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Heilbronn

Rettet die Waldschänke

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Schulprojekt, Waldkindergarten, Festadresse: Für das ausrangierte Ausflugslokal im Köpfertal gibt es neue Ideen.

Von unserem Redakteur Helmut Buchholz
Stillgelegtes Kleinod: Die Waldschänke im Heilbronner Köpfertal steht schon seit 2012 leer. Biergarten und Gasthaus, früher ein beliebtes Ziel für Ausflüge ins Grüne, verfallen zusehends. Doch nun soll die Schänke wiederbelebt werden. Fotos: Mario Berger
Stillgelegtes Kleinod: Die Waldschänke im Heilbronner Köpfertal steht schon seit 2012 leer. Biergarten und Gasthaus, früher ein beliebtes Ziel für Ausflüge ins Grüne, verfallen zusehends. Doch nun soll die Schänke wiederbelebt werden. Fotos: Mario Berger

Das Eisentor ist verrammelt. Zwischen den Holzbänken auf der Terrasse wuchert Unkraut. Von der Gebäudewand blättert die Farbe ab. Die Waldschänke im Köpfertal war mal ein beliebtes Ausflugslokal, eine Sommerfrische für kleine Fluchten aus der großen Stadt. Doch heute gibt sie ein Bild des Zerfalls ab. Eine Ruine, die die Stadtverwaltung als Eigentümerin schon aufgegeben hatte und abreißen wollte, weil die Sanierungskosten des maroden Gemäuers zu hoch sind. Doch fast wie im Märchen tauchen jetzt mitten im Wald plötzlich mehrere Prinzen auf, die Dornröschen aus seinem tiefen Schlaf wachküssen möchten.

Ideales Paar

Prinz Nummer eins trägt den Namen Gustav-Werner-Schule. "Wir hätten gern, dass die Waldschänke öffentlich nutzbar bleibt", sagt Schulleiterin Kerstin Thiele. Die berufliche Schule wäre ein idealer Rettungstrupp für das abgewirtschaftete Lokal. "Denn wir sind eine Produktionsschule mit fachpraktischem Unterricht." Die von der diakonischen Jugendhilfe getragene Bildungseinrichtung hat schon einige Erfahrung in anderen Projekten gesammelt. Außerdem soll die Abteilung Bautechnik der Schule neu aufgestellt werden. Zudem sind einige Lehrer Fans der Waldschänke. Bei Waldspaziergängen, die zum Unterricht gehören, fiel die verwahrloste Adresse Schülern und Lehrern ins Auge. "So entstand die Idee, mit den Schülern die Gaststätte zu sanieren und nachher zu nutzen". Die Werner-Schüler und die Waldschänke würden ein ideales Paar ergeben. Denn auch die Biografien der Berufsschüler haben oft einen Knick, sind teilweise vom Jugendamt zugewiesene Problemfälle. Schulleiterin Kerstin Thiele nennt sie "verhaltenskreativ". Eine gute Eigenschaft, um die Ärmel hochzukrempeln und anzupacken.

Retter in der Not: Schüler der Gustav-Werner-Schule wollen das Mammutprojekt stemmen (links Schulleiterin Kerstin Thiele, rechts Bautechnikleiter Olaf Frank).
Retter in der Not: Schüler der Gustav-Werner-Schule wollen das Mammutprojekt stemmen (links Schulleiterin Kerstin Thiele, rechts Bautechnikleiter Olaf Frank).

Doch was kommt nach der Sanierung? Die Schulchefin macht klar, dass man sich von der Gastronomie, wie es sie früher in der Schänke gab, verabschieden müsse. "Die Sanierungskosten für die Küche sind zu hoch." Zuerst dachten Kerstin Thiele und ihr Team über ein Heuhotel oder Schullandheim nach. Das würde aber von der Stadtverwaltung nicht genehmigt. Nach einem Vor-Ort-Termin mit Vertretern des Rathauses ist nun eine Art grünes Klassenzimmer für Heilbronner Schulen und Kindergarten Favorit − um Wald und Natur erlebbar zu machen. Wie wichtig dies generell ist, zeigt ein Erlebnis bei einem Unterrichtsspaziergang im Wald. Thiele: "Da haben Schüler vor einem Eichhörnchen Angst bekommen, weil sie das Tier nicht kannten." Auch soll die Schänke für Geburtstage und andere Feiern buchbar sein.

Die Schule würde zudem gerne das Projekt zu einem von Heilbronnern für Heilbronner machen. Weitere Mitstreiter sind willkommen. Kerstin Thiele schwebt eine Vereinsgründung vor und ein Auftaktfest in der Waldschänke, um noch mehr Retter zu gewinnen.

Prinz Nummer zwei heißt Nordstadt-Kindertagesstätte. Deren Geschäftsführerin Andrea Lässing, die die Kita führt, würde gerne in der Schänke eine Waldkindergartengruppe einrichten − am liebsten schon zum nächsten Kiga-Jahr im August/September. "Als Ergänzung zu unserem pädagogischen Angebot in der Kita." Ob das klappt, ist unklar. Eine Hürde sind die Genehmigungsbehörden, die zweite sind die Kosten. "Ich habe zwar einen Förderverein, der mich finanziell unterstützt", sagt Andrea Lässing. Allerdings würde ein Bauwagen, mit dem sie den Waldkindergartenbetrieb beginnen könnte, schon 15 000 bis 20 000 Euro kosten.

Einzigartig

Prinz Nummer drei heißt Alexander Throm. Dem Heilbronner CDU-Fraktionschef im Gemeinderat und Landtagsabgeordneten liegt die Waldschänke besonders am Herzen. Er wollte schon vor eineinhalb Jahren Dornröschen wachküssen und einen Verein gründen. Doch durch den erheblichen Sanierungsaufwand klappte das nicht ganz. Immerhin sei durch seine Intervention im vergangenen Jahr verhindert worden, dass die Waldschänke abgerissen wird.

Die Idee der Gustav-Werner-Schule und die Rettung des Lokals unterstützt Throm: "Die Waldschänke ist eine einzigartige Adresse mit langer Tradition." Sie soll nicht untergehen.

 
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