TFA im Neckar: Sechs Fragen und Antworten

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Was hat es mit dem Trifluoracetat im Wasser auf sich, das bei Bad Wimpfen im Neckar festgestellt wurde? Behörden beziehen auf Stimme-Nachfrage Stellung.

Von Christian Gleichauf

Im Neckar unterhalb von Bad Wimpfen wurde Trifluoracetat nachgewiesen. Wie die Heilbronner Stimme berichtete, stammt der Stoff vermutlich vom Chemieunternehmen Solvay. Allerdings gab es Verwirrung über die Zusammenhänge: Anfangs war von einer möglichen Einleitung von Trifluoressigsäure die Rede. Gegen diese Darstellung wehrte sich Solvay, es gehe nur um TFA als Salz.

Die Stimme hat noch einmal bei den Behörden nachgefragt. Klare Antworten gab es kaum irgendwo, insbesondere bei der Einschätzung der möglichen Gefahren, die von dem Stoff ausgehen, tut man sich bisher noch schwer. Vom Umweltbundesamt, das die Auswirkungen auf Natur und Umwelt im Blick haben sollte, bekamen wir bis zum Abend keine Antwort auf unsere Anfrage. Beim Umweltministerium Baden-Württemberg und bei der LUBW sieht man sich ebenfalls noch nicht in der Lage, klare Aussagen zu treffen. Eine Aussage gab es immerhin vom Bundesinstitut für Risikobewertung.

Fragen und Antworten zum Thema:

 

Wie bedenklich ist Trifluoracetat?

„Hinsichtlich geringer Konzentrationen der gelösten Salze (Trifluoracetate) etwa im Trinkwasser liegen dem BfR keine Hinweise auf eine Gesundheitsgefahr für den Menschen vor“, erklärt das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR). Grundsätzlich ist TFA aber sehr stabil. So dürften Mensch und Tier den Stoff großteils einfach wieder ausscheiden. In der Natur wird er aber ebenso nur sehr langsam abgebaut.

Wo liegen die Grenzwerte?

Es gibt momentan keine, erklärt das Umweltministerium Baden-Württemberg. Sowohl bei der Einleitung der Stoffe über das Abwasser als auch im Trinkwasser. Allerdings gibt es einen „Maßnahmenwert“ von zehn Mikrogramm – also zehn Millionstel Gramm – pro Liter. „Bei darüber liegenden Werten müssen Maßnahmen zur Minderung ergriffen werden“, so die Stadtwerke Heidelberg. Im Trinkwasser wurde der Wert bislang nirgendwo erreicht.

War der Neckar bislang nicht mit TFA belastet?

Das ist nicht klar. Die Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Umwelt (LUBW) erklärt auf Nachfrage, dass 2008 landesweit an 200 Messstellen nach TFA gesucht, aber nichts gefunden wurde. Damals war die Technik noch nicht so weit, dass man geringe Konzentrationen nachweisen konnte. Grundsätzlich werden die Gewässer im Land regelmäßig auf mehrere Hundert Stoffe untersucht, jedoch nicht auf TFA. „Das Thema ist neu“, heißt es beim Umweltministerium. Noch sei man dabei, eine Strategie zu erarbeiten.

Wie sind die erhöhten Werte denn jetzt festgestellt worden?

Das Technologiezentrum Wasser in Karlsruhe ist im Rahmen eines Forschungsprojekts zufällig auf die erhöhten Konzentrationen gestoßen. Man nahm weitere Proben im Neckar. Im sogenannten Uferfiltrat bei Bad Wimpfen lagen die Werte plötzlich um ein Vielfaches höher als am Unterlauf des Neckars. Einzelne Proben erreichten offenbar bis zu 140 Mikrogramm pro Liter.

Wozu wird der Stoff verwendet?

Trifluoressigsäure kann als Abbauprodukt von Pflanzenschutzmitteln vorkommen. Es wird in der chemischen Industrie aber auch als Lösungsmittel für Proteine oder für Wärmetauscher in Klimaanlagen verwendet.

Könnte Trifluoracetat künftig wieder in den Neckar geleitet werden?

Wenn das Land oder der Bund gesetzliche Änderungen nicht für notwendig hält, wäre die Einleitung von TFA wieder möglich.

 

 

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