Heilbronn
Lesezeichen setzen Merken

Wenige Jahre vor Abriss Millionen für alte Klinik

Fast zehn Millionen Euro müssen in diesem und im nächsten Jahr in die Sanierung und technische Ertüchtigung des alten Krankenhauses am Gesundbrunnen Heilbronn stecken. Allein 4,1 Millionen Euro sind "Altmängel" im Brandschutz.

Von unserer Redakteurin Iris Baars-Werner
  |    | 
Lesezeit  2 Min
Wenige Jahre vor Abriss Millionen für alte Klinik
Die Klinkerbauten (re.) wurden von 1990 bis 1997 in Betrieb genommen. Der erste Neubauteil (vorne) wird im Januar 2017 bezogen. Dann wird das Gelände für den zweiten Abschnitt freigemacht. Foto: Werner Kuhnle

 

9,7 Millionen Euro für ein 1989 und 1997 eingeweihtes Krankenhaus, das nach Fertigstellung des Neubaus abgerissen wird? Der Umzug in den zweiten Bauabschnitt des Heilbronner Klinik-Neubaus soll spätestens 2021 sein. Bis dahin werden in dem zickzackförmigen Klinkerbau, der sich an das Eingangsfoyer des Gesundbrunnens anschließt, noch 300 Patientenbetten verbleiben.

In Teile des danebenliegenden Gebäudes werden nach Verlegung der OPs, der Chefarzt- und Untersuchungsbereiche in den Neubau 2017 die Verwaltung vorübergehend einziehen, bis die Neurologie Platz macht. Außerdem bleiben Funktionsbereiche im Altbau.

Kostet die Interimslösung tatsächlich 9,7 Millionen Euro? Der Kreistag Heilbronn winkte die Vorlage am Montag ohne Diskussion durch, die Kreisräte waren mit der strittigen Entscheidung zu Brackenheim und Möckmühl beschäftigt. Kritischer schaute der Heilbronner Gemeinderat die Vorlage an.

Die Interimslösung für die Verwaltung verursache Kosten von lediglich 900.000 Euro, teilt die SLK auf Stimme-Anfrage mit. Um den ersten Neubau-Abschnitt mit dem weitergenutzten Altbau zu verbinden, müssten 2,2 Millionen Euro in technische Anlagen gesteckt werden. 5,6 Millionen Euro sind laut Vorlage für "Brandschutzmaßnahmen aufgrund aktueller Brandschutzbestimmungen (Einbau einer flächendeckenden Brandmeldeaanlage) bzw. aufgrund von Auflagen der Baurechtsbehörde/Feuerwehr (Entrauchung, Brandschutztüren und -decken)" notwendig.

Wie SLK-Geschäftsführer Dr. Thomas Jendges der Heilbronner Stimme bestätigt, entfallen von dieser Summe 4,1 Millionen Euro auf "Altmängel". Aktuelle Sachverständigengutachten hätten diese Altlasten ans Licht befördert. Er selbst wisse erst seit einigen Monaten davon.

Der Mangel ist, wie sich auf Nachfragen ergibt, eine Jahrzehnte zurückliegende Altlast. Die Versäumnisse, für die nun Stadt und Kreis 4,1 Millionen Euro aufbringen müssen, bestünden "im Wesentlichen seit Fertigstellung der Gebäude", so die SLK. Dieser Trakt wurde 1989 und 1997 in Betrieb genommen, da gab es noch keine SLK-GmbH, der Gesundbrunnen war städtisch. Heilbronn schloss damals das Jägerhaus und konzentrierte für 300 Millionen Mark sein Klinik-Angebot am Gesundbrunnen. Für 4,1 Millionen Euro müssen in diese Gebäude jetzt feuerhemmende Decken eingezogen und die Entrauchungsanlage ertüchtigt werden. Die Aktualisierung der Brandmeldeanlage kostet 1,5 Millionen Euro.

Archiv

Ein Blick ins Zeitungsarchiv zeigt: Im Januar 1995 fragte die Heilbronner Stimme "Pfusch am Krankenhaus-Neubau?": Es gab damals Kritik daran, dass in beiden Klinik-Bauabschnitten die Brandschutzauflagen nicht erfüllt worden seien. Bürgermeister Ulrich Frey und Feuerwehrkommandant Klaus Würker erklärten aber: "Sämtliche Auflagen wurden erfüllt. Wir haben alles Erdenkliche für den vorbeugenden Brandschutz getan." Dass am Gesundbrunnen nicht wie in anderen Kliniken feuerhemmende F-30-Decken in den Fluren eingezogen wurden, begründete Frey mit einer anderen Philosphie der Heilbronner Feuerwehr: Man habe "ein absolut perfektes Brandschutzmeldesystem eingerichtet", das führe die Feuerwehr punktgenau an den Brandherd. Zudem sei baulich dafür gesorgt, dass von den Fluren kein Rauch in die Zimmer gelange.

Für den heutigen SLK-Geschäftsführer Jendges sind die Forderungen der Baurechtsbehörde nach einer Sachverständigenprüfung "nachvollziehbar, wenngleich aus heutiger Sicht die Mängel bereits bei Abnahme des Gebäudes hätten beseitigt werden müssen". OB Harry Mergel, zugleich SLK-Aufsichtsratsvorsitzender, sagt: "Wenn ich von Brandschutzmängeln weiß, muss ich sie abstellen."

 

Kommentar hinzufügen

Kommentare

Kommentar hinzufügen
Kommentare werden geladen
  Nach oben