Umzug in Bad Wimpfen: Narren feiern im Sonnenschein
64. Auflage des Faschingsumzugs in der Stauferstadt − Besucher genießen bunte Kulisse
Hexen tanzen zu aktueller Chartmusik, und eine Horde Kängurus hält ein Schwätzchen mit den Liebesengeln von nebenan. Eine halbe Stunde, bevor sich der 64. Faschingsumzug in Bad Wimpfen in Bewegung setzt, herrscht bei den meisten Narren auf dem Talmarktgelände noch keine Aufbruchsstimmung.
Kein Wunder, denn bis die letzten der 150 Gruppen sich auf den Weg in Richtung Altstadt machen können, vergeht noch viel Zeit. Strahlender Sonnenschein und Temperaturen über zehn Grad sorgen dafür, dass sich die Wartezeit im Freien angenehm gestaltet.
"Wir sind in diesem Jahr eigentlich überall nass geworden", berichtet Bianca Reiter von der ersten Wimpfener Besen-Hexen-Zunft, die seit 1997 bei jedem Umzug in der Stauferstadt mit dabei war. Allerdings seien die Hexen für Wimpfen extra mit dem Besen in den Himmel geflogen und hätten eigenhändig für gutes Wetter gesorgt, scherzt sie.
Nebenan bereiten sich die Taubertalhexen aus Lauda-Königshofen auf den Aufbruch vor. "Wir werden die Wimpfener ein bisschen erschrecken", erzählt Olli Kriegler. Zudem müssen sich die Umzugsgäste in den Straßen auf eine unsanfte Fahrt auf dem Hexenwagen, eine Art Schubkarren, der von einer Hexe gerüttelt und geschüttelt wird, gefasst machen.
Dinosaurier Als es um 14.11 Uhr los geht, werden die Narren bereits beim Verlassen des Talmarktgeländes von hunderten Menschen begrüßt. Auf dem Elferratswagen der Wimpfener Faschingsgesellschaft (WFG) genießt Gunther Werner die Atmosphäre.
Dinosaurier
Er wirft Popcorn und Süßigkeiten aus dem Wagen, während ihm die Kinder entlang der Straße ein fröhliches "Helau" entgegen rufen und ihn zum Lächeln bringen. Der 75-Jährige ist ein Urgestein der WFG, oder wie er es selbst nennt "der Dinosaurier hier".
Seit über 50 Jahren ist er dabei, ist aber 22 Jahre lang nicht mehr auf einem Wagen mitgefahren. "Ich war immer oben auf dem Berg und habe die Gruppen angesagt und konnte deshalb nicht auf dem Wagen stehen", sagt Werner. Umso mehr freut er sich darüber, in diesem Jahr nun endlich wieder einmal dabei sein zu können. "Das Wetter spielt mit, und die vielen Menschen jubeln und sind fröhlich. Es ist einfach ein tolles Gefühl."
Volle Taschen Während unten im Tal immer noch eine Gruppe nach der anderen startet, packt Michael Wagner aus Heilbronn bereits zusammen. "Nein, ich gehe noch nicht, aber meine Taschen sind voll", sagt der junge Mann im Löwenkostüm, der sich oben an der Abzweigung zur Altstadt ein offenbar lohnendes Plätzchen gesucht hat. Ob ihm nicht warm ist in seinem Fell? "Es geht, aber ein bisschen frostiger dürfte es schon sein."
Jannine Kachel aus Gemmingen, die mit ihrer Mutter und Tochter zum Umzug gekommen ist, wippt im Rhythmus der Musik, die der Fanfarenzug aus der Limesstadt Osterburken in römischen Kostümen zum Besten gibt. "Ich bin schon das dritte oder vierte Mal hier beim Umzug und komme gerne her. Außerdem laufen Kolleginnen von mir bei den Horkheimern mit."


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