Wie lange lässt sich Streusalz lagern?

   | 
Lesezeit  3 Min
Erfolgreich kopiert!

Die Salzlager in den Bauhöfen sind so gut gefüllt wie selten im Februar. Und der Winter scheint nun vorbei zu sein. Was also tun mit den Resten?

Von Rolf Muth
Bauhofchef Bernhard Richter (links) mit seinem Mitarbeiter Kurt Endreß am Streugutbehälter, der bei Bedarf auf den Lastwagen aufgesetzt wird. Foto: Rolf Muth
Bauhofchef Bernhard Richter (links) mit seinem Mitarbeiter Kurt Endreß am Streugutbehälter, der bei Bedarf auf den Lastwagen aufgesetzt wird. Foto: Rolf Muth

Tausende Tonnen Streugut lagern in der Region. Auch im Zabergäu sind die Reserven der Kommunen in dieser Saison nur leicht angekratzt. Gute Voraussetzungen für den nächsten Winter. Doch, wie lange kann man das Material überhaupt lagern? Vor allem bei überschüssiger Solelösungen muss man aufpassen, sagt etwa die Straßenmeisterei.

Spitzenwerte bis zu 14 Grad Celsius auch in unserer Region: Das soll ein gescheiter Winter sein? Wohl kaum. Den Lauffener Bauhofchef Bernhard Richter freut’s. So müssen seine Leute in der Nacht nicht auf die Straßen. Bis Ende März hat der Betrieb seinen Dienstplan eingeteilt. Bislang blieben die meisten Nächte und Tage ruhig. „So können wir andere Arbeiten erledigen“, freut sich Richter. So wurde die Manpower genutzt, um etwa Unterkünfte für die Anschlussunterbringung von Asylbewerbern in der Hölderlinstadt herzurichten.

Zwölf Frauen und Männer hat Richter im Bauhof, zehn in der Stadtgärtnerei. In zwei Kolonnen sind sie wochenweise eingeteilt. Die Rufbereitschaft wechselt. Thomas Brück, Uwe Tiedemann und Bernhard Richter haben ihre Nase hart im Wind, den Blick auf der Wetter-App, wissen was das nächste Tief bringt. Doch bislang Fehlanzeige. Enttäuscht sind sie deshalb aber nicht. Wenn nachts die Temperatur absackt, müssen die drei vor Ort Brücken kontrollieren, Steigungen. Wird es kritisch, dann alarmieren sie ihre Schicht. Ab sieben Uhr sollen die öffentlichen Bereiche geräumt sein. So weit also die Theorie: Pflug und Streuaufsatz bleiben in diesen Tagen in der Fahrzeughalle.

Nach der Wintersaison werden die Gerätschaften entleert und eingeölt. Das soll verhindern, das durch restliches Salz Rostfraß begünstigt wird. 30 Kubikmeter Salz befinden sich auf dem Lagerplatz am Forchenwald. Drei kleinere Lagerflächen sind dezentral übers Stadtgebiet verteilt. Seit dem strengen Winter 2010 haben die Lauffener auch ständig zehn Big-Bags zusätzlich als Reserve am Forchenwald deponiert sowie eine lose Salz-Splittmischung. Damals war Lauffen auf Salz aus Rumänien angewiesen (siehe Hintergrund).

Wichtig: Trockene Lagerung

Auf ihren 80 Kubikmetern, je nach Körnung etwa 100 Tonnen, bleiben die Lauffener heuer sitzen. „Die Lagerung ist kein Problem, sofern das Salz keine zehn Jahre liegt“, meint Richter. Man müsse nur auf eine trockene Lagerung achten, damit die Salzkristalle nicht miteinander verkleben. Denn dann gibt es Klumpen – ein Problem für den Streumechanismus. Material, das in Silos lagert, müsse im Sommer abgelassen und wieder aufgefüllt werden, damit es locker bleibe.

Schlimmer allerdings, so Richter, sei Sole. Das bestätigt Manfred Keß, Chef der Straßenmeisterei in Brackenheim. In der Heuss-Stadt hat er einen 40-Kubikmeter-Behälter für Sole, also in Wasser gelöstes Salz, stehen. In Eppingen sind es 30 Kubikmeter. Jeweils nur ein Drittel sind verbraucht. Wenn es jetzt kein Glatteis oder Schnee mehr gibt, müssen die Behälter, so Keß, „alle paar Tage“ umgepumpt werden. Sonst gibt’s auch hier Klumpen im Behälter, die Pumpen und Schläuche verstopfen können. Entsorgungsstellen? Fehlanzeige.

Weniger problematisch sind die Streusalzlager in Brackenheim mit 900 Tonnen und Eppingen mit 300 Tonnen. Sie bekommen allenfalls eine dünne Kruste. Auch hier ist nur ein Drittel, also 400 Tonnen, verbraucht. In extremen Wintern sind es bis zu 1700 Tonnen bei einem Preis je Tonne von etwa 77 Euro. Sprich, das Land spart Geld und Personalkosten. Die Männer stehen wie in Lauffen für andere Aufgaben auf der Strecke zur Verfügung. Gewinner, so Keß, sei auch die Natur, die mit weniger Streugut belastet werde. Es gibt auch Verlierer, etwa die Subunternehmer. 50 Prozent des Streudienstes der Straßenmeisterei übernehmen Privatunternehmen.

In Nordheim sieht man die Lagerung ganz gelassen. In der Bauhofhalle liegen die 250 Tonnen für Nordhausen und Nordheim völlig trocken, weiß Michaela Bauer vom Bauhof. Im Winter 2009/10 war das ganze Lager leer. Damals konnte man aufgrund der großen Lagermenge sogar Nachbarkommunen aushelfen. Heuer gab es im 85 Kilometer weiten Straßennetz der Kommune nur vier Einsätze.

Extreme Winter

Der Winter 2009/2010 erforderte einen so intensiven Einsatz von Streugut, dass die Südwestdeutschen Salzwerke lange Lieferfristen hatten. Der Streusalz-Engpass führte dazu, dass Reserven aus Österreich, aus der Ukraine und Rumänien herangekarrt wurden. Auch nach Lauffen. Bauhofchef Bernhard Richter erinnert sich: „Auch zum Backen geeignet – so stand es in rumänischer Sprache auf den Säcken.“ Auch Manfred Keß von der Straßenmeisterei erinnert sich an einen Extremwinter: „Der 1. März 1988 – ein Tag, den ich nie vergessen werde.“ „Schneekatastrophe im Südwesten – Landespolizei löst Alarmplan aus“ titelte die Heilbronner Stimme tags darauf. Baufirmen setzten ihre Radlader zur Verfügung, um die Schneemassen zu bewältigen. Straßen wurden gesperrt, weil die Räumdienste nur noch Hauptachsen freibekommen haben.

 

Nach oben  Nach oben