Unfallursache Mensch?

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Laut TÜV-Süd haben die in Deutschland zugelassenen Lkw nur wenig technische Mängel. Wie kann es dann immer wieder zu fatalen Unfällen kommen?

Von unserem Redakteur Steffen Heizereder
Stau auf der A 8 bei Stuttgart. Immer wieder kommt es auf den Autobahnen zu schweren Unfällen. Fahrassistenten könnten deren Anzahl verringern. Fotos: dpa
Stau auf der A 8 bei Stuttgart. Immer wieder kommt es auf den Autobahnen zu schweren Unfällen. Fahrassistenten könnten deren Anzahl verringern. Fotos: dpa

Auf der A 6 und der A 81 haben sich in den vergangenen Wochen drei schwere Unfälle ereignet. Es waren jeweils Lastwagen beteiligt. Doch die meisten in Deutschland zugelassenen Lkw sind in einem guten technischen Zustand. Das geht aus dem Mängelreport des TÜV-Süd hervor. Demnach weist bei den Lkw über 18 Tonnen nur jeder fünfte nach fünf Jahren erhebliche Mängel auf.

Nach Angaben von Helmut Wacker, Leiter der Verkehrspolizei Heilbronn, ist der Zustand der sicherheitsrelevanten Teile wie Bremsen, Reifen und Druckluftanlagen bei Lastwagen überwiegend gut. Technische Mängel seien nur selten der Grund für schwere Unfälle. "Die Spediteure können sich nicht leisten, dass ein Lkw liegenbleibt", sagt Dieter Roth vom TÜV-Süd. Die Hauptunfallursachen sind nach Polizeiangaben zu geringer Abstand, eine zu hohe Geschwindigkeit, schlecht gesicherte Ladung und unsicheres Überholen.

Abstandsregler

Fahrassistenten könnten die Zahl der Unfälle deutlich verringern, sagen Experten. Ein Abstandsregler mit einem Notbremssystem etwa bremst, sobald der Lkw zu nah auf seinen Vordermann auffährt, ein Spurassistent verhindert, dass der Lastwagen von der Straße abkommt. Martin Bulheller, Pressesprecher des Bundesverbands Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL), schätzt, dass dadurch rund ein Drittel der Unfälle vermieden werden könnten.

Wie viele Lastwagen bereits mit den Fahrassistenten ausgestattet sind, ist unklar. Die Zahl sei aber steigend, sagt Bulheller. Nachrüsten kann man Fahrassistenten jedoch nicht. Das stört die Elektronik, sagt Bulheller. Derzeit fahren noch viele ältere Lastwagen auf deutschen Autobahnen. 7,6 Jahre sind diese im Durchschnitt alt. Das geht aus Daten des Statistischen Bundesamtes hervor. Vor 20 Jahren waren die Lkw nur etwa 6,5 Jahre alt.

Bei Polizeikontrollen wird bei etwa 40 Prozent der Lkw-Fahrer etwas beanstandet, aber nur selten technische Mängel an ihrem Fahrzeug.
Bei Polizeikontrollen wird bei etwa 40 Prozent der Lkw-Fahrer etwas beanstandet, aber nur selten technische Mängel an ihrem Fahrzeug.

Spediteur Rolf Hamprecht aus dem Künzelsauer Teilort Kemmeten nutzt bereits seit Ende der 1990er Jahre technische Fahrhilfen. "Die Sicherheit der Fahrer steht an erster Stelle", sagt Hamprecht. Etwa 5000 Euro investiert der Unternehmer pro Lastwagen zusätzlich. Gut investiertes Geld. Fällt ein Fahrer wegen eines Unfalls wochenlang aus, sind die Lohnkosten höher als die Zusatzkosten für die technische Ausrüstung der Lastwagen. Technisch sind die Assistenzsysteme mittlerweile ausgereift. "Die Fahrer können aber alles noch manuell ausschalten", sagt Michael Hoyer, der den Fuhrpark der Spedition Schmidt aus Heilbronn leitet.

Kritik

Immer wieder geraten Lastwagenfahrer bei Unfällen in die Kritik. "Das schlechte Image wird von ein paar Fahrern verursacht. Der größte Teil macht seine Arbeit richtig", sagt Hoyer. "Ich glaube aber, dass der Schulungsstand in Osteuropa nicht dem in Deutschland entspricht." Dass viele Fahrzeuge aus dem Ausland auch technische Mängel haben, hat Rolf Hamprecht beobachtet. "Es gibt viele, die in einem schlechten Zustand sind."

Bei Kontrollen der Polizei sind Lastwagen, die außerhalb der EU zugelassen sind, besonders häufig aufgefallen. Insgesamt hatte die Polizei bei etwa 40 Prozent der Lastwagen etwas zu beanstanden. Aber nur bei einem Drittel der Fälle waren technische Mängel die Gründe hierfür. In den übrigen Fällen lag ein anderer Verstoß vor, zum Beispiel, dass die Fahrer ihre Ruhezeiten nicht beachtet haben.

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