Gemeinde Obertraun erinnert an das Dachstein-Unglück
Filmpremiere in Österreich zum 60. Jahrestag der Katastrophe. Die 30-minütige Dokumentation geht der Frage nach, wie es möglich war, dass 1954 zehn Schüler und drei Lehrer aus Heilbronn bei einer Wandertour in einem Schneesturm erfroren.

Eigentlich hat der Gemeinderat von Obertraun schon vor zehn Jahren beschlossen, nicht mit Gedenkfeiern an das Dachstein-Unglück von 1954 zu erinnern. „Offiziell zumindest“, sagt Egon Höll, Bürgermeister des 700-Einwohner-Ortes im Salzkammergut. „Doch die Tragödie ist hier immer noch im Bewusstsein der Menschen“, erklärt Höll am Freitagabend im Gemeindeamt Obertraun.
Hier, wo normalerweise der Gemeinderat tagt, haben sich rund 250 Besucher versammelt, es gibt nur noch Stehplätze. Grund für den Andrang: Robert Fürst, Redakteur des österreichischen Fernsehens ORF, zeigt erstmals seinen Film „60 Jahre Dachstein-Tragödie“. Er geht in der 30-minütigen Dokumentation der Frage nach, wie es möglich war, dass 1954 zehn Schüler und drei Lehrer aus Heilbronn bei einer Wandertour in einem Schneesturm erfroren. Fürst stellt auch die Frage, ob das Unglück mit heutigen Bergrettungsmethoden verhinderbar gewesen wäre.
Pionierarbeit
Die aufwendige Produktion gibt keine endgültige Antwort auf die Frage. Allerdings beschreibt Fred Höll, Chef der 39 Obertrauner Bergretter, wie sehr sich die Technik in den 60 Jahren verändert hat. Es gibt satellitenunterstütztes GPS, und die Obertrauner Bergretter haben in einer echten Pionierarbeit alle Risse, Mulden und Senken des 200 Quadratkilomter großen Karstgebiets unterhalb des Dachsteins kartographiert, um im Falle eines Falles Personen exakter orten zu können. In dem riesigen Hochplateau fand man die Toten des Heilbronner Dachstein-Unglücks.
Tränen
Die Suche nach den Vermissten mit rund 350 Helfern gilt bis heute als die größte alpine Rettungsaktion in den Alpen. Mit dabei war Walter Höll. Der 82-jährige Bergretter tritt selbst in dem ORF-Film auf und schaute sich die Doku bei der Premiere an. Auch 60 Jahre danach bewegt die Tragödie nicht nur Walter Höll, sondern den ganzen Ort. „Viele haben geweint, als sie die alten Bilder in dem Film sahen“, bekennt Obertrauns Bürgermeister Egon Höll. „Auch ich.“ Doch aus den „schlimmen Erlebnissen“ habe sich auch etwas Positives entwickelt, sagt Höll: „Zwischen Heilbronn und Obertraun hat sich eine Freundschaft und Partnerschaft entwickelt, die bis heute anhält.“

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