Fastenbrechen mit Nachbarn in der Fatih-Moschee
Zum letzten Fastenbrechen im Monat Ramadan hat die Fatih-Moschee gestern Abend Freunde und Nachbarn eingeladen. Die bekamen ein Drei-Gänge-Menü serviert und erfuhren viel über das jetzt anstehende Zuckerfest.

Los geht es mit einer einzelnen Dattel. Damit beginnt für viele Muslime das Fastenbrechen an den Abenden im Monat Ramadan. Auch Serdar Eroglu isst am Montagabend um 21:37 Uhr in der Heilbronner Fatih-Moschee zuerst eine Dattel. Damit endet für ihn der Fastenmonat.
Einen Monat lang hat Eroglu gefastet. Jetzt freut er sich vor allem auf mehr Schlaf. Denn ab morgens gegen 3.50 Uhr hat er jeden Tag bis abends kurz nach 21.30 Uhr nichts gegessen und getrunken. Abends gab es Essen, danach ein Nachtgebet. Und oft stand er morgens um 3 Uhr schon wieder auf, um noch zu frühstücken.
An Arme denken und spenden
Bei aller Schwierigkeit des Fastens: „Uns geht es hier in Deutschland enorm gut“, sagt Eroglu. „Wir wissen, dass jede Nacht zum Fastenbrechen eine Mahlzeit auf dem Tisch steht.“ In anderen Gegenden der Welt müssten die Menschen das ganze Jahr hungern.
Auch daran sollte man beim Fasten denken, findet er. „Man kann im Ramadan spüren, wie es einem gehen kann, wenn man nichts zu essen hat.“ Viele Muslime spenden im Ramadan auch 2,5 Prozent ihres Vermögens an Hilfsorganisationen.

Jeden Abend aßen bis zu 400 Menschen in der Moschee
Von diesen Spenden profitiert auch die Gemeinde in Heilbronn. Jeden Abend gab es während des Ramadan kostenloses Essen für alle Moschee-Mitglieder und Gäste – gespendet von anderen Moschee-Mitgliedern. Auch Studenten und Flüchtlinge seien oft dabei gewesen, sagt Ibrahim Ocak, Vorstandsvorsitzender der Fatih-Moschee. Bis zu 400 Menschen hätten täglich in einem großen Zelt hinter der Moschee gegessen.
Zum letzten Fastenbrechen am Montagabend haben die Heilbronner Muslime in der Fatih-Moschee in diesem Jahr weitere Gäste eingeladen. Fastenbrechen mit Nachbarn heißt der Abend. „Denn gute Beziehungen zu Nachbarn zu pflegen ist ein Zeichen des Glaubens“, sagt Ocak.
„Am Tisch beim Fastenbrechen sind alle gleich“
Überhaupt ist Gemeinschaft im Ramadan sehr wichtig. Jeden Abend essen Gläubige zusammen mit Familie und Freunden. „Der Ramadan bringt Menschen einander näher“, sagt Medine Coskun, die den Nachbarschaftsabend in der Moschee organisiert hat. „Vielfalt funktioniert nicht einfach so, wir müssen etwas dafür tun“, sagt sie.
Über die Einladung zum Fastenbrechen haben sich auch Corinna Vyborny und Heidrun Moustakidis gefreut. Sie sind zwei von mehr als 30 Gästen an dem Abend. Neben Besuchern von der Stadtverwaltung oder der Polizei sind auch Freunde und Nachbarn der Moschee-Mitglieder zum Essen gekommen. Vyborny wohnt fast neben der Fatih-Moschee. Zu Festen kommt sie mit ihren Kindern ohnehin öfter vorbei. „Das gemeinsame Essen zum Fastenbrechen war aber auch eine tolle Idee“, sagt sie.

Ramadanfest mit viel Essen
Auch die Moscheegemeinde freut sich über den Besuch. „Das ist eine sehr schöne Erfahrung für uns“, sagt Fatma Öz, Vorsitzende der Frauengruppe in der Fatih-Moschee. „Am Tisch beim Fastenbrechen sind wir alle gleich.“
In den kommenden Tagen feiern Muslime das Ramadanfest oder Zuckerfest. Sie besuchen sich gegenseitig und laden sich zum Essen ein. Auch Besuche im Gefängnis oder in Altenheimen gehören dazu. „Die Kalorien, die man im Monat Ramadan abgebaut hat, holt man dann an einem Tag nach“, scherzt ein Besucher der Fatih-Moschee.

Stimme.de