Heilbronn

Theater Heilbronn: Das ist der Spielplan 2017/18

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Das Theater Heilbronn hat heute sein Programm für die kommende Spielzeit vorgestellt. Auf dem Programm stehen 27 Premieren, darunter zwei Uraufführungen und Gastspiele in den drei Spielstätten am Berliner Platz. Ein Schwerpunkt ist das Thema Lüge.

Von Andreas Sommer und Uwe Grosser

Was treibt unser Publikum um? Welche Themen könnten für es spannend sein? Welche gesellschaftlichen Diskurse beschäftigen das Land, die Welt? Das fragen sich Theatermacher vor jeder Spielzeit von neuem. Für ihre zehnte Saison am Berliner Platz sind Intendant Axel Vornam und sein Team im Umfeld von Populismus und Begriffen wie "fake news", "postfaktisch" und "alternative Fakten" fündig geworden. "Lüge als Prinzip" lautet das griffige Spielzeitmotto, das das Publikum mit dem Ruf "Gelobt sei der Zweifel!" von Bertolt Brecht gerne als Aufforderung zum Nachfragen verstehen darf.

Debatte über das, was Lüge ist

27 Premieren stehen in der kommenden Spielzeit auf dem Plan, Stücke, in denen es um Lügner, Betrüger, Heiratsschwindler, Hochstapler und andere Schurken geht. Das Motto geht auf das gleichnamige Buch des Soziologen, Philosophen und Rektors der Hochschule für Schauspielkunst "Ernst Busch" in Berlin, Wolfgang Engler, zurück. Er thematisiert das Thema "Aufrichtigkeit im Kapitalismus", in dem, so Vornam, "die Lüge als Geschäftsgrundlage" offensichtlich ist. Sie durchdringt alles − Politik, Wirtschaft, Sport, Privates. Die Debatte will der Intendant aber nicht nur auf rechten und linken Populismus lenken, sondern auch auf den neoliberalen.

Um die Frage, ob man gut sein und trotzdem überleben kann, kreist Bert Brechts "Der gute Mensch von Sezuan" zum Spielzeitauftakt im Großen Haus. Adewale Teodros Adebisi inszeniert den modernen Klassiker. Das 2009 in Stuttgart uraufgeführte Schauspiel "Fundament" von Jan Neumann handelt von einem Bombenanschlag auf einen Bahnhof und zeigt, wie ein solches Ereignis Sinnfragen, -suche und Sicherheitsgefühl binnen Sekunden über den Haufen werfen kann. Chefregisseurin Uta Koschel inszeniert.

Houellebecqs provokativer Roman als Theaterstück

"Pinocchio" von Carlo Collodi ist der Held des Weihnachtsmärchens. Mit seiner Nase, die beim Flunkern immer länger wird, ist er einer der populärsten Lügner der Weltliteratur. Die Regie übernimmt Jens Kerbel. Von Ray Cooney, dem britischen Großmeister der Boulevardkomödie, stammt "Taxi Taxi". Darin geht es um einen Taxifahrer mit zwei Ehefrauen, die nichts voneinander wissen. Uta Koschel führt Regie.

Ein Gedankenexperiment ist für Regisseur Axel Vornam Michael Houellebecqs Roman "Unterwerfung", aus dem er zusammen mit Chefdramaturg Andreas Frane eine Bühnenversion erarbeitet. Der Text, der Frankreich auf dem Weg zur Islamisierung sieht, enthält, so Vornam, "Potenzial an intellektueller Provokation". Um charmante Trickbetrüger an der Côte d’Azur geht es im Musical "Zwei hoffnungslos verdorbene Schurken" von David Yazbek und Jeffrey Lane, das Thomas Winter auf die Bühne des Großen Hauses bringt.

Historische Perspektive

Axel Vornam inszeniert auch Henrik Ibsens Klassiker "Ein Volksfeind", in dem gezeigt wird, wie verantwortungslose Politiker die Wahrheit auf dem Altar des wirtschaftlichen Profits opfern. Zustände, die sich bis heute nicht geändert haben, beleuchtet auch Molière in "Tartuffe", das Klaus Kusenberg inszeniert. Molières Held ist ein Populist und Manipulator reinsten Wassers.

Die Theaterbesucher, so der Wunsch des Intendanten, sollen immer jünger werden. In der Boxx, in der Kinder- und Jugendtheater geboten wird, gibt es in der kommenden Spielzeit erstmals ein Stück für Kinder ab zwei Jahren: "Klopf Klopf" heißt die Uraufführung, die von Boxx-Leiterin Bianca Sue Henne und ihrem Ensemble erarbeitet wird. Außerdem gibt es eine Kita-Boxx − eine Kiste, gefüllt mit theaterpädagogischem Material −, mit der sich die Theatermacher in die Kindergärten begeben.

Tanztheaterstück für Jugendliche

Und noch eine Uraufführung: "Running" ist ein Tanztheaterstück für Jugendliche von der international arbeitenden Choreographin Anna Konjetzky und der Texterin Christina Kettering. Es ist das Ergebnis des neuen Formats Future Boxx, bei dem Jugendliche ihre wichtigsten Themen nennen konnten. Siegerthema ist der Leistungsdruck. "Patricks Trick" von Kristo Sagor ist derzeit eines der meistgespielten Kinderstücke. Es geht um Inklusion, "ein ernstes Thema, das sehr witzig erzählt wird", sagt Bianca Sue Henne.

"Das kunstseidene Mädchen" von Irmgard Keun stand 2000/01 schon mal auf dem Spielplan. Es zeichnet das Bild einer lebenshungrigen jungen Frau. Für Henne ist diese Geschichte genauso zeitlos wie der Kinderbuchklassiker "Emil und die Detektive" von Erich Kästner, bei dessen Bühnenfassung sie selbst Regie führt. Abgeschlossen wird die Boxx-Saison mit George Orwells "Farm der Tiere", eine "bizarre und treffende Parabel auf Revolutionen und was darauf folgt", so Henne. Hier übernimmt Kalma Streun die Regie, die erstmals in Baden-Württemberg arbeitet.

 

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