsehepaar mit gleichbleibendem Erfolg das Lokal.

Sonderaktionen jeglicher Art trifft der Gast nicht an. Zur Freude der Anwohner, die aufgrund vieler Aktionen entlang des Neckars schon genug strapaziert sind. Sehr bescheiden ist das Angebot für Kinder. Es gibt einen Hochstuhl und einen Kinderspielkorb zum Kruschteln. Damit hat es sich aber auch schon. Der Altersschnitt des Publikums im "Hans im Glück" liegt im guten "Mittelalter".

Kleine Hürde

Ob Stadtbahn, Bus, Fahrrad, Auto oder zu Fuß − die Erreichbarkeit des im Herzen von Heilbronn gelegenen Biergartens ist nahezu perfekt. Gäbe es nicht das kleine Problem mit den Parkplätzen. Zwar gibt es jede Menge Stellplätze, aber in erster Linie eben nur im Parkhaus der Stadtgalerie. Der Abendtarif ab 21 Uhr kostet 2,50 Euro, die Ausfahrt ist bis 2.30 Uhr möglich. Für so manchen Gast immer noch eine unüberwindbare Hürde. Wer deshalb neben dem Götzenturm parkt und verhindert, dass Rollstuhlfahrer passieren können, hat das Knöllchen zu Recht verdient.

In loser Folge stellen wir 20 Freiluft-Restaurants vor. Mehr als 50 Biergärten hatten sich beworben. Eine Stimme-Jury hat die Teilnehmer ausgesucht, die von den Redakteuren getestet werden. Zum Abschluss wählen die Leser den beliebtesten Biergarten. Alle Tests und weitere Bilder unter www.stimme.de

 
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