In sieben Tagen über die Alpen
Der Hobbyläufer Marcus Römer aus Brackenheim startet beim Transalpine Run. Dort erwarten ihn 30 000 Höhenmeter im Auf- und Abstieg.

Marcus Römer kommt direkt aus der Kanzlei. Trainingskleidung und -schuhe hat der 45 Jahre alte Heilbronner Rechtsanwalt schon angezogen. Die Sonne steht inzwischen tief am Himmel. In sattem Grün leuchten die Rebstöcke am Michaelsberg bei Cleebronn. Langsam kühlt der heiße Augustabend ab. „Es ist herrlich, hier zu laufen“, schwärmt der Brackenheimer. Nur noch wenige Tage hat er Zeit, um sich auf seine bisher größte sportliche Herausforderung vorzubereiten.
Belastung
Sieben Tage, drei Länder, zwei Läufer: Beim Transalpine Run eines Textillabels will Römer zusammen mit seinem Laufpartner Markus Franz eine Woche lang das höchste europäische Gebirge überqueren. Von Deutschland geht’s für das Crazy Runners Team über Österreich nach Italien. Der Startschuss ist im bayerischen Garmisch-Partenkirchen, der Zieleinlauf im südtiroler Brixen. Dazwischen liegen rund 250 Kilometer Entfernung. Und jeweils fast 15 000 Höhenmeter im Auf- und Abstieg.
„Von der Belastung her ist das täglich ein Marathon“, verdeutlicht Römer. Zwar sei er beim Dodentocht, dem Totenkopfmarsch in Belgien, schon 100 Kilometer am Stück gewandert. Diesmal jedoch neu für ihn: „Dass man am nächsten Tag keine Pause machen kann.“ Auch in punkto Witterung sind die beiden Freizeitsportler auf einiges gefasst. Die lange Hose wird ebenso eingepackt wie die Sonnencreme.
Training
Eine gute Vorbereitung ist das A und O. Für die Alpenüberquerung trainiert Römer seit Januar. Kontinuierlich steigerte er sein Pensum bis auf 100 Kilometer in der Woche. Nun, kurz vor dem Start, muss er aufpassen, sich aus Übereifer nicht zu verausgaben oder zu verletzen. „Ich laufe jetzt noch in einem Bereich, von der Anstrengung, vom Puls her, der eher ein lockeres Training ist. Und gehe in den Distanzen gerade nicht mehr über 10, 15 Kilometer hinaus.“ Außerdem ernährt er sich vegan.
Recht spät hat ihn das Lauffieber gepackt. „Ich habe in der Jugend sehr viel Sport, auch Leistungssport gemacht, Fechten – und habe dann, wie es vielen geht, während des Studiums und der Arbeit das Thema Sport völlig eingestellt“, erinnert sich der Jurist. Erst vor drei Jahren hat er wieder die Sportschuhe geschnürt. Und dann Trailrunning für sich entdeckt, also „Laufen abseits von Asphalt und Stadt, raus in die Natur, in die Berge“, wie der 45-Jährige erklärt.
Chemie

Beim Zugspitz-Super-Trail 2015 haben er und Markus Franz sich kennengelernt. „Wir mussten am Start bei Regen noch warten, sind ins Gespräch gekommen und haben uns auf Anhieb gut verstanden. Die Chemie hat gepasst“, sagt der Brackenheimer. Mehrfach ist das Duo mittlerweile bei Wettbewerben an den Start gegangen. Trainiert wird aufgrund der Entfernung aber getrennt, denn Franz wohnt in Kronach. Ab Sonntag beginnt für die Sportler diese mental und physisch besonders anstrengende Woche.

Drei Buchstaben, die viele Teilnehmer fürchten: DNF – Did not finish, also: nicht beendet. „Es gibt jeden Tag Checkpunkte, an denen man zu gewissen Zeiten vorbei sein muss, sonst wird man aus dem Rennen genommen“, betont Römer. Dennoch wollen die Crazy Runners nicht blindlings auf der Jagd nach Sekunden durch die Alpen rennen. Römer: „Unser Ziel ist, dass wir den Lauf ein Stück weit genießen können.“ Es muss auch die eine oder andere Pause drin sein. Etwa um den Blick über ein herrliches Bergpanorama schweifen zu lassen. Ganz ohne schwäbische Rebstöcke.
Auf ihrer Facebook-Seite berichten Römer und Franz täglich über ihre Erlebnisse.
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