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Kurdenprotest eskaliert

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Ausschreitungen auf dem Kiliansplatz nach friedlichem Protestzug durch die Innenstadt − 14 leicht verletzte Polizisten

Von unserem Redakteur Manfred Stockburger
Polizeireiter wurden auf dem Kiliansplatz zur Festnahme einiger Demonstranten eingesetzt.Foto: Stockburger
Polizeireiter wurden auf dem Kiliansplatz zur Festnahme einiger Demonstranten eingesetzt.Foto: Stockburger

14 leicht verletzte Beamte lautet die Bilanz eines Großeinsatzes der Polizei bei einer Kurden-Demonstration gegen die Unterdrückungen ihrer Landsleute in der Türkei. Am Ende der Abschlusskundgebung zündeten Teilnehmer der Demonstration direkt bei vier Polizeipferden zwei Böller und sprühten Pfefferspray. Schon zuvor waren zwei Pyrotechnik-Fackeln abgebrannt worden. Zu dem Tumult kam es, als im Fenster des Drogeriemarkts eine Fahne der verbotenen Kurdenpartei PKK gezeigt wurde.

Veranstalter distanziert sich Damit nahm die ansonsten weitgehend friedlich verlaufende Demonstration, zu der das Kurdische Gemeinschaftszentrum Heilbronn aufgerufen hatte, ein unrühmliches Ende. Vereinschef Orhan Ates bedauerte, dass es am Ende der Veranstaltung zu der Eskalation kam und distanzierte sich im Namen des Vereins ausdrücklich von den Krawallmachern: "Solche Provokateure brauchen wir nicht bei unseren Veranstaltungen. Solche Leute gehören nicht zu uns. Wir verurteilen das aufs Schärfste", sagte Ates der Heilbronner Stimme. "Wir hatten keinen Einfluss darauf. Das ist ohne unseren Willen passiert", betonte er und entschuldigte sich bei der Heilbronner Bevölkerung für die Unannehmlichkeiten, die durch den Polizeieinsatz entstanden sind.

Mehr als 200 Beamte, darunter Reiter, Hundeführer und Bundespolizisten, waren unter der Leitung von Thomas Nürnberger im Einsatz. Eine Spezialeinheit des Heilbronner Präsidiums nahm mithilfe der berittenen Kollegen fünf der mutmaßlichen Anstifter und Beteiligten der Krawalle fest, sie wurden im Anschluss wieder auf freien Fuß gesetzt. Gegen sie sollen Ermittlungsverfahren wegen verschiedener Verstöße eingeleitet werden.

Begonnen hatte der Demonstrationszug mit einer Kundgebung am Bahnhof, bei dem verschiedene Redner auf Deutsch die Repressalien der türkischen Regierung gegen die kurdische Minderheit verurteilten. Am Demonstrationszug beteiligten sich laut Polizei knapp 400 Männer, Frauen und Kinder, die Veranstalter sprachen von etwa 600. Die Teilnehmer forderten lautstark, dass die Massaker an ihren Landsleuten in der Türkei gestoppt werden müssen, verlangten die Freilassung des politischen Führers Abdullah Öcalans und skandierten "Kindermörder Erdogan". An Passanten verteilten sie Flugblätter, um ihre Anliegen zu erklären.

Schon zu Beginn hatten einige junge Kurden verbotene Parolen skandiert und verbotene Fahnen gezeigt. Mehrmals wurde der Demonstrationszug deswegen angehalten. Etwa 50 der rund 80 Personen in dieser Gruppe seien aus dem Stuttgarter Raum nach Heilbronn angereist, so die Polizei, die Heilbronner Versammlungsleiterin versuchte, die Situation zu schlichten. Bis kurz vor dem Ende der Abschlusskundgebung war die junge Frau mit ihren Schlichtungsversuchen erfolgreich.

Doch als der erste Böller gezündet war, geriet die Rede von Orhan Ates, der die türkische Regierung wegen ihrer "Repressionspolitik gegenüber den Kurden" anprangerte, in den Hintergrund. Sein Anliegen, auf die "brutalste Gewalt" hinzuweisen, mit der die Türkei kurdische Städte belagert, wurde zur Nebensache. Er erklärte die Veranstaltung kurzerhand für beendet.

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Beim Protestmarsch vom Bahnhof über Kaiserstraße und Allee zum Kiliansplatz gab es kaum Probleme.Foto: Andreas Veigel
Beim Protestmarsch vom Bahnhof über Kaiserstraße und Allee zum Kiliansplatz gab es kaum Probleme.Foto: Andreas Veigel
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