Heilbronn

Zubringer mit Tempo 80: Viele fahren zu schnell

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Die Polizei stellt seit der Einführung des Tempolimits zwischen Heilbronn und Untergruppenbach weniger schwere Unfälle fest. Für eine Trendaussage sei es aber noch zu früh, sagt ein Experte.

Von unserem Redakteur Carsten Friese

Ist das vielleicht schon eine Trendwende? Nach vielen schweren Unfällen auf dem Autobahnzubringer zwischen Heilbronn und Untergruppenbach sind die ersten Unfallzahlen einer neuen Ära zumindest positiv.

Ende Mai war auf der unfallträchtigen Strecke mit 17 Schwerverletzten und vier Toten seit dem Jahr 2010 Tempo 80 (statt 100) neu eingeführt worden. Als "Raserstrecke" war die Route bis dato im Volksmund bezeichnet worden. Die Polizeibilanz der ersten Monate von Juni bis Dezember 2015 ist auch für Gerhard Zeh vom Sachbereich Verkehr des Polizeipräsidiums Heilbronn zunächst "eine gute Nachricht". In dieser Zeit gab es weder einen Toten noch Schwerverletzte auf der Strecke (siehe Grafik). Und: Die Unfallkosten, die in vergleichbaren Zeiträumen der Vorjahre um 300.000 Euro schwankten, gingen drastisch auf 63.000 Euro zurück.

Verkehrsexperte Gerhard Zeh ist vorsichtig. Für eine Trendaussage "ist es noch zu früh". Viele fahrlässige Unfälle habe es nach wie vor auf der Strecke gegeben, bei denen "einiges dafür spricht, dass einige Fahrer abgelenkt waren". Zum Beispiel wenn ein Abgeschleppter auf den Vordermann auffährt, ein Fahrer in in den Seitenstreifen lenkt oder sich ein Auffahrunfall ohne triftigen Grund ereignet. "Die meisten Unfälle sind für uns unerklärlich", betont Zeh.

An der Unfallhäufigkeit habe sich auch bei Tempo 80 nichts grundlegend verändert − es seien aber "nicht mehr so schwere Unfälle" dabei gewesen. Ob sich die Tendenz bestätigt, da will Zeh noch abwarten. Zumal es in dem Zeitraum weder einen Wintereinbruch noch besondere Starkregen gab.

Kontrolldruck bleibt

Aus gutem Grund hält sich der Polizeiexperte mit lautem Jubel noch zurück. Die Stadt Heilbronn hat mit dem neuen Tempo-80-Zeitalter die Kontrollen verschärft. Und die Ergebnisse zeugen nicht gerade von einer neuen Einsicht vieler Autofahrer auf der Strecke. In 28 mehrstündigen Kontrollen blitzte das Heilbronner Ordnungsamt 1834 Autofahrer, die zu schnell waren. Immerhin 140 fuhren mehr als 21 Stundenkilometer über dem Limit, der Höchstwert lag bei Tempo 127 − drastische 47 Stundenkilometer zu schnell.

Für Ordnungsamtsleiter Bernd Werner sind die umgerechnet 65 Tempoverstöße pro Kontrolle im Vergleich zu sonstigen Blitzeinsätzen seiner Mitarbeiter "ein hoher Wert". Die klare Mehrheit der Temposünder war indes 10 bis 15 Stundenkilometer zu schnell unterwegs. Das neue Tempolimit sei "noch nicht überall verinnerlicht". Auch Ende Dezember gab es viele Verstöße, bilanziert Werner.

Dennoch: Er glaubt daran, dass die Zahlen runtergehen werden, die Autofahrer sich an Tempo 80 gewöhnen. Wichtig sei, dass "wir die Raser rausbekommen" − da es lebensgefährlich sei, auf der Strecke mit Tempo wie auf einer Autobahn zu fahren − auf einer dreispurigen Fahrbahn ohne Mittelleitplanke. Für sieben Raser, die mehr als 40 Stundenkilometer zu schnell waren, ist der Führerschein weg. Die Stadt Heilbronn wird weiter kontrollieren. Nicht, um Zusatzgelder einzunehmen, versichert Bernd Werner. "Es geht in erster Linie um die Sicherheit."

Beschleunigt

Ein Tempo-80-Limit hatte Kreisverkehrswacht-Vorsitzender Harald Lepple vor gut einem Jahr für den Zubringer laut gefordert. Jetzt ist er von den ersten Zahlen durchaus angetan. Die meisten Temposünder seien zehn bis 15 Stundenkilometer zu schnell. Das sei nachvollziehbar, wenn man auf einer zweispurigen Strecke den Berg hochfährt und beschleunigt. Für Lepple sind es insgesamt "weniger Verstöße als ich erwartet habe". Und die, die dort mit hohem Tempo fahren oder sich Rennen liefern, erreiche man auch mit einem Limit nicht. Lepple ist überzeugt: "Wenn der Kontrolldruck groß genug ist, wird sich das anpassen."

 

 

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