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Sinsheim

Rocky-Darsteller kommt sogar im Anzug in die Sauna

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Von wegen ruhiger Aufguss: Bei Weltmeisterschaft steht Show im Vordergrund.

Von unserem Redakteur Simon Gajer
Farid Atai zeigt einen Rocky-Aufguss: Bei der Weltmeisterschaft in der Sinsheimer Badewelt zählt die Show, der Afghane wurde Zweiter.Foto: Simon Gajer
Farid Atai zeigt einen Rocky-Aufguss: Bei der Weltmeisterschaft in der Sinsheimer Badewelt zählt die Show, der Afghane wurde Zweiter.Foto: Simon Gajer

Die Aufgüsse dieser Weltmeisterschaft sind nicht mit den besinnlichen Zeremonien in einer Sauna zu vergleichen. Das wird in der Sinsheimer Badewelt deutlich. Die Gäste jubeln vor Beginn und werden per Mikrofon in Stimmung gebracht, es gibt Applaus danach. Und Ventilatoren der Feuerwehr sorgen dafür, dass die, die in den Finals der Einzel- und Mannschaftswertung antreten, dieselben Startbedingungen haben. Das Gebläse kühlt die Koi-Sauna zwischen den Aufgüssen schnell herunter.

Die Teilnehmer legen viel Herzblut in ihre Aufgüsse, die in Kategorien wie "Hitzesteigerung in der Kabine", "Verschiedene Wedeltechniken" oder "Richtiger Einsatz der Düfte" bewertet werden. Mancher feilte monatelang an seinen Requisiten und schraubt die Einzelteile mit der Bohrmaschine vor Ort zusammen. In Sinsheim kommen riesige Kellen zum Einsatz, ein Bühnenbild mit der benachbarten Burg Steinsberg wird in der Sauna aufgebaut.

Wasserausgleich

Und sie heizen in sauna-untypischer Kleidung den Besuchern ein. Farid Atai beispielsweise setzt den legendären Box-Film Rocky um, kommt erst im Jogginanzug, wechselt in einen schwarzen Anzug und zum Finale in die Kämpferhose. Umrahmt werden seine dreizehneinhalb Minuten mit der passenden Musik und faszinierenden Lichteffekten. Das strengt an, der Schweiß rinnt in Strömen. Er trank davor, leert danach eine weitere Flasche. "Ich brauche Mineralien." Das Rocky-Thema liegt ihm. Er boxt, kennt die Filme seit Jahren und schätzt das Grundthema: "Das Leben ist nicht einfach."

Es heißt Weltmeisterschaft, doch die Teilnehmer fühlen sich als Familie und geben sich gegenseitig Tipps. Benoit de Bock ist Teil des belgischen Trios Children of the Sun, das über die Vorrunden in der vergangenen Woche ins Finale am Samstag gekommen ist. Er schätzt beide Arten des Aufgusses. Der Klassische habe etwas Meditatives, bei der Show kommen Elemente wie Musik und Licht hinzu. Wichtig: "Du musst das Thema zu den Leuten rüberbringen."

Marketing

Für Sinsheim ist die WM ein Gewinn. Die Sauna am Finaltag sei seit vier Wochen ausverkauft gewesen, sagt Marketing-Leiterin Petra Semik. "Unser Parkplatz ist international." Auch René Kowatsch, Geschäftsführer vom brandenburgischen Satama-Saunapark, wird die WM nutzen. Von seinem Betrieb kamen fünf Mitarbeiter ins Finale. "Damit gehen wir ins Marketing."

Einzel-Weltmeister wurde der Vorjahresbeste Rob Keijzer aus den Niederlanden, Farid Atai aus Afghanistan kam auf Platz zwei. Auf den ersten Platz im Teamwettbewerb kamen Sabine Quäschning und Janina Lindner aus Deutschland.

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