4.000 Motorradfahrer kamen zur Platte

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Löwenstein - Nach zwei Jahren Pause war es wieder soweit: Im Rahmen der Aktion "Gib acht im Verkehr" veranstaltete die Polizeidirektion Heilbronn mit einer Vielzahl von Partnern am Sonntag auf der Aussichtsplatte bei Löwenstein die Motorrad-Präventionsaktion "Platte IV".

Von Sabine Friedrich
Ein waghalsiges Manöver von René Posch: An einem Stahlseil lässt er sich vom Motorrad über die B 39 ziehen. Der Schleiftest in Jeans und Stoffjacke zeigt, welch fatale Folgen das falsche Outfit hat.Fotos: Ralf Seidel
Ein waghalsiges Manöver von René Posch: An einem Stahlseil lässt er sich vom Motorrad über die B 39 ziehen. Der Schleiftest in Jeans und Stoffjacke zeigt, welch fatale Folgen das falsche Outfit hat.Fotos: Ralf Seidel

Löwenstein - Stoffjacke und Jeans hängen ihm nur noch in Fetzen vom Leib. Auch die Lederkombi drunter hat etwas abbekommen. Eindrucksvoll demonstriert der Schleiftest, was passiert, wenn ein Motorradfahrer stürzt und über die Straße schlittert.

"Es war brutal schnell", sagt René Posch vom Heilbronner Motorradausstatter Hein Gericke noch völlig außer Atem nach seinem waghalsigen Manöver. Trial-Stuntfahrer Kevin Funk aus Winnenden hat ihn am Stahlseil eines Motorrads über die 250 Meter auf der B 39 gezogen. Neben Funks Balance- und Akrobatikkünsten mit dem Moped ein Höhepunkte von "Platte IV".

Die Aussichtsplatte zwischen Löwenstein und Hirrweiler ist am Sonntag übersät mit rund 4.000 Bikern aus nah und fern. Chromverzierte heiße Öfen glitzern bei der Aufklärungsaktion der Polizeidirektion Heilbronn in der Sonne.

Bei der zweijährlichen Veranstaltung am beliebten Biker-Treffpunkt sind viele Partner mit im Boot, von Ausstattern über das DRK, die Kreisverkehrswacht bis hin zum Tüv.

Schutzkleidung rettet Leben

Kevin Funk ist ein Akrobatik-Künstler, zeigt hier einen Wheely.
Kevin Funk ist ein Akrobatik-Künstler, zeigt hier einen Wheely.
"Ohne Schutzkleidung brennt sich die Jeans in die Haut", mahnt Polizist Torsten Weidemann die dichten Zuschauerreihen entlang der Leitplanken, wie folgenschwer schlechte Ausstattung sein kann. "Ich habe da gar keine Bedenken", ist jedoch Kurt Maier mit Straßenkleidung unterwegs.

Er fahre nur eine alte Zündapp mit Seitenwagen, Baujahr "38. "Motorräder sind generell zu schnell", sagt der Nordhausener mit Blick auf die PS-starken Maschinen. Wenn er mit Tempo 80 durch die Gegend fahre, "dann sehe ich noch was von der Welt".

Hoher Geräuschpegel

An einem 53-jährigen Abstatter dürfte die Landschaft nur vorbeifliegen. Er meidet normalerweise die Löwensteiner Berge − wegen der vielen Kontrollen und der Geschwindigkeitsbegrenzungen. "Das Ding läuft im ersten Gang 150", zeigt er stolz auf seinen fahrbaren Untersatz. An den hat er einen Sportauspuff montiert. Jetzt will er testen lassen, ob die Geräuschgrenze eingehalten wird. Der Abstatter dreht am Gasgriff, die Maschine heult auf wie ein Düsenjet. 95,8 Dezibel zeigt das Messgerät von Jürgen Trautmann an. "95 darf er haben", ist nicht nur der Polizist zufrieden.

Reaktionstest bei Tempo 200

Zu laut? Jürgen Trautmann misst das Standgeräusch des Auspuffs.
Zu laut? Jürgen Trautmann misst das Standgeräusch des Auspuffs.
"Was passiert bei 200?", will ein junger Mann wissen. Günther Horinska stellt beim Reaktionstest dieses Tempo ein. Und obwohl der Kumpel am Messgerät schnell ist, wäre er im Ernstfall 16 Meter weiter gefahren, ohne eine Reaktion zu zeigen. Ständig umringt ist auch die Laserpistole. "Ich bin noch nie damit erwischt worden", sagt Benjamin Schuster aus Auenwald.

Unfallzahlen Display-Anzeigen von Tempo 200 sind für Jens Brockstedt, Leiter der Autobahn- und Verkehrspolizei, keine Ausnahme. Rund 20 Prozent der kontrollierten Motorradfahrer seien zu schnell, schätzt Polizist Joachim Gehring. Nicht nur die Löwensteiner Berge sind ein unfallträchtiges Biker-Revier. 2009 zum Beispiel hat die Polizei in Stadt und Landkreis Heilbronn 270 Motorradunfälle aufgenommen. Die Bilanz: sechs Tote, 74 Schwer- und 161 Leichtverletzte.

Der Kontrolldruck sei hoch, erklärt Brockstedt. Täglich seien Beamte mit Video-Motorrad oder Lasermessgerät unterwegs. Die Polizei setzt mit Aktionen wie "Platte IV" jedoch auch auf Prävention.

 
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