Kurze Hose im Büro?
Der Dresscode an heißen Sommertagen ist umstritten. Auch in unserer Redaktion herrscht Uneinigkeit. Was meinen Sie?
Pro von unserem Redakteur Sascha Sprenger

Wenn sich im Sommer gegen Nachmittag im Büro unter dem Wellblechdach das Thermometer über die 30-Grad-Marke bewegt und die Klimaanlage, falls überhaupt vorhanden, mit akutem Burnout die Arbeit verweigert, sind wir für jede Erleichterung dankbar. Aber das ist gerade für Männer nicht so leicht, wie es vielleicht klingt.
Frauen haben kurze Röcke, luftige Kleider und die unausgesprochene Erlaubnis, diese so oft wie möglich zu tragen. Männer haben lange Hosen, Hemd, Krawatte, Sakko und ständig das Gefühl, im eigenen Saft zu schmoren. Außerdem riechen sie dann auch so. Das soll nicht nach Jammerei klingen, aber: Ist das wirklich fair?
Im Zuge der Emanzipation sollte es also auch Männern erlaubt sein, kurz zu tragen. Und dabei reden wir natürlich nicht von der Karo-Hose, die so aussieht, als hätte sie Onkel Edwin in den 70er Jahren bei der Gartenarbeit angehabt, dazu am besten noch Sandalen und kniehohe Tennissocken. Nein, kurze Hosen für Männer gibt es auch in erträglich. Natürlich ist wirkliche Ästhetik etwas anderes, aber das könnte man guten Gewissens auch für Leggins behaupten, die in manchen Fällen die Assoziation zu einer Wurst in der Pelle aufkommen lassen.
Wichtig ist am Ende doch, dass die Arbeit gemacht wird. Das geht definitiv besser, wenn einem der Schweiß nicht aus jedem Knopfloch läuft. Und wenn es mal zu schlimm wird: Auch wegschauen ist erlaubt.
Contra von unserem Redakteur Jens Dierolf

Man darf es ja nicht einmal laut sagen, sonst bekommt man schon etwas zu hören. Dabei sind kurze Hosen im Büro einfach nur grässlich. Jeans am besten, ausgefranst, kurz über den Knien abgeschnitten. Oder warum nicht bunte Bermudahosen oder Hotpants für den Mann. Und die Damen gleich bauchfrei. Das Arschgeweih lugt keck unter der Bürostuhllehne hervor. Beachlook im Büro. Hey, wo ist denn dein Problem, du Spießer, hört man die Kollegen schon klagen, wenn man sich nur mal räuspert. Ist ja schließlich so verdammt heiß draußen. Und wir haben ja auch keinen Kundenkontakt, dann stört es doch auch niemanden.
Doch es stört, es nervt, und es sieht fast immer grauenvoll aus. Die behaarte Männerwade geht gar nicht. Und ein nacktes Knie? Nie! Ich bin ja inzwischen schon bereit, so einiges zu ertragen. Kurze Hemden zum Beispiel, wenn nicht gerade das Brusthaar zwischen dem bis zu den Brustnippeln aufgeknöpften Shirt herausquillt.
Man muss ja nicht den Winteranzug bei 32 Grad im Schatten herausholen, auch ein Jackett ist überflüssig, und Krawatten haben ihren Stellenwert in der Kleiderordnung sowieso völlig zu Recht eingebüßt.
Wer hitzeempfindlich ist, findet Alternativen. Leinenhosen, leichte Baumwollhemden, Polo-Shirts von mir aus. Auch mit Stoffschuhen kann man durch den Sommer kommen. Aber bei kurzen Hosen hört der Spaß im Büro endgültig auf.
Was meinen Sie?
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