Erdbeerverkauf: Standorte sind heiß umkämpft

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Die guten Standorte für den Direktverkauf von Erdbeeren an der Straße sind umkämpft und so viele Stände wie in diesem Jahr hat es nach Einschätzung der Anbauer noch nie gegeben.

Von unserer Redakteurin Bärbel Kistner
An der Zufahrtsstraße zu den Böllinger Höfen steht einer der vielen Stände von Fritz Wormser aus Untergruppenbach.Fotos: Andreas Veigel
An der Zufahrtsstraße zu den Böllinger Höfen steht einer der vielen Stände von Fritz Wormser aus Untergruppenbach.Fotos: Andreas Veigel

Sie stehen an jeder Ecke. Auf Parkplätzen und Brachflächen, in Hausdurchgängen, an Straßenrändern und Feldwegen: Verkaufsstände mit Erdbeeren. Manche haben noch Spargel, ein paar wenige zudem anderes Obst, Gemüse und Blumen. Die guten Standorte sind umkämpft und so viele Stände wie in diesem Jahr hat es nach Einschätzung der Anbauer noch nie gegeben.

"Das geht ohne Rücksicht auf Verluste. Wir haben Erdbeerkrieg", sagt etwa Ruth Frank aus Gellmersbach. "Alle machen sich gegenseitig Konkurrenz", ärgert sich die Erzeugerin. Früher hätten sich alle an Absprachen gehalten. Mancher habe inzwischen aber keine Skrupel mehr, sich direkt vor die Nase von Kollegen zu pflanzen, ärgert sich Ruth Frank besonders über einen großen Anbieter aus dem Landkreis Heilbronn.

"Wir haben einfach zu viele Stände. Der Markt ist gesättigt. Es müsste eher wieder weniger Standorte geben", bewertet Erzeuger Marco Kemmler aus Bad Friedrichshall die Lage. Denn ein Plus an Verkaufshütten bedeute nicht automatisch ein Plus bei der verkauften Menge. Längst nicht mehr alle Stände seien lukrativ zu betreiben.

Lohnkosten

Der Aufwand ist für die Erzeuger relativ hoch. Bei Marco Kemmler kommen einige Hundert Kilometer pro Tag zusammen, um die 14 Stände von Gundelsheim bis Klingenberg zu beliefern. "Wir fahren die Verkaufsstellen alle drei bis vier Stunden an und bringen frische Erdbeeren." Dazu kommen Standgebühren und Lohnkosten.

Familie Frank betreibt neben Hofladen und Wochenmarkt sechs Hütten. Eines der Holzhäuschen steht erstmals an der Allee, der vorige Standplatz vor der Stadtgalerie war ihnen zu teuer, ein fünfstelliger Betrag für vier Wochen. Die Organisation der Standplätze kostet Ruth Frank eine Menge Zeit. 26 Leute stehen dafür auf der Lohnliste: Schüler, Studenten, Hausfrauen, Rentner, die als Saisonkräfte acht Euro pro Stunde verdienen.

Für die Franks ist die Direktvermarktung via Verkaufsstände dennoch sehr wichtig, seit 1994 betreiben sie schon saisonale Verkaufsstellen: "Da kann man als Erzeuger einen anderen Preis erzielen als beim Großmarkt." Außerdem ließen sich dort auch II.-Wahl-Beeren sehr gut vermarkten, zum Beispiel für Marmelade, oder eben nicht verkaufte Ware vom Vortag zu einem günstigeren Preis. Auch Marco Kemmler möchte den Direktverkauf nicht missen: "30 Prozent unseres Erdbeerumsatzes machen wir mit den Ständen."

Preisentwicklung

Bei der Preisentwicklung werden die Erzeuger nach Ansicht Kemmlers zwar von Supermärkten und Discountern unter Druck gesetzt. Grundsätzlich seien die Leute aber bereit, mehr auszugeben: "Nirgends sonst bekommt man so frische Erdbeeren." Auch hier richtet sich der Ärger eher gegen Kollegen, "die ihre Ware billig raushauen. Besonders im Raum Heilbronn gibt es einen Preiskampf". Kemmler bezweifelt, dass die Taktik aufgeht, die Qualität müsse stimmen. "In der Direktvermarktung sind Kunden sehr preissensibel." Auch Ruth Frank hält nichts von "Mondpreisen". In einer frühen Erntephase drei Schalen für vier Euro zu verkaufen, sei nicht in Ordnung.

Kritisch

Gelassen sieht Marktbeschicker Ulrich Fritz aus Untergruppenbach die wachsende Beeren-Konkurrenz in der Region: "Unser Betrieb verkauft seit 50 Jahren Erdbeeren, wir haben keine Einbußen bei unserem Stand auf dem Heilbronner Wochenmarkt." Das liege an seiner guten Ware, aber nicht nur. "An vielen Ständen stehen die Erdbeeren direkt an der Straße und dazu den ganzen Tag an der Sonne."

 

Zum ersten Mal gibt es einen Erdbeerstand an der Allee vor der Post. Die Hütte stand früher vor der Stadtgalerie. Die Miete dort war Erzeuger Frank zu teuer.
Zum ersten Mal gibt es einen Erdbeerstand an der Allee vor der Post. Die Hütte stand früher vor der Stadtgalerie. Die Miete dort war Erzeuger Frank zu teuer.
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