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Heilbronn

Helferteam für Straffällige freut sich über neues Domizil

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Sozialberatung weiht neue, geräumigere Anlaufstelle in Cäcilienstraße ein − Etwa 180 entlassene Gefangene suchen pro Jahr Hilfe

Von unserem Redakteur Carsten Friese
Erleichtert nach dem Umzug: Vorstandschef Jürgen Lepple (li.), Geschäftsführerin Bettina Leiß und das neue Vorstandsmitglied Roland Kleinschroth.Foto: Sawatzki
Erleichtert nach dem Umzug: Vorstandschef Jürgen Lepple (li.), Geschäftsführerin Bettina Leiß und das neue Vorstandsmitglied Roland Kleinschroth.Foto: Sawatzki

Für Oberstaatsanwalt Jürgen Lepple ist es ein Meilenstein, ein Aufbruch in ein neues Zeitalter. Nach Jahren in beengten Räumen in der Weststraße hat der Verein Sozialberatung Heilbronn, die Fachberatungsstelle für Straffällige, ein neues Domizil. In hellen, schmucken Büros können die Mitarbeiter nun entlassene Strafgefangene im Haus in der Cäcilienstraße empfangen und ihnen auf dem Weg in die Freiheit entscheidende Hilfestellung geben.

Die Sozialberatung ist oft der erste Weg, wenn Gefangene in Freiheit kommen und nicht wissen, wohin. Wie geht es weiter, welche Ämter müssen sie ansteuern, wie gibt es Geld zum Leben? "Viele können damit nicht umgehen, lassen sich Kleinbeträge über die Sozialberatung auszahlen", erzählt Vorstandsvorsitzender Lepple. Dies sei für den Verein ein riesiger Aufwand, für viele Klienten aber eine Notwendigkeit.

Der 64 Jahre alte Verein, der sich vor allem aus Bußgeldzuweisungen von Gerichten finanziert, hat das 120-Quadratmeter-Haus aus den 50er Jahren gekauft und umgebaut. 50 Quadratmeter mehr stehen nun zur Verfügung, endlich gibt es klar getrennte Büros für die Beratungen.

Zufall Lange hat der Verein gesucht, bei Mietobjekten oft wenig Bereitschaft der Vermieter gespürt, sobald das Wort der Straffälligenhilfe fiel. Per Zufall stieß man auf das Gebäude, das früher einmal eine Glaserei war. Im Obergeschoss sind vier Wohnungen für Frauen, die aus dem Gefängnis kommen, untergebracht. Sie wohnen hier abseits des Männerwohnheims, das in der Gartenstraße eingerichtet ist. Man begleite auch Kinder von Gefangenen bei Besuchen im Gefängnis oder helfe Frauen von Häftlingen bei Behördengängen, erzählt Lepple. Rund 180 Betreuungen von unterschiedlicher Dauer gibt es im Jahr, überschlägt Geschäftsführerin Bettina Leiß. Ob die Arbeit etwas bringt, ist schwierig festzustellen. Aber: Es gebe Rückmeldungen von Klienten, die sich bedanken, die auch nach einem Rauswurf wegen Verfehlungen später sagen, dass sie den Wert der Hilfe im Nachhinein erkannt haben. "Ich denke, wir können viele stabilisieren, und das ist auch ein Erfolg", bilanziert Bettina Leiß.

Kunst im Knast Zur Einweihung kam auch Generalstaatsanwalt Achim Brauneisen im neuen Haus vorbei, nachdem er zuvor die Staatsanwaltschaft inspiziert hatte.

Die Gäste waren angetan von vielen Kunstplastiken, die auf Podesten stehen und an Wänden hängen. Es sind Kunstprodukte von Gefangenen, die über den Verein "Kunst im Knast" entstanden. Den hat die Sozialberatung samt der Kunstwerke nach dessen Auflösung im Jahr 2014 geerbt. "Ein Brennofen", erzählt Vorsitzender Jürgen Lepple, "war auch mit dabei." Die Kunstgruppe im Gefängnis wolle man in jedem Fall weiter unterstützen.

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