Jobs gegen Sex: Ex-Arbeitsvermittler verurteilt
62-jähriger Brackenheimer nutzt Situation von zwei Frauen schamlos aus − Richterin setzt Haftstrafe zur Bewährung aus

Das Amtsgericht Stuttgart hat einen ehemaligen Arbeitsvermittler zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt. Der 62-Jährige hat von ausstiegswilligen Prostituierten Sex für die Vermittlung von Jobs gefordert. Das Gericht verurteilte den Brackenheimer wegen Bestechlichkeit und Nötigung in besonders schweren Fällen. Zudem muss er 10 000 Euro Geldstrafe bezahlen. "Ich möchte mich für alles, was ich getan habe, entschuldigen", sagte der Mann nach Verlesung der Anklage.
Als eines der beiden Opfer den Gerichtssaal drei des Amtsgerichts Stuttgart verlässt, bricht die Frau in Tränen aus. Mit einer großen dunklen Sonnenbrille vor neugierigen Blicken geschützt, fällt sie in die Arme einer Frau. Die Geschädigte weint und schluchzt. Unter Ausschluss der Öffentlichkeit erzählt die 44-Jährige, was an jenem Oktobertag 2012 im Dienstzimmer des Arbeitsvermittlers passiert ist. Details erfahren die Zuhörer, als Staatsanwältin Dorothee Hepfer (53) die Anklage verliest.
An Brüste gefasst Der Arbeitsvermittler leitete beim Jobcenter in Stuttgart ein Sozialprojekt, das ausstiegsbereiten Prostituierten einen bürgerlichen Job vermitteln sollte. Die heute 44-Jährige war auf der Suche nach einer Arbeitsstelle und landete im Büro des Brackenheimers. Als sie das Zimmer betrat, sperrte er die Tür von innen ab. Den Schlüssel ließ er stecken. Sex mit ihr stelle er sich toll vor, soll er gesagt haben. Dann fasste er der Frau an die Brüste und strich ihr über den Schritt. Er ging zurück an seinen Schreibtisch, öffnete seine Hose. Wenn sie eine bessere Arbeit wolle, solle sie ihn oral befriedigen, forderte er sie auf. Im Oktober 2013 kam es erneut zu einem Vorfall. Einer heute 55-Jährigen fasste er ebenfalls an die Brüste. Sie solle ihn oral befriedigen. Außerdem wolle er sich zum Geschlechtsverkehr privat mit ihr treffen. Dann masturbierte er vor ihr.
Behandlung Sichtlich gezeichnet beschreibt der Brackenheimer, wie es ihm seit den Ermittlungen geht. Seine Ehe stehe auf der Kippe. Er sei in psychotherapeutischer Behandlung. "Ich stand kurz vor dem Selbstmord", sagt der 62-Jährige mit brüchiger Stimme.
Als Arbeitsvermittler sei er in der Justizvollzugsanstalt Stammheim ein und aus gegangen. "Ich habe Angst vor dem Gefängnis." Er würde sich den Arm abhacken lassen, könnte er alles wieder gutmachen. Als das Jobcenter von den Ermittlungen erfuhr, wurde ihm fristlos gekündigt.
Ausgenutzt Richterin Susanne Böckeler (51) spricht bei der Urteilsverkündung von einer kriminellen Energie des Arbeitsvermittlers. "Sie haben Ihre Amts- und Machtposition ausgenutzt." Die Opfer würden auch heute noch unter den Übergriffen leiden. Obwohl er nach dem ersten Vorfall von Ermittlungen gegen ihn wusste, habe er sich erneut an einer Frau vergangen. "Manchmal rutscht der Verstand woanders hin."
Strafmindernd wertet die Richterin, dass der Angeklagte geständig und nicht vorbestraft ist. "Sie waren ein engagierter und guter Arbeitsvermittler. Jetzt müssen sie mit ihren Problemen zurechtkommen." Das Urteil ist rechtskräftig.
Stimme.de