Knorr macht die Küche kalt

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Unilever-Konzern zentralisiert Entwicklung in Holland − 220 hochqualifizierte Arbeitsplätze fallen weg.

Von unserem Redakteur Manfred Stockburger
Vor drei Jahren, beim Fest zum 175. Geburtstag des Unternehmens, war die Welt in der Heilbronner Versuchsküche noch in Ordnung.Foto: Archiv/Mugler
Vor drei Jahren, beim Fest zum 175. Geburtstag des Unternehmens, war die Welt in der Heilbronner Versuchsküche noch in Ordnung.Foto: Archiv/Mugler

Schwere Kost für die Heilbronner Knorr-Köche: Bei einer Mitarbeiterversammlung hat das Unternehmen am Donnerstagmittag angekündigt, dass der Weltkonzern seine Forschung und Entwicklung im holländischen Wageningen bündeln möchte.

Bis spätestens April 2019 sollen deswegen sämtliche Forschungsaktivitäten in Heilbronn, am Heimatstandort der Marke, eingestellt werden. Etwa 220 Mitarbeiter sind betroffen, ebenfalls ihre Koffer packen müssen Beschäftigte aus Vlaardingen (Holland) und dem polnischen Posen.

Die unternehmerische Logik hinter dem Schritt ist, dass alle Entwickler des Unternehmens an einem Standort gebündelt werden. Dadurch soll eine "kritische Masse an Expertise" geschaffen werden, wie es in einer Konzernmitteilung heißt. Ein "Innovationsökosystem" solle auf diese Weise entstehen.

"Das Innovationsklima der Agri-Food-Branche ist in den Niederlanden sehr stark", erklärt Unilever-Europachef Jan Zijderveld die Entscheidung für den neuen Standort. Amanda Sourry, Chefin der Food-Sparte des Unilever-Konzerns, verspricht sich eine starke Kombination interner Forschung und externer Einrichtungen und Talente.

Viel Herzblut

Die Mitarbeiter reagierten auf die Nachricht mit blankem Entsetzen. "Ich habe keinerlei Verständnis dafür, wie man getrieben vom Rausch einer Vision alles um sich herum ausblendet und in keinster Weise die Expertise, den Erfahrungsschatz im Bereich Savoury und das Herzblut der Mitarbeiter in Betracht zieht", kommentiert der Heilbronner Betriebsratschef Thilo Fischer die Pläne. "Diese Entscheidung hat uns geschockt und wir sind enttäuscht darüber, dass die Betriebsräte nicht einbezogen wurden."

Zugleich erinnert Thilo Fischer daran, dass Konzernchef Paul Polman beim Knorr-Jubiläum vor drei Jahren Heilbronn noch als "das Herz der Savoury-Welt" bezeichnet hatte. In der Knorrstraße sitzt die Grundlagenentwicklung für alle Trockenprodukte der Marke Knorr weltweit. Außerdem werden die Rezepte auf unterschiedliche Geschmacksrichtungen in verschiedenen europäischen Ländern angepasst.

"Jetzt wurde das größte Know-How-Vernichtungs-Programm angekündigt", wettert der Arbeitnehmervertreter − er hält es für weltfremd anzunehmen, dass die große Mehrzahl der Mitarbeiter den Umzug nach Holland mitmacht. "Die Entscheidung ist falsch und muss nochmals überdacht werden." Gemeinsam mit den Arbeitnehmervertretern der anderen Standorte werde man nun weitere Schritte beraten, wie man gegen die Pläne vorgehen könne.

Existenzbedrohend

Auch Uwe Hildebrandt, Vorsitzender des Landesbezirks Südwest der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten, geht mit den Plänen hart ins Gericht: "Diese Entscheidung mit ihren sozialen und existenzbedrohenden Auswirkungen für die Betroffenen ist ein Schock für den Standort Heilbronn."

Der Verlust von fundamentalem Wissen im Bereich der Trockentechnologie berge erhebliche Risiken für die Zukunftsfähigkeit des Standortes, so Uwe Hildebrandt weiter. "Unsere Sorge ist, dass Unilever langfristig an den ganzen Standort will." Durch die Herauslösung der Entwicklung werde die Wettbewerbsfähigkeit massiv verschlechtert.

Gegenüber der Heilbronner Stimme betont ein Unilever-Sprecher jedoch, dass das Werk, in dem Tütensuppen gemischt und verpackt werden, sowie die ebenfalls am Knorr-Stammsitz angesiedelte Großverbrauchersparte nicht von der Entscheidung betroffen seien.

 

 

 

 

 

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