Der Name Beilharz bleibt
Hans Peter und Eva Albrecht verabschieden sich nach 43 Jahren von ihrem Uhren- und Schmuckgeschäft.

Über Nacht wurde die Fleiner Straße 1951 allerbeste Lage in Heilbronn mit der Eröffnung von Merkur, dem früheren Kaufhaus Horten. Bis vor dem Krieg war die Kaiserstraße die 1-A-Lage, und viele hatten erwartet, dass Helmut Beilharz mit seinem Uhrmachergeschäft in der Fleiner Straße nicht bestehen könnte. 1949 hat der Vater von Eva Albrecht als einer der ersten in der Innenstadt gebaut.
"Das war ein mutiger Schritt", sagen Eva und Hans Peter Albrecht zu den Anfängen ihres Uhren- und Schmuckladens, aus dem sie sich nach 43 Jahren in den Ruhestand verabschieden. Dass sich die Situation in der Fleiner Straße damals umkehrte und die Kunden strömten, war Glück. Und das braucht man als Einzelhändler, um Erfolg zu haben. Aber mindestens genauso wichtig ist Geschick und die Gabe, die richtigen Entscheidungen zu treffen.
Investiert
Firmengründer Helmut Beilharz hatte es vorgemacht, dass Stillstand im Handel zu nichts führt: "Er hat alle zehn Jahre umgebaut und alles Geld ins Geschäft gesteckt." Bald konnte er erweitern, die Hälfte der Fläche war erst an einen Schokoladenhändler vermietet.
Für Schwiegersohn Hans Peter Albrecht stand Uhrmacher nicht auf der Berufswunschliste − der Heilbronner stammt aus einer Familie von Lehrern und Pfarrern, hatte ein Germanistik- und Sportstudium begonnen, um Sportreporter zu werden. Doch dann entschied er sich 1967 für eine Lehre: "Wenn wir das Geschäft weiterführen sollten, war das für mich die Voraussetzung." Er habe vermeiden wollen, dass man in der Werkstatt "Hugoles mit mir macht". Eva Albrecht absolvierte eine Lehre im Schmuckwarengroßhandel. Das junge Paar ging zunächst nach München in eine große Firma, "zur Horizonterweiterung".

Der Ruf aus Heilbronn kam, als die Uhrenbranche Anfang der 70er Jahre vom Boom der Quarzuhren überrollt wurde: "Die Schweizer Uhrenindustrie lag am Boden, japanische Firmen wie Seiko und Citizen wurden Weltmarkführer", erinnert sich Albrecht. Als Händler musste man sich dem Trend anpassen.
Früh haben die Albrechts Kundenevents veranstaltet, wie Schmuckmodenschauen in der Harmonie. Albrecht hat ab 1975 Golfturniere organisiert, als wichtiges Kundenbindungsinstrument, aber auch, um Kontakte zu Herstellern der gehobenen Klasse zu pflegen. Zuletzt gehörte Rolex zu seinen bedeutendsten Marken.
Philosophie
Zehn Jahre lang betrieben die Albrechts eine Filiale im Breuningerland, um sich dann wieder auf das Stammgeschäft in Heilbronn zu konzentrieren. Ein Filialnetz passte nicht zu ihrer Philosophie: "Wir haben unseren Laden sehr persönlich geführt, das war die Basis unseres Erfolgs." Dreieinhalb Jahre haben sie nach einem Nachfolger gesucht, der die 17 Mitarbeiter und das Warenlager übernimmt: "Das brachte manche schlaflose Nächte."
Seit 1. Juli sind sie nur noch unterstützend im Laden − der Name bleibt − und können sich langsam auf den Ruhestand freuen: "Wir haben kulturell viel nachzuholen." Hans Peter Albrecht will wieder öfter Golf spielen, Eva Albrecht könnte sich vorstellen, an ihr früheres Ehrenamt anzuknüpfen. 18 Jahre lang war sie Kirchengemeinderätin.
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