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Heilbronn

Verbotene Abkürzung zwischen Grabsteinen

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Einige Radler steigen im Friedhof nicht ab und stören die Pietät des Ortes

Von unserem Redakteur Helmut Buchholz
Gräberfeld auf dem Westfriedhof Heilbronn-Böckingen: Hier kreuzen Fahrradfahrer auf, die auf dem Gottesacker nichts zu suchen haben.Foto: Dennis Mugler
Gräberfeld auf dem Westfriedhof Heilbronn-Böckingen: Hier kreuzen Fahrradfahrer auf, die auf dem Gottesacker nichts zu suchen haben.Foto: Dennis Mugler

Der Friedhof sollte eigentlich eine Würde ausstrahlen, die dem Ort angemessen ist. Doch was Gabi Geiger auf dem Böckinger Westfriedhof erlebt, spottet dieser Beschreibung. Ihre Mutter ist hier begraben, etwa zwei Mal in der Woche besucht sie ihr Grab. Bei schönem Wetter fallen ihr aber immer wieder Radfahrer auf, die auf dem Friedhof keineswegs absteigen, wie es die Friedhofssatzung vorschreibt, sondern fröhlich zwischen den Grabsteinen weiter feste in die Pedale treten. "Das ärgert mich", sagt Gabi Geiger. "Das passt auch nicht zum Friedhof, wir sind hier ja schließlich nicht in einem Freizeitpark."

Zeitersparnis Gabi Geiger hat sich erlaubt, die Radler anzusprechen und zu bitten, doch von ihrem Gefährt abzusteigen. Vergeblich. "Die haben nur gesagt, ich solle mich doch umschauen. Ich sei die Einzige, die sich über die Fahrradfahrer beschwert." Die Böckingerin ist sich sicher, dass die dreisten Friedhofsgäste nicht zu faul sind, zu Fuß zu den Gräbern ihrer Angehörigen zu gehen, sondern den Gottesacker schlicht als Abkürzung nutzen. "Wenn man vom Böckinger Ziegeleipark kommt und nach Klingenberg fährt, spart man so vielleicht fünf Minuten."

Gabi Geiger hat zwar noch nicht beobachtet, dass Radler auch eine Beerdigung gestört hätten. Allerdings will sie diese pietätlose Praxis nicht länger hinnehmen und hat sich darum bei der Stimme gemeldet − und bei der Friedhofsverwaltung beschwert. Ihre Idee: Ein Plakat vor dem Friedhof aufstellen oder irgendwie anders Aufmerksamkeit erregen, damit die Radler ein Einsehen haben und absteigen. "So viel Anstand sollte man doch haben, das ist eine Frage der Kinderstube."

Was Gabi Geiger beobachtet, ist kein Einzelfall. "Auch auf dem Hauptfriedhof kommt das immer wieder vor", berichtet Martin Heier, Chef der Heilbronner Friedhofsverwaltung. Warum missachten einige das Verbot in der Friedhofssatzung, deren Regeln auf Schildern auch vor dem Westfriedhof für alle sichtbar angeschrieben sind? Heier: "Radfahrer ignorieren das Absteigen auf dem Friedhof immer dann, wenn die Entfernungen dies als bequemer erscheinen lassen."

Keine Zunahme Die Friedhofsmitarbeiter seien in der Regel schon von 7 Uhr an vor Ort. Wenn sie einen Radfahrer sichten, der nicht aus dem Sattel steigt, würden die Beschäftigten diesen ansprechen und bitten, sein Fahrrad auf dem Friedhofsgelände zu schieben. Der Sinn des Verbots sei es, die Fußgänger auf dem Friedhof zu schützen. Die Stadtverwaltung kann allerdings nicht bestätigen, dass es sich um ein gravierendes Problem handelt.

Heier: "Uns ist nicht bekannt, dass Fußgänger auf dem Friedhof schon einmal konkret gefährdet oder verletzt worden wären." Es komme zwar immer mal wieder vor, dass Radler sich über das Verbot hinwegsetzen. Doch Rathaus-Sprecher Anton Knittel schränkt ein: "Dass dieses Verhalten auf dem Böckinger Westfriedhof zugenommen hätte, können wir nicht bestätigen".

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