Anneta Politi ist die neue Stimme in der Stadtbahn

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Region Heilbronn - Die Albtal-Verkehrs-Gesellschaft rüstet ihre Bahnen mit einer neuen Ansagestimme aus. Ab Sonntag sind auch in den Stadtbahnen die neuen Aufnahmen der SWR3-Radiomoderatorin zu hören.

Von Kathrin Baumann

Region Heilbronn - Samstagmittag. Stickig ist es in der Stadtbahn, die sich von Cappel aus auf den Weg nach Heilbronn macht. Die milde Wintersonne wärmt die Scheiben, mancher Fahrgast lehnt den Kopf daran und döst vor sich hin. Da ist sie plötzlich. "Nächster Halt, Öhringen West", sagt die Frauenstimme aus dem Lautsprecher. Klar und deutlich.

Verwirrt

Die Leute richten sich auf, runzeln die Stirn, lachen verwirrt. "Die haben wohl die falsche Platte", amüsiert sich einer. Denn die Stadtbahn steht in Heilbronn, kurz vor der Haltestelle am Finanzamt.

Falsch ist die Platte nicht. Aber neu. So neu, dass noch nicht alles reibungslos funktioniert. Seit Mai ist die Albtal-Verkehrs-Gesellschaft (AVG) gemeinsam mit den Verkehrsbetrieben Karlsruhe (VBK) dabei, ihre Busse und Bahnen mit einer neuen Ansagestimme auszurüsten. Ab Sonntag sind auch in den Stadtbahnen der Linie S 4 in Stadt und Landkreis Heilbronn die neuen Aufnahmen zu hören. Manche Fahrzeuge haben sie jetzt schon. Die neuen Durchsagen sind nötig, da die Bahnen zudem mit einem neuen Transport- und Kontrollsystem ausgestattet werden.

Überrascht

Wie klingt sie nun, die Neue? "Sie ist freundlicher", findet Lukas Walter. "Vorher hat sie wie eine Computerstimme geklungen, war viel mechanischer." Wer sich da hinter den Lautsprecherboxen verbirgt, weiß der 15-Jährige aber nicht. Es ist Anneta Politi, Radiomoderatorin bei SWR 3. "Oh", sagt Fahrgast Erhard Neuz überrascht. "Im Radio klingt sie ganz anders."

Wie er reagieren viele Stadtbahnnutzer. "Nervig und dominant", urteilt die eine, "sympathisch" der andere. Nur bei einem sind sie sich einig: Im Radio hört sich Frau Politi ganz anders an.

Kein Wunder, waren die Aufnahmen doch ungewohnt für die Moderatorin. Deutlich und vor allem langsam musste sie sprechen.

"Ich habe vorher genau hingehört", erklärt die 33-Jährige und lacht. "Manchmal ist sicher ein kleiner Schmunzler dabei, wenn ich die Strecke wiedererkenne." Politi kommt ursprünglich aus Bietigheim-Bissingen. Seit 1998 arbeitet die Tochter griechischer Eltern beim Südwestrundfunk. Vor sechs Jahren stieß sie zum Team der SWR 3-Morningshow, dort moderiert sie bis heute.

Stolz

Bei den VBK ist man stolz auf die berühmte Stimme. Auch, wenn noch nicht alles glatt läuft. "Dass die Stimme Haltestellen doppelt ansagt oder dass Ansagen falsch sind, sollte nicht passieren", räumt Dirk Weißer, Leiter der Leittechnik bei den VBK, ein. Das könne vorkommen, wenn das Fahrzeug eine falsche Information über seine Position bekommen hat.

Diese Angaben werden bei dem neuen integrierten Transport- und Kontrollsystem (ITCS) per Satellit übertragen. Der Vorteil: Nun wird das Mobilfunksystem genutzt, um herauszufinden, wo ein Fahrzeug gerade ist. "Wir können jetzt eine Echtzeit-Auskunft über Verspätungen geben", sagt Weißer. Von diesen Informationen ist auch die Durchsage abhängig. Glaubt sich das Fahrzeug in Öhringen, obwohl es in Heilbronn ist, liegt auch die Stimme falsch. "Wir sind dabei, diese Dinge auszuwerten. Bis Sonntag dürfte alles klappen", verspricht Weißer.

Kleine Stolperer verzeihen die Fahrgäste ohnehin. "Hauptsache ist, dass man sie versteht", betont Margarete Börsig. In Öhringen ist Politis Stimme sogar schon der Zeit voraus. "Öhringen Römerwall", kündigt sie als nächste Haltestelle an, als die Stadtbahn am Montagmorgen Cappel verlässt. Dabei ist die noch gar nicht gebaut.

Alles neu mit ITCS

Seit Mai dieses Jahres bekommen alle Fahrzeuge des VBK nach und nach das Transport- und Kontrollsystem ITCS. Dafür sind neue Bordcomputer notwendig, so genannte Co-Pilot-Systeme. Die alten Sprachaufnahmen funktionieren damit nicht, deshalb mussten die Durchsagen wiederholt werden. Sie sind nun als MP3-Dateien verfügbar. Pro Woche können zwei Fahrzeuge umgebaut werden, insgesamt sind es 120. Die Kosten liegen bei 8.000 bis 10.000 Euro pro Wagen.
 


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