Mergel-Kritiker rudern zurück
Alexander Throm und Nico Weinmann schwächen harsche Reaktionen auf OB-Kandidatur ab

Dass er sich rechtfertigen musste, das zumindest gibt Nico Weinmann zu. Beim Weinleseauftakt am Wartberg wollten am Wochenende nicht wenige vom Vorsitzenden des FDP-Stadtverbandes Heilbronn wissen, warum er so harsch auf die Kandidatur von Sozialbürgermeister Harry Mergel (SPD) reagiert habe. Nico Weinmann hatte am Freitag erklärt, dass Heilbronn eine "starke und verlässliche Persönlichkeit als Stadtoberhaupt" brauche − und hinzugefügt "Harry Mergel erfüllt diese Kriterien nicht" (wir berichteten).
Wahlkampf "In einem Satz kommt das etwas undifferenziert rüber", räumt Weinmann wenige Tage später ein. Und fügt hinzu: "Wir haben großes Interesse daran, dass es ein fairer und sachlicher Wahlkampf werden soll." Quasi als Bestätigung ergänzt er: "Ich schätze Harry Mergel persönlich und finde, dass er als Sozialbürgermeister eine gute Arbeit leistet." Eine ideale Persönlichkeit für einen "starken OB" aber sei Mergel nicht. "Er ist vielleicht ein bisschen zu nett für harte Verhandlungen", sagt Weinmann.
Offensichtlich waren nicht alle FDP-Mitglieder mit Weinmanns erster Stellungnahme einverstanden. FDP-Kreisvorsitzender Richard Drautz jedenfalls will mit seinem Parteifreund heute bei einer Vorstandssitzung "intensiv reden". Drautz selbst beschreibt seine Haltung zu Harry Mergel so: "Wir verstehen uns hervorragend." Inzwischen scheint sich auch bei ihm die Sprachregelung durchgesetzt zu haben: "Er macht als Kulturbürgermeister einen sehr guten Job, da ist er die Idealbesetzung." Von früheren Überlegungen einzelner Liberaler, Mergel womöglich sogar zu unterstützen, will heute keiner mehr etwas wissen.
"Ich will klarstellen, dass die Aussage nicht bezogen war auf den Menschen Mergel, sondern bezogen war auf die Wahl 1999, mit der Bedeutung, dass es jetzt die zweite Wahl ist", rudert Alexander Throm zurück. Der Heilbronner CDU-Vorsitzende und Landtagsabgeordnete hatte am Freitag kurz nach der Bekanntgabe von Mergels Kandidatur schriftlich dieses Zitat verbreiten lassen: "Harry Mergel war bereits bei der OB-Wahl 1999 zweite Wahl. Heilbronn aber ist zu schade für einen Kandidaten zweiter Wahl." Gestern nun sagte er gegenüber der Heilbronner Stimme: "Sollte das falsch verstanden worden sein, tut es mir leid." Darüber hinaus wollte er nichts sagen. Auf die Frage, ob es zu Kritik an seinen Äußerungen gekommen sei, berichtet er, er habe lediglich einen Brief erhalten.
Ist Alexander Throm bei seiner ersten Reaktion übers Ziel hinausgeschossen? "Ich hoffe, dass der Wahlkampf in sehr fairer und respektvoller Weise geführt wird", gibt Professor Joachim Cyran eine diplomatische Antwort. Der frühere Chefarzt und heutige CDU-Stadtrat lobt, dass Harry Mergel "in seiner jetzigen Tätigkeit gute Arbeit geleistet hat, insbesondere in seiner Schulpolitik".
Unterstützer "Ich unterstütze ihn" erklärt offen der Heilbronner Unternehmer Klaus Kölle, seit Jahren CDU-Mitglied. "Die OB-Wahl ist eine Persönlichkeitswahl", ist sein Credo. Er hat in der Vergangenheit Johanna Lichy (CDU) ebenso unterstützt wie Erhard Klotz (SPD). Mergel hält er für bürgernah, hat ihn bei der Neuordnung des Württembergischen Kammerorchesters kennen- und schätzen gelernt, lobt, dass mit Mergel "vieles vorangekommen ist, was Heilbronn gut tut", die Experimenta, die Kunsthalle. Er setzt darauf, "dass die Herausforderung Buga bei ihm in besten Händen ist, schließlich hat er alles miterlebt und kennt die Probleme".
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