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Heilbronn

Verantwortlich sein für Menschen mit Hilfebedarf

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Betreuungsverein ist ständig auf der Suche nach Männern und Frauen, die ehrenamtlich eine Betreuung übernehmen

Von unserer Redakteurin Ulrike Bauer-Dörr
Geschäftsführerin Stefanie Loos (rechts) und Betreuerin Maike Krieger besprechen, was für eine im Heim lebende Betreute geregelt werden muss.Foto: Andreas Veigel
Geschäftsführerin Stefanie Loos (rechts) und Betreuerin Maike Krieger besprechen, was für eine im Heim lebende Betreute geregelt werden muss.Foto: Andreas Veigel

Als studierte Logistikfachfrau hat Maike Krieger beruflich viel mit Zahlen zu tun. "Ich wollte nebenher noch was Soziales machen, mehr mit Menschen zu tun haben", erklärt die 29-Jährige, wie sie zu ihrem Ehrenamt als Betreuerin kam.

Demente Heimbewohnerin Bei ihrer Google-Suche stieß sie auf den Heilbronner Betreuungsverein an der Allee 6 und bewarb sich. Inzwischen ist die junge Frau verantwortlich für eine Seniorin, die in einem Heilbronner Pflegeheim lebt, keine Familienangehörigen hat und an Demenz erkrankt ist.

Für sie regelt sie alles Finanzielle, führt das Girokonto, sorgt dafür, dass die Heimrechnung und andere anfallenden Kosten bezahlt werden. Auch für die Gesundheits- und Vermögenssorge und die Post der alten Frau ist sie verantwortlich. Sie besucht sie regelmäßig. Mindestens drei Stunden investiert sie dafür pro Woche, dafür gibt es eine Aufwandspauschale von 399 Euro im Jahr.

Betreuerin zu werden und Verantwortung für eine fremde Person zu übernehmen, sei für sie die richtige Entscheidung gewesen, sagt Maike Krieger. "Alles passt: menschlich, zeitlich, räumlich, inhaltlich − und man lernt selber viel dazu."

Krieger ist eine von 50 ehrenamtlich tätigen Betreuerinnen und Betreuern beim Betreuungsverein Heilbronn. Insgesamt kümmern sie sich um 150 Personen. Für ihre Arbeit werden sie regelmäßig und kostenlos geschult. Den Verein gibt es seit 20 Jahren. "Am Anfang teilten sich zwei hauptamtliche Betreuer ein kleines Büro", weiß die heutige Vereinsgeschäftsführerin Stefanie Loos. Zurzeit kümmern sich sechs hauptamtliche Vereinsmitarbeiter um die rechtlichen und persönlichen Angelegenheiten von rund 250 Betreuten in Stadt- und Landkreis Heilbronn. Dafür bekommt der Verein Geld: entweder vom Betreuten, wenn dieser vermögend ist oder vom Staat. Stadt- und Landkreis Heilbronn sowie das Land Baden-Württemberg finanzieren den Verein mit, dessen Dienste immer öfters nachgefragt werden. Denn oft stehen keine Familienangehörigen als Betreuer zur Verfügung. Dann müssen Betreuungsvereine oder Berufsbetreuer ran, vor allem bei sehr komplexen Fällen. Auch gibt es immer mehr jüngere Betreute, vor allem Suchtkranke.

Eine Betreuung wird gerichtlich angeordnet, wenn der Betroffene aufgrund einer körperlichen, psychischen oder geistigen Erkrankung nicht in der Lage ist, seine Angelegenheiten selber zu besorgen. Kontrolliert werden Betreuer von den Notariaten.

Der Betreuungsverein berät auch kostenlos zum Thema Vorsorgevollmacht, Betreuungs- und Patientenverfügung und zu Fragen des Betreuungsrechts: Telefon 07131 644898-0.

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