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Schwäbisch Hall/Neckarsulm

Lockruf für spanische Ingenieure

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Wie kann es gelingen, arbeitslose spanische Ingenieure und Fachkräfte in die Region zu locken – und dort auch zu halten? In Schwäbisch Hall sucht man nach Lösungen.

Von unserem Redakteur Jürgen Paul

Der Präsident des spanischen Ingenieurverbands Cogiti, José Antonio Galdón (Dritter von links), tauschte sich bei Audi mit jungen Spaniern aus.
Der Präsident des spanischen Ingenieurverbands Cogiti, José Antonio Galdón (Dritter von links), tauschte sich bei Audi mit jungen Spaniern aus.  Foto: Foto: Jürgen Paul

Wie kann es gelingen, arbeitslose spanische Ingenieure und Fachkräfte in die Region zu locken − und dort auch zu halten? Antworten wollen der Schwäbisch Haller Personaldienstleister Bera und der spanische Ingenieursverband Cogiti geben. Bei einem mehrtägigen Besuch einer Cogiti-Delegation in der Region wurden einige Weichen zur Fachkräftevermittlung gestellt.

Dass der Bedarf nicht nur auf deutscher Seite da ist, wo Unternehmen händeringend nach Ingenieuren suchen, stellte Cogiti-Präsident José Antonio Galdón gestern beim Besuchs im Neckarsulmer Audi-Werk klar. "97 Prozent der vielen tausend arbeitslosen Ingenieure wollen raus aus Spanien", sagte Galdón. Und die meisten wollten nach Deutschland, das international einen hervorragenden Ruf habe.

Betreuung

Galdón weiß jedoch wie Bera-Chef Bernd Rath, dass es nicht damit getan ist, die Leute einfach nach Deutschland zu schicken. "Viele Ingenieure kommen hierher und werden alleine gelassen", sagt er. Daher sei umfassende Betreuung notwendig, wenn die Vermittlung erfolgreich und nachhaltig sein soll. Der spanische Ingenieursverband hat deshalb jetzt einen Stützpunkt in den Bera-Räumen in Schwäbisch Hall eröffnet, der als Kontaktstelle für spanische Ingenieure und Fachkräfte in Deutschland und deutsche Fachkräfte, die es nach Spanien zieht, dienen soll. "Das ist einzigartig in Europa", freut sich Rath über die Kooperation mit Cogiti.

Zum ganzheitlichen Ansatz, den die Partner verfolgen, gehört die passgenaue Vermittlung der Bewerber. Die jungen Ingenieure werden in einem neuartigen Verfahren vor der Vermittlung zertifiziert. Damit soll sichergestellt werden, dass die fachliche, sprachliche und soziale Kompetenz der Bewerber zum Anforderungsprofil der suchenden Unternehmen passt. Der Sprache kommt hierbei eine entscheidende Rolle zu, denn sie stellt für viele abwanderungswillige Spanier nach wie vor die größte Hürde dar, wie die Cogiti-Vertreter bestätigten.

Audi

Wie Vermittlung gelingen kann, erfuhr die spanische Delegation bei Audi. Der Autobauer hat im Rahmen des Projekts Start-Up Europe Spain mit Seat 41 Jungingenieure für bis zu 21 Monate nach Deutschland geholt, acht von ihnen nach Neckarsulm. Bei den Bewerbern spielen neben einem guten Abschluss die Deutschkenntnisse, der Wille zu Internationalität und die soziale Kompetenz eine Rolle. Die Nachfrage nach dem Programm, an dessen Ende die Übernahme der Teilnehmer stehen soll, ist so groß, dass es auf Italien ausgedehnt werden soll, sagte Marcus Bingenheimer von der Audi-Personalabteilung.

Rath und Galdón sahen ihre Pläne durch den Besuch bei Audi bestätigt. "Was Sie hier im Kleinen machen, versuchen wir im Großen", sagte Rath, der gespannt ist, wie die Vermittlung laufen wird. "Es ist Neuland, wir warten ab, was passiert."

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